Wir haben mal nachgefragt: Wie ist die Lage in den sensiblen Bereichen?

Soldaten helfen im Gesundheitsamt

Für Mitarbeiter und für Besucher des Diako gelten sehr strikte Regeln.
+
Für Mitarbeiter und für Besucher des Diako gelten sehr strikte Regeln.

Rotenburg – Die Omikron-Variante macht die aktuelle Corona-Lage noch problematischer, als sie es ohnehin schon war. Da ist die hohe Ansteckungsrate, und da ist eine teilweise Umgehung der Immunantwort. Es steht also zu befürchten, dass die kritische Infrastruktur das zu spüren bekommt. Wie also versuchen eben diese sensiblen Bereiche, sich so zu schützen, dass die Betriebe aufrecht erhalten werden können, wenn plötzliche viele Corona- und damit verbunden zusätzliche Quarantänefälle auftreten?

Wir haben nachgefragt im Landkreis. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang erreicht uns aus dem Kreishaus: Der Landkreis freut sich, dass dem Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr stattgegeben wurde und seit Montag sechs Soldatinnen und Soldaten das Gesundheitsamt unterstützen. Die personelle Situation im Gesundheitsamt bezeichnet Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier als „sehr angespannt“. Angesichts der immer weiter steigenden Zahlen sei eine lückenlose Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr möglich. Zudem könnten teilweise nicht mehr alle Personen, die in Quarantäne gehen müssen, sofort auch telefonisch informiert werden.

Landkreis Rotenburg

Um die Mitarbeiter zu schützen, wurden im Kreishaus verschiedene Maßnahmen ergriffen, teilt Sprecherin Christine Huchzermeier auf Anfrage mit. So werde in den Ämtern darauf geachtet, möglichst alleine in einem Büro zu sitzen. „Sobald eine zweite Person anwesend ist, bei Besprechungen oder auch bei Wegen über den Flur muss eine FFP-2-Maske getragen werden“, schreibt Huchzermeier. Es bestehe die Möglichkeit, wenn der Arbeitsplatz es zulässt, ins Homeoffice zu wechseln. Besprechungen erfolgten vorrangig online. Für Besucher der Kreishäuser und anderer Örtlichkeiten der Kreisverwaltung gelte die 3G-Regel, und es müsse eine FFP-2-Maske getragen werden. Huchzermeier: „Termine sollten möglichst telefonisch oder online stattfinden.“ Es sei natürlich nicht möglich, alle Tätigkeiten vom Homeoffice aus zu betreiben. In den publikumsintensiven Bereichen wie der Führerscheinstelle, Jobcenter, Jugendamt, Sozialamt oder Ausländerbehörde seien weiterhin Ansprechpartner vor Ort für die Anliegen, die sich nicht telefonisch oder online erledigen lassen.

Die Herausforderung liege darin, die Mitarbeiter zu schützen, gleichzeitig aber auch die Arbeit der Verwaltung fortzusetzen. „Dazu kommt die anhaltend hohe Arbeitsbelastung durch die Bewältigung der Pandemie“, erklärt Huchzermeier. Es seien bereits viele Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Ämtern im Gesundheitsamt eingesetzt – und das bereits seit jetzt fast zwei Jahren. Einige für einige Tage oder Wochen, andere für einige Monate. „Wenn es in diesem Bereich aufgrund von Corona zu größeren Ausfällen kommen sollte, ist dies ein großer Kraftakt für das ganze Haus.“ Die Impfquote unter den Landkreismitarbeitern sei sehr hoch, das gelte auch für die Boosterimpfung. „Deshalb ist der Landkreis optimistisch, dass er Ausfälle durch Corona in einem gewissen Maße verkraften kann“, teilt die Landkreis-Sprecherin mit. Zumal die geplante neue Quarantäneverordnung geboosterten Personen wohl einen größeren Spielraum lasse und diese nicht gleich für längere Zeit in Quarantäne schickt.

