So sieht`s aus

Endspurt beim Stimmenfang in der Rotenburger Fußgängerzone

Info-Stände gehören für die Parteien zum Arsenal des Stimmenfangs im Wahlkampfendspurt – auch in der Rotenburger Fußgängerzone.
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Info-Stände gehören für die Parteien zum Arsenal des Stimmenfangs im Wahlkampfendspurt – auch in der Rotenburger Fußgängerzone.

Rotenburg – Hastig vorbei an den bunten Kugelschreibern, Flaschenöffnern mit Parteilogos und den zugehörigen freundlichen Gesichtern. Noch ist Wahlkampfzeit – und auch rund eine Woche vor dem Urnengang versuchen Parteien und Kandidaten die Bürger in der Fußgängerzone davon zu überzeugen, ihre Stimme für Stadtrat, Kreistag und Bürgermeisterkandidaten herzugeben. Es ist ein doppelter Endspurt: Während politisch Engagierte auf den letzten Metern noch einmal richtig Gas geben, weicht so mancher Desinteressierte oder „bereits Vergebene“ den Überzeugungsversuchen mit einem kurzen Sprint aus.

Szenen wie diese lassen sich allerdings eher selten beobachten. Das muss nicht unbedingt daran liegen, dass Freie Wähler, WIR, WFB, CDU, Volt, Grüne, Linke, FDP, SPD & Co. mit ihren strategisch positionierten Ständen Fluchtversuchen entgegenwirken. Vielmehr sieht es so aus, dass Wähler, Jung wie Alt, das Gespräch gezielt suchen – oder aber in Ruhe gelassen werden. „Viele haben sich schon entschieden. Manche kommen aber noch mit speziellen Fragen zu uns“, schildert Elisabeth Dembowski (Grüne). „Viel drehen lässt sich da aber nicht mehr“, sagt sie angesichts der näherrückenden Wahl.

Zwei, die da wohl widersprechen würden, wollen Bürgermeister der Stadt werden: Der von der CDU unterstützte Frank Holle und der Einzelkandidat Torsten Oestmann. Ersterer sagt: „Info-Stände und Haustürgespräche bringen schon noch was, sonst würden wir das ja nicht machen“. Letzterer will ebenfalls seinem Haustürwahlkampf vor mehr als 1 000 Haushalten noch einige Klinken und Gespräche hinzufügen. „Es macht Spaß. Und je näher der Wahltag kommt, desto entspannter werde ich dabei. Das ist in den vergangenen Wochen schon irgendwie Alltagsituation geworden. Gleichzeitig bin ich schon ziemlich aufgeregt, was den Wahltag selbst angeht“, sagt Oestmann. Eine etwas andere Perspektive bietet Holle, wenn er sagt: „Irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo man froh ist, wenn der Wahlkampf vorüber ist. Ich fühle mich wie im Tunnel, jetzt funktioniert man einfach bis zum Wahltag.“ Und selbst danach gibt es keine Entspannung: Dann geht es nämlich zurück an den Schreibtisch in Tarmstedt, wo für ihn als dortiger Bürgermeister noch eine Bundestagswahl durchzuführen ist.

Ein älterer Herr mit weißem Bart und schwarzer Weste versucht, in der Nähe des Rathauses seine Straßenzeitung an den Mann zu bringen. Damit wird er zum Mitbewerber um die Aufmerksamkeit der Passanten – harte, endliche Währung im Straßenverkauf und -wahlkampf. Verliert er bei all den zusätzlichen Ständen nicht Kundschaft? „Nein, da geht nichts verloren“, ist sich der Zeitschriftenmann sicher.

Frank Holle fühlt sich nach über einem Jahr Arbeit für die Bürgermeisterkandidatur wie „im Tunnel“.

Kein Wunder, der Verkauf der eigenen Position scheint auch nicht Pflichtübung zu sein. Viele der Gespräche drehen sich eher um die kleinen Wahlkampfgeschenke: Wie gut der Inhalt des Saatentütchens den Bienen tut, wie der nachhaltige Apfel aus dem Alten Land schmeckt oder wie viel Zeit in den selbst gestalteten Flyer geflossen ist. Es mag daran liegen, dass die sogenannten „Give-aways“ in kurzen Gesprächen einziges Thema bleiben. Ein Passant wundert sich über die hölzernen Kugelschreiber. „Wir sind die Grünen“, antwortet ein Wahlkämpfer scherzend, weit entfernt vom Stand mit den Äpfeln, die die echten Grünen anbieten.

Torsten Oestmann gibt an, mit jedem Tag entspannter zu werden.

Allerdings wird es hier und dort dann doch mal konkreter: „Guten Morgen, haben Sie schon gewählt? Wir haben Informationen zur Kommunalwahl und wenn Sie möchten, können wir gern darüber sprechen“, heißt es am Wahlkampfstand der FDP, als sie gerade vorm Juwelier aufbaut. Und auch Bürgermeisterkandidat Holle spitzt die Ohren, als ein Jugendlicher im Vorbeigehen seine Gründe zum Besten gibt, die CDU nicht wählen zu wollen. Kurz darauf lädt der Sprecher den Kandidaten zum Dialog ein. Es gibt ihn eben doch noch, den inhaltlichen Austausch auf dieser politischen Sprintstrecke Fußgängerzone.

Doch wie entscheidend ist der Wahlkampf-Endspurt nun wirklich? Zwar sehen insbesondere im Rennen ums Rotenburger Bürgermeisteramt nahezu alle Beobachter ein überaus knappes Rennen. Nur: Viele haben schon gewählt. „Das Briefwahlgeschäft brummt“, sagt Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann. Bis zum Wochenende seien bereits rund 3 000 Briefwahlanträge eingegangen, viele Menschen kommen direkt ins Rathaus, um sie dort zu den regulären Öffnungszeiten in den Wahlkabinen im Ratssaal auszufüllen. Bei rund 18 000 Wahlberechtigten bei der Kommunalwahl und einer angenommenen Wahlbeteiligung von 60 Prozent erwartet er, dass bis zum Wahltag am Sonntag rund die Hälfte aller Stimmen bereits abgegeben sein wird. Für die Bundestagswahl am 26. September könnte der Anteil Briefwähler sogar noch höher werden. Hierfür gebe es in Rotenburg bereits jetzt mehr als 2 000 bei rund 17 000 Wahlberechtigten. Eine Umfrage habe das Wahlteam im Rathaus aber noch nicht gemacht, versichert Schiemann ganz ernsthaft auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, wer denn nun Bürgermeister werde. Auch würden die Wahlzettel selbstverständlich erst am Wahlabend mit den anderen vor Ort ausgezählt werden. Eine Antwort gibt er aber dennoch: „Der, der die meisten Stimmen bekommt.“

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