Spinnentiere übertragen Krankheiten

Sommerzeit ist Zeckenzeit

Nicht jedermanns Freund: der Holzbock. - Foto: imago

Rotenburg - Von Frauke Hellwig. Zecken lauern überall. Die gierigen Blutsauger können dabei verschiedene Krankheiten übertragen, die bekanntesten sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Auch wenn letztere in der Region so gut wie nie vorkommt, sollte sich jeder, der in der Natur unterwegs ist, vor einem Zeckenbiss schützen, raten Experten.

So klein die Zecken auch daher kommen mögen, ihre Gefährlichkeit sollte nicht unterschätzt werden. Sie tragen allerlei Erreger mit sich herum, die sie über einen schmerzlosen Stich auf ihren Wirt übertragen können.

Zecken könnten in Zukunft das gesamte Jahr über aktiv sein

Eine Infektion mit Viren, die die FSME übertragen oder Bakterien, die beispielsweise Borreliose verursachen können, kann ernsthafte Folgen haben. „In Westeuropa ist vor allem der Gemeine Holzbock verbreitet“, erklärt Frank Stümpel, Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Rotenburg. Andere Arten kämen im Norden Deutschlands nur sehr vereinzelt vor.

„Was man allerdings beobachten kann, ist, dass sich die Aktivitätszeiten der Zecken durch milde Winter verändert haben. Sie werden bei knapp unter zehn Grad aktiv, zum Teil auch durchgehend, wenn die Temperaturen mild und die Luftfeuchtigkeit hoch ist.“ Zecken könnten unter Umständen also das ganze Jahr über auf der Suche nach einer Blutmahlzeit sein. Es drängt sich somit das Gefühl auf, dass die achtbeinigen Plagegeister immer häufiger werden und einem den Aufenthalt in der Natur immer häufiger nachdrücklich verderben.

FSME ist in Norddeutschland nicht relevant

Doch zumindest in Bezug auf die gefürchtete FSME gibt Stümpel Entwarnung. Diese Erkrankung ist nach seinen Angaben nur in südlicheren Gefilden, in Osteuropa und in den Küstengebieten von Schweden relevant. In Norddeutschland nicht. Wer in diese Risikogebiete fährt und vorhat, sich dort in der Natur aufzuhalten, sollte sich daher impfen lassen. Die Krankenkassen übernehmen meist die Kosten dafür. Gegen Borrelien, die gefürchteten Erreger der Borreliose, hingegen lässt sich prophylaktisch nichts tun. Sie spricht allerdings gut auf eine Therapie mit Antibiotika an. Trotz allem sollte aber auch eine Borreliose-Infektion nicht verharmlost werden, denn häufig wird sie gar nicht bemerkt, und es kommt, manchmal erst nach Jahren oder Jahrzehnten, zum Ausbruch. Dann ist es oft schwer für den Arzt, die Ursache zu finden und den Patienten entsprechend zu behandeln.

„Tritt nach einem Zeckenstich die sogenannte Wanderröte auf, dann ist das ein sicheres Zeichen für eine Borreliose. Dann muss man unbedingt zum Arzt gehen“, betont Stümpel. Doch diese kreisförmige Rötung tritt nur in rund 60 Prozent aller Fälle auf. „Hat man keine Wanderröte, heißt das nicht, dass man nicht infiziert wurde. Hat eine Zecke bereits längere Zeit Blut gesaugt oder es treten grippeartige Symptome auf, Fieber oder auch Nerven- und Gelenkbeschwerden, dann sollte man ebenfalls zum Arzt gehen.“

Nicht jeder Zeckenstich bedeutet eine Krankheit

Umgekehrt bedeutet ein Zeckenstich noch lange nicht, dass man sich tatsächlich eine Krankheit eingefangen hat. Rund 30 Prozent der Holzböcke in dieser Region tragen Borrelien in sich. Diese befinden sich allerdings im Darm des Spinnentieres und werden erst nach zwölf bis 24 Stunden in den Wirt abgegeben. „Wichtig ist also, die Zecke möglichst früh und vor allem sachgerecht zu entfernen. Dazu benutzt man eine Pinzette, eine Zeckenkarte oder eine spezielle Zeckenzange.“

Dabei das Tier möglichst nah an der Haut fassen, die Zecke etwas hin und her bewegen, um die Widerhaken am Stechapparat zu lockern, dabei aber keinesfalls quetschen, und dann senkrecht aus der Haut ziehen. Die Stichstelle anschließend reinigen und desinfizieren. Stümpel rät dringend davon ab, alte Hausmittel wie Klebstoff oder Öl zu benutzen, denn noch im Todeskampf könnte die Zecke ihre Erreger verstärkt in das Blut abgeben. 

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Das hilft:

• Wer Zeckenstiche vermeiden will, der sollte sich möglichst von hohem Gras oder Unterholz fernhalten, rät Frank Stümpel.

• Gerade im Wald, und hier in der Laubstreu, fühlen sich die Tiere besonders wohl.

• Auch lange Grashalme und die Pflanzen im eigenen Garten werden von Zecken gern genutzt.

• Gegen Zecken hilft das Tragen langer, heller Kleidung und von Gummistiefeln. Und das auch bei Hitze.

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