Rotenburger Werke

Eine enge Abstimmung in einem Pandemie-Ausschuss findet zweimal wöchentlich mit der Geschäftsführung und allen relevanten Geschäftsfeldern / Bereichen der Rotenburger Werke statt, berichtet deren Sprecher Rüdiger Wollschlaeger. Alle Geschäftsfelder haben individuelle Hygiene- und Schutzkonzepte, die bei Bedarf immer wieder angepasst werden. Die Hygiene- und Pandemie-Beauftragten seien jetzt personell auf fünf Fachkräfte mit Bereitschaft auch am Wochenende aufgestockt. Sie sorgten auch für eine enge Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Hinzu komme ein permanenter Austausch mit dem Betriebsarzt und bei Bedarf mit dem Krankenhaus in der Nachbarschaft, heißt es. Laut Wollschlaeger habe man die Testzeiten auch für Besucher im eigenen Testzentrum an sieben Tagen in der Woche ausgeweitet. Wollschlaeger ergänzt: „Alle Präsenz-Fortbildungsmaßnahmen sind seit Ende Dezember ausgesetzt. Die Cafeterien sind seit Dezember geschlossen.“ In vielen Bereichen erfolgten tägliche Schnelltests – „mehr als gesetzlich gefordert“. Weitere Impfangebote in Kooperation mit dem Agaplesion-Diakonieklinikum würden gerade vereinbart. Es käme zu vielen Homeoffice-Einsätzen und gegebenenfalls zur Selbstisolation – auch dann, wenn es nicht zwingend erforderlich sei. Wollschlaeger: „Die Möglichkeiten, Quarantäne-Abwesenheiten bei negativem Testergebnis und Symptomfreiheit zu verkürzen, wird sehr begrüßt.“

Polizei Rotenburg

Getrenntes Arbeiten und Pausieren in Einzelbüros, ein verstärktes Hygienekonzept und das Tragen von FFP-2-Masken auf Fluren und überall dort, wo mehrere Personen zusammenkommen. Das ist die Grundlage, sagt Polizeisprecher Heiner van der Werp. Vorbei sei zudem der sogenannte bedarfsorientierte Schichtdienst, der die Kollegen in wechselnden Besetzungen zusammen arbeiten lässt. „Das geht jetzt nicht mehr, wir haben also feste Schichten“, so van der Werp. Es gibt Notfallpläne, und gerade erst ist einer bemüht worden. „Zwischen den Jahren“ hatte es eine Kollegin erwischt – ihre komplette Schicht musste in Quarantäne. „Das haben wir mit einer Verkleinerung der anderen Schichten wieder aufgefangen.“ Es sei allerdings schwer, solche Ausfälle zu kompensieren, erklärt der Polizeisprecher.

Deshalb stehe die Kontaktreduzierung im Fokus – selbst Besprechungen innerhalb des Hauses finden nur noch virtuell statt. Die Polizei arbeitet bei ihrem Rund-um-die-Uhr-Einsatz mit Früh-, Spät- und Nachdiensten. Vier Teams stehen jeweils dafür bereit. Kommt es zu erheblichen personellen Ausfällen müssen die, die noch zur Verfügung stehen, im Zweifel längere Schichten in Kauf nehmen – für dann jeweils zwölf Stunden, schildert van der Werp das geplante Vorgehen. Bei der Polizeiinspektion Rotenburg sind landkreisweit rund 350 Frauen und Männer beschäftigt.

Stadtwerke Rotenburg

Auch die Stadtwerke Rotenburg haben einen eigenen Testplatz eingerichtet. Zwei Mal in der Woche haben die Mitarbeiter Gelegenheit, sich checken zu lassen. „Das ist kein Muss“, betont Geschäftsführer Volker Meyer. Teams seien gebildet worden – die unabhängig voneinander arbeiten. „Es geht um den Netzbetrieb, um die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser.“ Abstand, wo immer es geht, sei die Devise. FFP-2-Maskenpflicht auf den Fluren und beim Zusammentreffen komme hinzu. Meyer berichtet von bislang nur wenigen Coronafällen. Damit das so bleibt, werde in der Kantine nicht mehr gegessen. Müssen zwei Techniker zu einem Termin, fahren sie getrennt, vor Ort arbeiten sie grundsätzlich mit FFP-2-Maske, und Kunden werden gebeten, ihnen bei der Arbeit nicht über die Schulter zu schauen, wie es viele Kunden eigentlich gerne machen. Im Außendienst seien etwa 20 Kollegen unterwegs. Sie kümmern sich um Hausanschlüsse, um die Zähler, um Schäden und Störungen. Den Mitarbeitern im Büro wird das Arbeiten im Homeoffice ermöglicht, wo immer es geht.

