Im Sommer feiert das Strandhouse am Weichselsee Geburtstag / Den Sand gab’s quasi umsonst

Für eine Currywurst und ein Getränk

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Der Name Ulrich Schorpp ist eng verknüpft mit der Strandhouse-Geschichte. In der Gastronomie unterstützt ihn Helena Hahn.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Manchmal entstehen Ideen ganz spontan. Durch Zufall. So war es auch bei Ulrich Schorpp, als er im Jahr 2000 seinen Geburtstag in kleiner Runde am Weichelsee feierte. Damals, als er bei Sonnenaufgang den Blick über das Wasser schweifen ließ und ein Kormoran seine Flügel spannte, keimte in ihm der Gedanke: „Daraus müsste man eigentlich etwas machen.“

Es war ein „trauriger Anblick“ an diesem Junitag vor fast 16 Jahren, erinnert sich Schorpp: „Da war hier gar nichts.“ Das Gelände war in einem nicht besonders schönen Zustand, Müll lag herum, die Wege waren zugewachsen. Aber Schorpp hatte erkannt, welche Möglichkeiten sich dort bieten. Trotzdem: Erst als er ein paar Monate später nochmal beim Baumarkt gegenüber war und der Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite wanderte, erinnerte er sich wieder an die Idee. Im Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister-Kandidaten Detlef Eichinger machte Schorpp deutlich, dass Rotenburg einen Platz brauche, wo Bands auch mal etwas länger spielen könnten.

Doch waren vorab einige Probleme zu bewältigen. 2001 gab’s zwar schon die erste Zeltfete dort – die war im wahrsten Sinne aber eine matschige Angelegenheit: „Die Leute sind auf dem Weg zu unserem Zelt stecken geblieben.“ Auch Detlef Eichinger.

Es gab also noch viel zu tun. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern hat er sich zu einem losen Unterstützerverein zusammengetan. Dann ging es ran an die Arbeit – da halfen auch Kontakte. Ein Unternehmer bot ihm an, den Strand – der zu diesem Zeitpunkt eher eine Wiese mit Unrat war – kostenlos auszubaggern, und er ließ seinen Worten schon einen Tag später Taten folgen.

„Den Sand für den Strand gab es quasi für eine Currywurst und was zu trinken“, berichtet Schorpp und lacht. Gemeint ist ein befreundetes Unternehmerpaar, Regina und Hans-Jörg Specht, die ihm den Sand geliefert haben. „Das hat die Stadt alles nichts gekostet“, erklärt Schorpp. 2002 folgte der Beschluss des Stadtrates, das Gelände dort zu befestigen. „Das war ein Meilenstein für die Veranstaltungssituation in Rotenburg.“

Doch bis 2006 habe man in Rotenburg nur wenig Notiz von der neuen Gastronomie in unmittelbarer Nähe zu den Bundesstraßen 71, 75 und 440 genommen. „Dann folgte der Durchbruch“, so Schorpp. Geholfen hat die Fußball-Weltmeisterschaft. In Rotenburg hatte die Mannschaft von Trinidad und Tobago ihr Lager aufgeschlagen – und so veranstaltete man auch am Weichelsee einen Tag mit karibischem Flair. „Es waren mehr als 5000 Leute da. Das hat den Menschen den Weichelsee ins Bewusstsein gerufen“, glaubt Schorpp.

Um das zu erreichen, hat auch er selbst sein eigenes Kapital hineingesteckt, den Umbau des Kiosks zum großen Teil finanziert, wenngleich das Gelände und damit auch das Gebäude noch immer der Stadt gehört. 2008, als Schorpp aufgeben wollte, weil sein Geld zur Neige ging und er der Stadt ankündigte, sich einen Job zu suchen, hat er einen Vertrag als Platzwart erhalten.

Schorpp erzählt die Geschichte vom Strandhouse, mit der sein eigener Name eng verknüpft ist, nicht ohne Stolz, dass er etwa 2000 Übernachtungen von Wohnmobil-Gästen pro Jahr zählt. „Die Touristen bringen Kaufkraft nach Rotenburg.“ Sein Engagement bedeutet zwar viel Arbeit, im Sommer manchmal 24 Stunden am Stück. Aber: „Wenn man morgens hier ist und den Sonnenaufgang sieht, kommt auch ein bisschen Stolz dazu, was man erreicht hat. Dass es inzwischen 15 Jahre sind, freut uns, wir wollen weitermachen!“

Das Programm: Zum 15. Geburtstag sind im Strandhouse am Weichelsee einige Veranstaltungen geplant. Unter anderem gibt’s am 30. April „Rock am See“. Am 14. und 15 Mai folgt die Stellplatzfete „für Touristen und Eingeborene“, wie Schorpp meint. Weiter geht es am 11. Juni mit dem Weichelsee-Open-Air, einem Heavy-Metal-Festival am Strand. In die Riege der Festivals reiht sich am 9. Juli dann die Summer Sensation ein. „Die größte Beachparty im Landkreis“, heißt es. Ein weiteres Open Air ist am 23. Juli geplant, das „Hej, Minimal@Beach“, eine Veranstaltung mit elektronischer Musik, bevor es am 6. August mit der Feier zum 15. Geburtstag weitergeht. Auch das Reggae-Night-Open-Air hat sich inzwischen etabliert. Das findet in diesem Jahr am 19. und 20. August statt. Den Abschluss der Konzert-Saison bildet am 3. September der Auftritt von The Magic Santana, „die einzige von Carlos Santana authorisierte Tribute-band in Europa“.

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