Sender sollen Aktionsradius zeigen

Nach Sichtung in Hepstedt: Auf den Spuren der Wölfe

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Das Umweltministerium will das Wolfsrudel bei Gnarrenburg mit Peilsendern orten. Foto: dpa

Steinfeld/Hepstedt - Von Bert Albers und Joris Ujen. Der vermeintliche Wolfsbiss von Steinfeld wird vermutlich immer ein Mysterium bleiben. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass sich Wölfe wieder vermehrt in Richtung der Samtgemeinde Tarmstedt orientieren. Das niedersächsische Umweltministerium will die Tiere nun mit Peilsendern versehen, um herauszufinden, wie nah sie den Menschen tatsächlich kommen.

Seit dem Jahreswechsel hat es mehrere Sichtungen gegeben. Unter anderem wurden in Ehebrock (Gemeinde Breddorf) und in der Nähe von Wentel (nördlich von Kirchtimke) laut Heinz-Hermann Holsten, Vorsitzender der Zevener Jägerschaft, einzelne Wölfe gesichtet. 

Die beeindruckendste Begegnung hatte aber offenbar ein Waidmann, der am 6. Januar in den Hepstedter Weiden, nordwestlich des Ortes, ansaß. Ihm begegneten fünf Wölfe, bestätigt Holsten. Es gelang zudem, dort eine Fährte zu fotografieren, die nach Ansicht hiesiger Jäger von einem Wolf stammt. Eine Gruppe dieser Größe habe es bisher in der Samtgemeinde nicht gegeben, so Holsten.

Diese Spur, die nordwestlich von Hepstedt gefunden wurde, soll von einem Wolf stammen.

Es sei nicht unwahrscheinlich, dass es sich um Tiere aus dem Rudel handele, das seit dem vergangenen Jahr im Huvenhoopsmoor (Einheitsgemeinde Gnarrenburg) ansässig ist. Möglicherweise hätten die jüngeren Wölfe des Rudels mittlerweile ihren Aktionsradius erweitert.

Von Hepstedt nach Steinfeld sind es keine zehn Kilometer. Könnte es also sein, dass die Gnarrenburger Wölfe im November in Steinfeld waren? Stimmt es, dass dort ein Gemeindearbeiter nahe dem Friedhof von einem Wolf gebissen wurde? Nachdem dafür bei einer DNA-Analyse keine Belege gefunden worden waren, wuchs nicht nur in der Öffentlichkeit die Skepsis gegenüber der Aussage des Betroffenen. Laut Holsten hat auch ein Experte nach Ansicht eines Fotos der Bissspuren Zweifel angemeldet.

Der Mann kommt aus Spanien und wurde im Dezember vergangenen Jahres eigens vom Umweltministerium eingeflogen, um in Mulmshorn sein Wissen zu teilen. An der Sitzung nahmen neben Holsten weitere Vertreter der Jägerschaft, Wolfsberater, ein Abgesandter des Ministerium und Biologen teil. Der Spanier habe klar gemacht, dass er nicht an einen Wolfsbiss glaube. 

Zudem klärte er die Runde darüber auf, wie Wölfe gefangen werden können. Genau das soll mit dem Gnarrenburger Rudel und eventuellen anderen Wölfe geschehen, um sie mit Sendern auszustatten. So wollen die Verantwortlichen mehr darüber erfahren, welche Wege die Wölfe gehen. Von größtem Interesse ist zudem, ob und wann sie sich möglicherweise auch Dörfern und damit Menschen nähern.

Jürgen Cassier nahm ebenfalls an dem Treffen in Mulmshorn teil. Der ehrenamtliche Wolfsberater im Landkreis Rotenburg nimmt nun Kontakt zu den Jägern bei Gnarrenburg auf. Mit ihnen will er Fotofallen in der Region aufstellen, berichtet Cassier auf Nachfrage der Kreiszeitung. „Dadurch wollen wir nachvollziehen, ob das Wolfsrudel hier überhaupt noch aktiv ist.“ Wenn dem so ist, werde das vom Umweltministerium beauftragte Wolfsbüro die Tiere fangen und mit Sendern versehen. 

Das Vorhaben vom Umweltministerium ist sehr ambitioniert. Wolfsberater Jürgen Cassier zur geplanten Überwachung von Wölfen durch Peilsender.

Das Einfangen geschehe dann wahrscheinlich mit einer Kastenfalle oder einer „Soft-Catch-Trap“, informiert Justina Lethen, Pressesprecherin des Umweltministeriums. Letztere Falle besteht aus zwei gepolsterten Bügeln, die breit aufgespannt werden und beim Zuschnappen ein Signal senden. Noch ist diese Methode aber nicht genehmigt, das Ministerium wartet auf grünes Licht.

In Niedersachsen gibt es laut der Landesjägerschaft nach aktuellem Stand 21 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und einen residenten Einzelwolf. Im Landkreis Rotenburg sind bei Gnarrenburg mit sieben bestätigten Welpen und Visselhövede mit zwei Nachkömmlingen Wolfsrudel nachgewiesen worden.

Cassier hält das Fang-Vorhaben „für sehr ambitioniert“. Sollte es aber gelingen, wird auch bald klar sein, ob sich Wölfe etwa im Bereich Hepstedt niederlassen, oder resident werden, wie es Fachleute nennen. Überraschend wäre das nicht. Bereits 2017 hatte es in Hepstedt und umliegenden Orten so viele Sichtungen gegeben, dass es schien, als würden dort Wölfe sesshaft. Doch dann verschwanden sie wieder.

Seit 2011 dokumentiert die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) im Auftrag des Landes die Populationsgröße und Verbreitung der Wölfe, das sogenannte Wolfsmonitoring. In Niedersachsen wird dies in erster Linie passiv durchgeführt, die Meldung von Wolfshinweisen (Sichtungen, Fotofallenaufnahmen, Risse) erfolgt durch rund 140 ehrenamtliche Wolfsberater, Jäger oder andere Naturnutzer. 

Aber auch aktive Maßnahmen wie das Fotofallenmonitoring werden für die Datenerhebung genutzt. Dass die Wolfspopulation wächst, zeigt sich auch durch die Anzahl an Meldungen, die beim LJN eingehen. Waren es im ersten Monitoringjahr 2011/2012 138 Meldungen, bearbeitete die Landesjägerschaft 2017/2018 3015 Hinweise. Über die Internetseite www. wolfsmonitoring.com können Sichtungen direkt an den Verein übermittelt werden. Zudem werden dort Wolfsnachweise, Territorien, Totfunde und die Verbreitung umfangreich aufgeführt.

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