Stadt Rotenburg

Das Rathaus ist geschlossen. Der Grund: „In drei bis vier Bereichen lassen sich die Besucherströme nicht kanalisieren“, sagt Bürgermeister Torsten Oestmann. Besucher melden sich für Termine telefonisch oder per E-Mail an. Präsenzbesprechungen werden möglichst reduziert, es kommt die Video-Konferenz zum Einsatz. Wo mehrere Kollegen zusammenkommen, herrscht FFP-2-Maskenpflicht. In den Büros sitzen die Mitarbeiter vereinzelt – zeitlich und örtlich, so Oestmann.

Wasserversorgungsverband (WVV)

Der Wasserversorgungsverband (WVV) in Unterstedt hat bereits seit zwei Jahren einen Pandemieplan, berichtet Geschäftsführer Ralf Heuer. Einzelbüros und Homeoffice sind ein wesentlicher Teil der Strategie, um die 28 Mitarbeiter zu schützen. 17 von ihnen arbeiten im Außendienst. Die meisten von ihnen seien allein unterwegs. „Bisher ist das alles gut zu regeln“, sagt Heuer. Auch im Büro. Der WVV habe zusätzlich ein eigenes Testzentrum eingerichtet – das Testen sei täglich möglich, ein Mal pro Woche nutze es jeder. Sollte das alles nicht reichen, sind bereits zwei Teams gebildet worden – jeweils für eine Vor- und eine Nachmittagsschicht. Heuer: „Das greift im Fall der letzten Eskalationsstufe.“ Bisher habe Corona noch keinen Kollegen erwischt. Die Impfquote liege „nahe der 100 Prozent“.

Diakonieklinikum

Das Diako sei vorbereitet auf verschiedene Entwicklungen. Hausintern gebe es eine sogenannte „Pandemie-Gruppe“, zu der zwölf Personen gehörten. Diese Personen repräsentierten Arbeits- und Funktionsbereiche des Krankenhauses, die mit der Pandemie beschäftigt sind, zum Beispiel: die Krankenhaus-Betriebsleitung, der Chefarzt der Lungenklinik, die ärztliche Leitung der Intensivstation, der Zentralen Notaufnahme und der Krankenhaus-Hygiene. „Die Pandemiegruppe sammelt interne und externe Informationen und bewertet sie in Hinblick auf das Krankenhaus. Sie trifft sich mindestens einmal wöchentlich digital, bei Bedarf auch öfter“, erklärt Lars Wißmann, Theologischer Direktor und Sprecher des Diako. Das Hauptaugenmerk der Pandemiegruppe liege darauf, die Corona-Patienten optimal zu versorgen und dabei den Grund-, Notfall- und elektiven Operationsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Wißmann: „In gestuften Szenarien werden die Prioritäten dann gegeneinander verschoben. Höchste Priorität hat stets die Versorgung kranker Menschen rund um die Uhr. Darauf können sich die Menschen hier im Landkreis verlassen.“ Eine der größten Herausforderungen für ein Krankenhaus der medizinischen Maximalversorgung liege darin, Leistungen vorzuhalten und bei Bedarf kurzfristig umsetzen zu können. Die erforderliche Flexibilität passe aber nicht zu den verlässlichen Dienstplänen von Ärzten und Pflegenden und zum Abrechnungssystem, heißt es. „Die Feuerwehr bekommt ihr Geld ja auch nicht für den jeweils geleisteten Einsatz, sondern für die Vorhaltung. Insofern offenbart die Pandemie einen schon länger bekannten Systemfehler“, so Lars Wißmann.

Als freigemeinnütziger Träger haben man weder einen kommunalen Träger im Hintergrund noch eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die dem Krankenhaus wirtschaftlich unter die Arme greifen könnten. „Darum sind wir unseren Mitarbeitenden besonders dankbar, dass sie die Flexibilität im Dienstplan ertragen und die erheblichen Belastungen nach Kräften stemmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben
Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes
Visselhövedes Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium

Visselhövedes Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium

Visselhövedes Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium
Holocaust-Gedenktag in Scheeßel: Eichenschule erinnert mit Ausstellungen und Rundgängen

Holocaust-Gedenktag in Scheeßel: Eichenschule erinnert mit Ausstellungen und Rundgängen

Holocaust-Gedenktag in Scheeßel: Eichenschule erinnert mit Ausstellungen und Rundgängen

Kommentare