Mit 30 000 Euro verdient Rotenburg nur wenig an Falschparkern

Auf den Spuren von „Knöllchen-Horst“

Druckt Knöllchen und macht sogar Fotos: die „Politess“ der Stadtverwaltung Rotenburg. - Fotos: msc

Rotenburg - Als „Knöllchen-Horst“ ist bundesweit ein Frührentner aus dem Harz bekannt geworden. Seit 2004 jagt er Falschparker in seiner Umgebung und hat inzwischen bereits mehr als 50 000 Mal Anzeige erstattet – keinesfalls zur Freude der Behörden. Aber auch in Rotenburg ist man hinter Falschparkern hinterher. Ganz amtlich. Zwei Beschäftigte kontrollieren an den Straßen der Kreisstadt.

Eigentlich wollte ich einen der beiden mal einen Tag begleiten, wollte sehen, wie das so mit der Parkdisziplin in Rotenburg ist. Das aber wollten die nicht, dass ihnen einer von der Lokalzeitung auf die Finger schaut. Nachgefragt habe ich trotzdem – bei Frank Rütter, dem Leiter des Rotenburger Ordnungsamtes. Er hat zu unserem Gespräch noch zwei Kollegen gebeten.

Uwe Knabe und Merten Franz, ebenfalls Mitarbeiter der zuständigen Behörde, können sich denken, warum die „Verkehrskontrolleure“ nicht unbedingt in der Zeitung auftauchen wollen. „Da muss man sowieso schon viel einstecken“, wissen sie aus Erfahrung. Das kann schon mal ganz schön „belastend für die Beschäftigten sein“, die schließlich auch in der Stadt wohnen und sich manches anhören müssen, wenn der Wagenbesitzer just in dem Moment um die Ecke kommt, wenn die „Zahlungsanweisung“ frisch ausgedruckt hinter den Scheibenwischer geklemmt wird.

Die häufigste – und vergebliche – Ausrede ist dann die mit „mal eben“: „Ich war nur mal eben zur Post!“ „Ich hab‘ nur mal eben was abgegeben.“ „Ich wollte nur mal eben im Krankenhaus nachfragen.“ Die „Stammkunden“ tun das auch locker ab („Von zehn Mal geht"s neun Mal gut“); die ganz Harten fragen auch schon mal nach, ob sie nicht gleich im Lastschriftverfahren zahlen könnten.

Das scheint die Verantwortlichen der Rotenburger Straßenverkehrsbehörde zu ärgern. Sie machen’s ja schließlich nicht aus Spaß. Und noch nicht mal richtig Geld kommt dabei zusammen! „Etwa 30 000 Euro im Jahr“, veranschlagt Rütter im Haushalt als Ergebnis der „Kontrolle des ruhenden Verkehrs“, wie es auf amtsdeutsch heißt. In den fließenden Verkehr dürfen sie nämlich nicht eingreifen. Keine Raser in der verkehrsberuhigten Zone , keinen Mofafahrer im Fußgängerbereich stellen. Das wäre Sache der Polizei.

„Es geht doch nicht um Abzocke“

Trotzdem – die Gesamtsumme erscheint mir fast lächerlich gering. Immerhin liegt der Minimalbetrag für den einfachen „Grundtatbestand falsches Parken“ schon bei zehn Euro. Das kann sich leicht steigern – wer zum Beispiel falsch parkt und dabei jemanden behindert (vor einer Ausfahrt) zahlt 25 Euro; vor einer Feuerwehrzufahrt kostet es gleich 65. Wenn ich mal von durchschnittlich 15 Euro pro „Sünder“ ausgehe, wären das im Jahr mal gerade zweitausend von ihnen. Weniger als zehn pro Arbeitstag, rechne ich schnell meinen Gesprächspartnern vor. Die sind völlig unbeeindruckt von meinen Zahlenspielchen mit Gewinnmaximierung. „Es geht doch nicht um Abzocke“, teilt Rütter mir mit. Aus gutem Grund kontrolliert man nicht nur täglich vorm Diakonieklinikum oder in den Nebenstraßen am Bahnhof, wo jeweils die meisten Parksünder zu finden sind, sondern eben auch da, wo es um „mehr Verkehrssicherheit“ und die „Steigerung der Lebensqualität in den Wohngebieten geht“. Sprich: wo durch gedrängt stehende Parker die Müllabfuhr oder gar die Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge nicht mehr durchkommen. Das ärgert die Anwohner, die dann auch zum Telefon greifen und nach mehr Kontrollen rufen.

Wer dann erwischt wird, zahlt keinesfalls immer gleich. „Zehn bis fünfzehn Prozent“ der Falschparker widersprechen erst einmal. Ein erheblicher Anteil zieht allerdings nach der ersten Anruf bei der Behörde gleich wieder zurück. Die häufigsten Ausreden: „Ich hatte doch meine Parkscheibe oder den Parkschein drin, das müssen Sie übersehen haben!“ Oder: „Weniger als fünf Meter von der Kreuzung ? Ich war mindestens sieben Meter entfernt!“ Oder: „Da war doch noch Platz genug vor der Ausfahrt!“ Diese „Dauerbrenner“ können neuerdings direkt widerlegt werden: Ein handlicher Automat druckt nicht nur gleich das „Knöllchen“ aus, nennt den Tatbestand, Datum und Uhrzeit, sondern fotografiert auch. Wer dann die Parkscheibe doch im Handschuhfach versteckt hatte, hat schlechte Karten.

„Alles in allem“, stellen meine drei Gesprächspartner fest, „soll es ja vor allem ein Mehrwert für die Bevölkerung sein.“ Recht haben sie. Unsereins freut sich auch, wenn die knappen Parkplätze in der Innenstadt nicht durch Dauerparker zugestellt werden.

Die schlappen 30 000 Euro pro Jahr lassen mich allerdings nicht ruhig. Ich mach einfach auch mal den „Knöllchen-Horst“. 200 Meter Lindenstrasse: 25 Autos – 20 mit Parkschein, zwei mit Parkscheibe (an dieser Stelle völlig unsinnig), drei ohne alles. Das wären schon mal mindestens 50 Euro – in noch nicht mal einer Viertelstunde. Aber – heiß" ich Horst?

Von Michael Schwekendiek

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