Suche nach Auszubildenden

Soziale Medien spielen kaum eine Rolle

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Die Zukunft der Jobsuche liegt laut Experten im Internet – zum Beispiel auf sozialen Netzwerken wie Xing. 

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Empfehlungen, Anzeigen in Tageszeitungen, Ratschläge von Eltern und Lehrern – darauf verlassen sich die jungen Leute bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Betriebe setzen auf Praktika und die Jobbörsen der Bundesagentur für Arbeit beziehungsweise der Industrie- und Handels- sowie der Handwerkskammern. Soziale Netzwerke spielen kaum eine Rolle, die Internetseiten der Betriebe mit entsprechenden Infos schon eher. Dies ist das fast einhellige Ergebnis von Umfragen unterschiedlicher Institutionen. Es deckt sich mit den Aussagen der Betriebe im Landkreis Rotenburg – vor allem im Handwerk.

Soziale Netzwerke wie Facebook oder speziell für die Arbeitswelt Xing spielen bei der Suche nach Mitarbeitern eine untergeordnete Rolle. Vor allem die Handwerksbetriebe tun sich nach Ansicht von Günter Neumann, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildungsrecht und Internationale Berufsbildung der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, damit schwer. So hat eine Befragung Anfang vergangenen Jahres ergeben, dass nur rund acht Prozent der Betriebe soziale Medien zur Mitarbeitergewinnung nutzen. „Das Thema ist somit ausbaufähig.“

Die Betriebe im Landkreis Rotenburg machen da keine Ausnahme. „Facebook nutzen wir nicht viel“, meint Heike Bolz von Schreiber Haustechnik aus Rotenburg. Sie ergänzt: „Wir setzen eher auf den Kontakt mit Schulen. Bei uns stehen Praktika im Vordergrund.“ Auch die Mund-zu-Mund-Propaganda sei nicht zu unterschätzen. Wer sich für einen Ausbildungsplatz bewerben wolle, könne dies über die Internetseiten des Betriebes tun.

Zu denen, die den klassischen Weg gehen, gehört auch die JBS GmbH aus Visselhövede. Der Dienstleister für Landwirtschaft informiert auf seiner Internetseite zwar über Karrierechancen. Doch über soziale Netzwerke und Internetbörsen finden keine Auszubildenden den Weg zum Betrieb. Hans-Hinrich Hastedt, stellvertretender Personalleiter bei JBS, informiert: „Durch unsere Branche sind wir sehr regional unterwegs.“ Das Unternehmen stelle vor allem Groß- und Außenhandelskaufleute ein. Der Nachwuchsbedarf werde durch Auszubildende und Absolventen eines Dualen Studiums gedeckt.

Die Nutzung sozialer Netzwerke oder des Internets sei sicherlich branchenabhängig, ist sich ein Sprecher von Höhns-Bau in Bothel sicher. Das Unternehmen selbst bietet wie viele einen eigenen Bereich zum Thema Ausbildung und Praktikum auf seinen Internetseiten an. Es sucht noch für dieses Jahr angehende Maurer sowie Beton- und Stahlbetonbauer. Die Frage hierzu: „Keine Lust auf Schlips?“ Trotz dieser witzigen Fragen sei jedoch der Erfolg überschaubar: Ganze zwei Bewerbungen seien online eingegangen.

Ganz anders ist die Gemengelage in der Softwarebranche. Das macht Christa Förster-Müller, Personalverantwortliche und Prokuristin von PDS Software in Rotenburg, klar. Die sozialen Netzwerke würden an Bedeutung gewinnen. So habe PDS Software vor gut einem Jahr begonnen, seine Ausbildungs- und Teilzeit-Studienplätze über Facebook auszuschreiben – „noch nicht massenhaft, aber wir werden das forcieren“, sagt Förster-Müller.

Ideen dazu, wie das zu geschehen hat, gibt es schon: PDS denkt unter anderem über Videos nach. Sie sollen im Netz verbreitet werden. Zurzeit setzt das Unternehmen aber in erster Linie auf seinen „Azubi-Blog“. Er wird von den jungen Leuten selbst gepflegt. Darüber hinaus setzt PDS nach Angaben von Förster-Müller speziell bei der Ausschreibung der Ausbildungsplätze auf die Bundesagentur für Arbeit sowie für das Finden älterer Mitarbeiter auf die Jobbörse „Stepstone“. Förster-Müller: „PDS macht auch viel über Xing.“ Es ist ein soziales Netzwerk für Job und Karriere und wird von der Xing AG mit Sitz in Hamburg betrieben.

Mit seiner Strategie ist PDS Software einer der Vorreiter im Altkreis Rotenburg. Über kurz oder lang dürften sich die Aktivitäten für die Azubisuche weiter in die sozialen Netzwerke verlagern. Davon sind Fachleute wie Handwerkskammer-Vertreter Neumann überzeugt. Die Frage, warum es noch nicht mehr sei, „lässt sich im Wesentlichen mit den kleinen betrieblichen Strukturen der Handwerker, dem Altersdurchschnitt der Betriebsleiter und der guten Auftragslage erklären“, meint er.

Auf dem Weg ins Netz und in die sozialen Medien gebe es seitens der Handwerkskammer diverse Unterstützung. Neumann: „Wir führen eine Lehrstellenbörse im Internet, loben einen Wirtschaftspreis – ,lünale‘ – für die Nutzung von Social Media für die Nachwuchswerbung aus, bieten Vorträge zur Nachwuchswerbung an. Den jungen Leuten muss man kommunikativ-technisch auf Augenhöhe begegnen.“

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