Rotenburger Soldaten sind in Alten- und Pflgeheimen im Einsatz

Corona-Schnelltests: Schön negativ bleiben

Soldat Hüseyin Zabad führt bei der Brockelerin Brigitte Petersen-Müller den Corona-Schnelltest durch.
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Ganz vorsichtig, aber dennoch vernünftig tief rein: Soldat Hüseyin Zabad führt bei der Brockelerin Brigitte Petersen-Müller den Corona-Schnelltest durch, damit sie anschließend ihre Mutter besuchen kann.

Rotenburger Soldaten sind erneut im Einsatz - diesmal nicht im Ausland, sondern direkt vor Ort. Sie testen im Haus Stadtgarten und dem Tine-Albers-Haus Besucher und Mitarbeiter auf das Coronavirus.

  • Rotenburger Soldaten testen Besucher und Mitarbeiter.
  • Einsatz in Alten- und Pflegeheimen.
  • Zufriedenheit über eine sinnvolle Aufgabe.

Rotenburg – „Wie immer ganz sensibel rechts, ja?“, fragt Brigitte Petersen-Müller, setzt sich bequem auf dem Stuhl am Fenster zurecht und lehnt sich nach hinten. Sie schließt die Augen, während Soldat Hüseyin Zabad in voller Schutzmontur, darunter seine Uniform, das Stäbchen zückt und es ihr in die Nase schiebt – hier ist Zögern fehl am Platz, es muss tief rein, um ein Ergebnis zu erzielen. Seit gut drei Wochen sind Zabad und drei seiner Kameraden aus der Kompanie 91 der Von-Düring-Kaserne abkommandiert, um im Haus Stadtgarten sowie im Tine-Albers-Haus Besucher und Mitarbeiter Corona-Schnelltests zu unterziehen.

Petersen-Müller ist eine dieser Besucherinnen. Die Brockelerin möchte ihre Mutter sehen und ist erleichtert, dass das geht. „Letztes Jahr, in der ersten Welle, konnte ich sie gar nicht sehen“, erinnert sie sich. Schwer sei das gewesen. Dass es Menschen gibt, die trotzdem über die Tests meckern, kann sie nicht nachvollziehen. „Es gibt nur die Alternative, sich dann nicht zu sehen“, und eben das sei für sie keine Option.

Genervt seien aber die Wenigsten, versichert Mieszko Neumann, der mit Hüseyin Zabad sowie Sebastian Beyer und Kristof Bruns in den beiden Agaplesion Alten- und Pflegeeinrichtungen aktuell seinen Dienst versieht. Dazu wohnen sie unter der Woche sogar vor Ort im Haus Stadtgarten: Kontakte werden so noch weiter reduziert. Und die Vier sind damit ganz zufrieden: „Es ist entspannt und wir genießen es, helfen und unterstützen zu können“, sagt Beyer. Abends, nach Dienstende, tausche man sich gerne aus. Zwei von ihnen sind immer im Haus Stadtgarten, die anderen beiden im Tine-Albers-Haus.

In Schutzkleidung im Test-Zelt

Die Soldaten dürfen aber nur Besucher und Mitarbeiter testen, keine Bewohner. Letztere können sich zweimal in der Woche testen lassen, auf freiwilliger Basis. Denn natürlich können sie weiterhin ganz normal das Haus verlassen. Die meisten seien froh darüber, nur wenige möchten das nicht. Den Abstrich machen die Mitarbeiter. „Das hat auch mit Vertrauen zu tun, gerade bei demenzkranken Bewohnern“, erläutert Leiterin Christine Kisselt. Es sei eben ein sensibler Bereich. Bislang habe es keine positiven Tests gegeben, auch wenn man „um die Fehlerquote weiß“. Die Bewohner und Mitarbeiter sind zudem bereits vollständig geimpft.

Die Mitarbeiter lassen sich täglich testen, Besucher sowieso. Wer das Haus Stadtgarten betritt, wird von einem der Soldaten begrüßt und geht dann erstmal links ins eigens aufgebaute Test-Zelt – nach der Hand-Desinfektion und der Angabe persönlicher Daten. Die jeweilige Testperson trägt Schutzkleidung, „die wir auch ganz vorsichtig dann wieder ausziehen“, so Zabad. Am ersten Tag war die Aufregung ob der neuen Aufgabe da, jetzt habe sich alles eingespielt. Auch sehr zur Zufriedenheit von Nicole Grünert, die „die Jungs“, wie sie mittlerweile von allen genannt werden, in einem Crashkurs angelernt hat.

Aufbau eines internen Test-Teams

Sie ist auch dafür zuständig, das interne Test-Team zu schulen, denn die Soldaten werden nicht immer bleiben. Ursprünglich sollte nach drei Wochen Schluss sein, am Mittwoch wurde das Kommando verlängert. „Man kann kein Test-Team in drei Wochen aufbauen“, erklärt Kisselt, die dazu neue Mitarbeiter einstellen muss.

Aktuell erleichtere die Anwesenheit der Soldaten den Alltag aber sehr, man könne sich auf andere Dinge konzentrieren – wie eben das Test-Team. Und das werde noch länger gebraucht, vermuten alle: unstete Zahlen, Mutationen. Die Sorge, etwas reinzutragen, schwinge dennoch mit. Jeden Tag ist Petersen-Müller bei ihrer Mutter, schränkt dazu ihre privaten Kontakte noch mehr ein, als ohnehin durch die Beschränkungen vorgegeben. Genauso halten es auch die vier Soldaten: „Wir sind noch mehr darauf bedacht“, sagt Neumann. „Hier möchten wir erst recht nichts reinbringen.“

Auch am Wochenende ist daher meist Ruhe angesagt, zocken, mit Freunden virtuell quatschen. Seine Kameraden nicken zustimmend. „Man denkt mehr darüber nach“, ergänzt Zabad. Es sei eine sinnvolle Aufgabe. „Und es macht auch Spaß.“ Und die Bewohner freuten sich mittlerweile auch, „ihre Jungs“ am Eingang zu treffen. Ohnehin seien die Bewohner bisher gut mit der Krise zurechtgekommen, sagt Fachkraft Annemarie Krause. Auch wenn es manchmal für sie schwer sei, sich mit Maske zu erkennen. Die Erleichterung, dass Besucher rein dürfen, stehe jedoch spürbar darüber.

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