Sommer zu feucht und zu kalt: Winzer trotzdem zufrieden

Was lange gärt, wird endlich gut

Die Ernte ist geschafft: Die Winzer sind stolz auf das Ergebnis.
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Die Ernte ist geschafft: Die Winzer sind stolz auf das Ergebnis.

20 Kilogramm Trauben haben die Erntehelfer in Unterstedt an den vergangenen beiden Wochenenden in Körben gesammelt. Etwa 400 Liter Wein wollen die Winzer der Wein Gut Wümme GbR daraus gewinnen. Sie sind zufrieden mit der ersten Ernte, obwohl diese wegen des nasskalten Sommers nicht so gut war wie erhofft.

Unterstedt – 520 Kilogramm Trauben haben die Erntehelfer an den vergangenen beiden Wochenenden in ihren Körben gesammelt. Etwa 400 Liter Wein wollen die Winzer der Wein Gut Wümme GbR daraus gewinnen. „Wir sind stolz auf unsere erste Ernte – auch wenn wir etwas mehr erwartet hatten. Wir wollen den Ertrag in den kommenden Jahren deutlich steigern“, sagt Carsten Kassburg.

Mit Uwe Mühlau, Annegret und Joachim Weber, Rainer Burde, Joachim Cordes, Götz Stiegmeyer und Matthias Schimmöller hat er vor drei Jahren insgesamt 1 300 Rebstöcke auf einem 0,3 Hektar großen Feld in Unterstedt gepflanzt und zur Pflege professionelles Gerät angeschafft, unter anderem einen Schmalspurtrecker. Ein Zaun um das Feld verhindert Wildfraß. Kassburg macht deutlich: „Für uns ist das kein Hobby. Wir haben viel Geld investiert. Natürlich wollen wir Gewinn machen.“

Die Ernte wäre höher ausgefallen, berichten die befreundeten Weinbauern, wenn nur das Wetter mitgespielt hätte. „In den vergangenen beiden Jahre waren die Bedingungen besser. Wir hatten in diesem Sommer aber viele kalte Tage, viel Regen und wenig Sonne. Besonders im Juni und Juli fehlte die Wärme. Das war eine große Herausforderung für uns – wir hatten wie Landwirte die Wetter-App ständig im Blick“, betont Kassburg.

Wie ist der Oechslegrad des Weines? Winzer Uwe Mühlau will es genau wissen und schaut dafür in den Refraktometer.

Wegen der für nordische Gefilde typischen, nasskalten Witterung setzen er und seine Mitstreiter auf sogenannte Piwi-Sorten, die besonders widerstandsfähig gegen Pilze sind: die beiden Rebsorten Sauvignac und Solaris (weiß) sowie Pinotin und Cabertin, die rote Trauben bilden.

Früher wurden Piwi-Sorten oft belächelt – aber das ist vorbei“, betont Joachim Cordes, der die Vorteile benennt: „Andere Winzer mussten häufig spritzen, um die Pflanzen vor Befall zu schützen – wir konnten komplett darauf verzichten.“

Der Rückhalt ist uns sehr wichtig, denn der Weinanbau ist in dieser Region etwas ganz Neues.

Winzer Carsten Kassburg

Die Gesellschafter der noch jungen Wein Gut GbR aus Unterstedt sind froh über die Unterstützung durch Profis aus alteingesessenen Anbaugebieten: zum Beispiel von Mitarbeitern des DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz) und der Rebschule Freytag in Rheinland-Pfalz. „Der Rückhalt ist uns sehr wichtig, denn der Weinanbau ist in dieser Region etwas ganz Neues“, betont Kassburg.

Wie bewerten die Weinbauern ihren ersten Jahrgang, der Anfang 2022 in Flaschen abgefüllt und verkauft werden soll? Während der Rebsorte Solaris Botrytis, also Edelfäule, sowie Mehltau zu schaffen machte, sei die Sauvignac-Ernte „sehr gut“ ausgefallen. Das habe der Oechslegrad bestätigt, also der Zuckergehalt, der mit einem Refraktometer bestimmt wird. Mit diesem lässt sich auch der Alkohol des künftigen Weines berechnen.

Nach der Feldarbeit geht es in den Kelterraum, der Teil eines alten Resthofs der Rotenburger Werke in Unterstedt ist. „Wir werden dort sehr gut versorgt, manchmal bekommen wir sogar Suppe und Kaffee“, bedankt sich Joachim Cordes.

Dort haben die Weinbauer die Trauben zunächst entrappt, also vom Stiel getrennt, und gepresst. Regelmäßig bestimmen sie die wichtigsten Daten, notieren pH-Wert, Säure und Oechslegrad.

Noch blubbert der Wein.

Winzer Joachim Cordes

Zunächst im frischen Most, also dem Fruchtsaft, danach regelmäßig während der folgenden Gärphase, die zwischen wenigen Tagen und Wochen dauert. „Noch blubbert der Wein“, stellt Joachim Cordes fest. Der Gärprozess läuft also noch. Geduld ist gefragt.

Bis Anfang des Jahres lagert der Wein im Kelterraum, danach wird er veredelt. Die Weinbauern testen den Geschmack und verfeinern ihn nach ihren Wünschen. Erst danach wird er in Flaschen abgefüllt. Die ersten 50 gehen an die Rebenpaten, einige werden sich die Mitglieder der Wein Gut Wümme GbR selbst sichern. Die Übrigen sollen dann in den Verkauf gebracht werden. „Wir haben bereits zahlreiche Anfragen erhalten“, betont Joachim Cordes.

Bis dahin müssen die acht Weinbauern noch viele Fragen klären – Preis, Logo und Titel müssen noch festgelegt werden. Ideen für den Namen gibt es bereits: „Hohes Feld“ und „Alter Kirchweg“ schwirren durch den Raum, bis zur endgültigen Entscheidung bleibt noch Zeit.

Erste Weinprobe: Annegret Weber und Joachim Cordes lassen es sich schmecken.

Fest steht: Die Winzer machen weiter, würden ihren Anbau am liebsten ausbauen und weiteres Land von Heidesand pachten. „Der Lehmboden hier ist sehr gut geeignet“, berichtet Carsten Kassburg.

Derweil laufen bereits die Vorbereitungen für die kommende Saison. Im Herbst und Winter wird der Boden beackert, im Frühjahr müssen die Reben geschnitten werden, um eine möglichst ertragreiche Entwicklung zu fördern.

Die Winzer behalten auch den ökologischen Aspekt im Blick: Zwischen den langen Reihen von Rebstöcken wachsen Wildblumen, obwohl diese für den Weinanbau keinen Nutzen haben. Denn die zweigeschlechtlichen Blüten des Weines befruchten sich selbst und benötigen nicht die Unterstützung von Insekten.

Wer mehr über das Vorhaben erfahren oder Kontakt aufnehmen möchte, findet Informationen über die Wein Gut Wümme GbR bei Facebook sowie unter weingutwuemme.jimdofree.com.

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