Das Sextett „Capella Vocale“ zu Gast in der Rotenburger Stadtkirche

Spontanes Kirchenkonzert

„Capella Vocale“ gaben am Sonntag ein spontanes Konzert in der Stadtkirche. Foto: PRÖHL

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Dass Kulturinteressierte auf dem Lande auch spontan sein können, beweisen knapp hundert Besucher am vergangenen Sonntagnachmittag: Sie betreten inScharen die Rotenburger Stadtkirche. Kreiskantor Simon Schumacher hat kurzfristig zu Chor- und Orgelmusik mit dem Sextett „Capella Vocale“ eingeladen. Weil dessen Tourneeplan durcheinander geraten war, ist ein Termin für die Wümmestadt freigeworden. Und so zeigt sich Schumacher in seiner Begrüßung freudig überrascht: „Mit dem Andrang konnte selbst der optimistischste Kantor nicht rechnen.“ Man möge sich bitte die Programm-Hefte untereinander ausleihen.

Dann holt Hauptinitiator, Sänger und Organist Kay Philipp Fuhrmann, für das Präludium in D-Moll von Dieterich Buxtehude alle klangliche Vielfalt heraus, die in ihr stecken. Er kann sich musikalisch also reichlich bedienen. Der Auftakt ist schon mal gelungen.

Danach betreten sechs junge Menschen den Altarraum, die sich erst kürzlich zu „Capella Vocale“ zusammengefunden haben, obwohl sich das in aufgrund ihrer jeweiligen Herkunft nicht unbedingt anbietet. Sie Künstler kommen aus Hamburg, Mainz, Oldenburg, Bern und Schaffhausen in der Schweiz. Bei wem probt man da überhaupt? Was sich das Sextett vorgenommen hat, ist ein anspruchsvoller Wechselgesang in Form einer musikalischen Messe mit Werken des Frühbarock. Arbeitstitel: „In Bedrängnis.“

Wer hier im Sinne von „Kennste einen, kennste alle“ durchwinken möchte, irrt gewaltig. Jeder einzelne Zuhörer wird von den unterschiedlichsten Klangwelten eines William Byrd, Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein überrascht. Byrd konzipiert Strukturen in lateinischer Strenge. Schein hingegen teilt sich lautmalerisch, sehr bewegt, beinahe balla-denhaft, dar und stellt höchste Anforderungen an das Ensemble, das hier intonatorisch höllisch aufpassen muss – es absolviert manchen Schleuderkurs. Und so wird „Bedrängnis“ hörbar. Doch auch der so vertraute Heinrich Schütz liefert Stolper-stellen und klingt einfacher als er ist.

Mit Bachs „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ ermöglicht Kay Philipp Fuhrmann an der Orgel seinen Gesangskollegen und dem Publikum eine willkommene Verschnaufpause. Fuhrmann nimmt die Passionsmusik mit viel Atem und Ruhe und gibt dem Konzert an dieser Stelle einen Augenblick nachdenklich bedächtiger Meditation. Der Mensch und seine Sünden – es ist schon zum Weinen.

Dass der erst 23-jährige Fuhrmann auch komponieren kann, stellt er im Quintett über „Vaterunser“ unter Beweis, das er vollmundig, weich und neo-romantisch anlegt. So etwas geht leicht und gern ins Ohr. Noch einmal William Byrd mit „Agnus Dei“ und Heinrich Schütz´ populäres „Verleih uns Frieden“, und eine konzentrierte Stunde Kirchenmusik ist vorüber. Sehr herzlicher Beifall für das junge Ensemble, das jetzt scheue Blicke tauscht: „Zugabe?“ Einer schüttelt dezent den Kopf. Wohl lieber nicht. „Byrd ist ganz schön diffizil“, urteilt ein Zuhörer. „Schönes Konzert“, sagt eine Zuhörerin. „Sie mussten sich erst finden“, meint eine andere Besucherin. „Für mich fehlte der Gänsehaut-Effekt“, so ein weiteres Urteil. „Toll“, ruft es aus anderer Richtung. Manchmal sind spontane Entscheidungen einfach eine gute Idee.

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