ARS will jährlich 10 .000 Euro mehr von der Stadt Rotenburg

Sportvereine gehen am Stock

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Rolf Ludwig plant, schon bald einen Antrag auf höhere Bezuschussung der Rotenburger Sportvereine im Rathaus abzugeben. 10.000 Euro mehr fordert der ARS-Vorsitzende.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es ist nicht das erste Mal, dass Rolf Ludwig auf die prekäre Situation der Sportvereine aufmerksam macht. Bei der Sportlerehrung im Februar hat er das finanzielle Problem bereits angesprochen, und auch im Finanzausschuss der Stadt Rotenburg hat er kein Blatt vor den Mund genommen.

Die 40 Clubs unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine (ARS) gehen am Stock – „so kann es nicht weitergehen“, sagt dessen Vorsitzender jetzt in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Und deshalb werde die ARS schon bald einen Antrag bei der Stadt einreichen – Ludwig fordert jährlich 10.000 Euro mehr.

Bislang bekommt die ARS 48.000 Euro pro Jahr. Das Geld wird anschließend nach einem festgelegten Schlüssel an die Vereine verteilt, die es zusammen auf 10.200 Mitglieder bringen. Ludwig will noch in diesem Jahr mehr Geld für die Arbeit in den Vereinen. Er ist sich sicher, dass die Mitgliederversammlung am 26. April seinem Vorschlag zustimmt und der Antrag dann auf die Reise gehen kann. Und dabei weiß er, dass selbst dieses Plus nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. „Die Verbandsbeiträge fressen uns auf“, sagt der 74-jährige Finanzkaufmann. Die 40 Vereine in der ARS zahlten pro Jahr rund 150 .000 Euro an den Landes- sowie an den Kreissportbund oder auch an Fachverbände. Ludwig: „Die Beiträge haben sich in den vergangenen drei bis vier Jahren verdoppelt.“

Was den ARS-Chef dabei am meisten ärgert: „In den Verbänden bekommen die Ehrenamtlichen richtig hohe Aufwandsentschädigungen, während sie es bei uns in den Vereinen nicht bekommen. Die Basis verhungert.“ Die Folge dieser Entwicklung zeige sich in steigenden Mitgliedsbeiträgen – ganz so, wie jüngst beim TuS Rotenburg, dessen Vorsitzender Ludwig ebenfalls ist. „Bei steigenden Beiträgen gehen uns nach und nach die Mitglieder verloren – damit entsteht eine neue finanzielle Lücke.“

Die Gefahr liege klar auf der Hand: Sie bestehe darin, dass die Clubs ihre bisherigen Angebote nicht mehr aufrecht erhalten können. Fusionen seien die einzige Möglichkeit, die Entwicklung ein wenig abzufedern. Eine davon stehe unmittelbar bevor: Die Handballer des TuS Rotenburg und des TV Scheeßel werden künftig gemeinsame Sache machen, so Ludwig. Weitere würden folgen.

Die Vereine in der ARS beschäftigen zurzeit 712 Übungsleiter sowie Helfer. Bei allen zusammen entstünden allein dafür Kosten in Höhe von rund 750.000 Euro pro Jahr. „Zählen wir die Fahrtkosten noch hinzu, liegen wir bei Fixkosten von insgesamt mehr als einer Million Euro“, rechnet Ludwig vor. Die Kosten steigen, die Mitgliederzahlen sinken. Ludwig setzt darauf, dass die Stadt pflegt, was die Stadt so sehr auszeichnet: „Rotenburg ist eine Sportlerstadt.“ Aber mehr noch: Es seien Übungsleiter der Vereine, die das sportliche Angebot in den Ganztagsschulen sicherten, so Ludwig. Von der Politik erwarte er bei der Entscheidung über den ARS-Antrag nicht zuletzt deshalb einen einstimmigen Beschluss.

Zugleich richtet der ARS-Chef eine Forderung an die Verbände: „Die Beiträge dürfen nicht noch weiter steigen.“ Finanziert würden damit zum Teil riesige und vor allem teure Apparate – das Geld fehle dann an der Basis.

„Für den KSB ein Thema“

„Ich kann die Kritik von Rolf Ludwig an den steigenden Verbandsbeiträgen sehr gut nachvollziehen.“ Mit diesen Worten reagiert Herbert Tietjen, der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB) auf den seiner Ansicht nach berechtigten Vorstoß des ARS-Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft – Rolf Ludwig den KSB dabei nicht ausnimmt. „Aber wir kriegen ja nur einen geringen Teil, der Löwenanteil geht doch an den Landessportbund“, so Tietjen. Der KSB benötige das Geld vor allem für Aus- und Fortbildungen, die den Vereinen dann gegen lediglich geringe Gebühren für Auslagen und Verpflegung angeboten würden. Darüber hinaus unterhalte der KSB eine Geschäftsstelle mit einer halben Kraft.

Dennoch: Rolf Ludwig weise zurecht auf die Entwicklung der vergangenen Jahre hin. Das Geld fließe in der Tat nach oben – und die Vereine stünden zunehmend vor der Entscheidung, ihre Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Tietjen: „Wir können aber nicht bis ins Unendliche an dieser Schraube drehen.“ Schon jetzt seien deutlich sinkende Mitgliederzahlen zu registrieren. Im Kreissportbund sei sie innerhalb von nur einem Jahr um 2.000 auf zuletzt 83.000 gesunken. „Dafür gibt es mehrere Gründe, aber die Mitgliedsbeiträge gehören dazu.“

Klarer Fall für Herbert Tietjen: „Wir müssen uns mehr als bisher mit diesem Thema beschäftigen. Mehr noch, als wir das bislang getan haben.“ Schon im September will er daher bei der Regionaltagung der Vereine im KSB das Thema auf den Tisch bringen. Und das, obwohl die Kritik aus den Vereinen insgesamt wesentlich verhaltener sei als der jetzige Vorstoß vom ARS-Vorsitzenden. Schließlich habe es sich der KSB auf die Fahne geschrieben, für die Vereine da zu sein.

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