Sebastian Schnakenberg aus der Lent-Kaserne: „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“

Soldat rettet Kind das Leben

Lebensretter Stabsunteroffizer Sebastian Schnakenberg (r.) erhält vom Einheitsführer der ersten Kompanie des Jägerbataillons 91, Major Torsten Klinke, höchste Anerkennung für sein Handeln. - Foto: go

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Den 22. Mai dieses Jahres wird der Stabsunteroffizier Sebastian Schnakenberg aus Rotenburg so schnell nicht vergessen. Es ist der Tag, an dem er ein junges Menschleben rettete. Dafür gab es jetzt eine Anerkennung von seinem Chef, dem Einheitsführer der ersten Kompanie des Jägerbataillons 91, Major Torsten Klinke.

Schnakenberg war gerade dabei, mit seiner Familie den Barfußpark Egestorf bei Seevetal im Landkreis Harburg zu verlassen, als es passierte: „Hilfe, ich brauche einen Arzt für mein Kind!“ Laut schreiend rannte ein Mann in panischer Angst aus dem Wald kommend auf den Fußwaschplatz der Freizeitanlage zu. In seinen Armen hielt der Mann ein bewusstloses dreijähriges Kleinkind.

Die Menschen schienen vor Schreck wie gelähmt. Keiner reagierte. Bis auf den Rotenburger Soldaten Sebastian Schnakenberg, der sofort geistesgegenwärtig handelte und dem Vater das regungslose Kind aus den Armen nahm. Wie er sah, ein Junge.

Er legte ihn auf den Boden. Der 35-Jährige überprüfte Puls und Atmung. „Beides hatte ausgesetzt“, stellte er fest. Mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung, wie er sie während seiner Ausbildung bei der Bundeswehr immer wieder trainiert hatte, reanimierte er das Kleinkind in weniger als einer Minute und rettete damit ein junges Menschenleben.

Der Soldat von der ersten Kompanie des Jägerbataillons 91 aus der Rotenburger Lent-Kaserne erinnert sich sichtlich bewegt: „Wir waren schon dabei, uns auf den Heimweg vorzubereiten und haben uns an der Waschanlage des Barfußparks die Füße gewaschen, als es passierte“. Er hatte gemeinsam mit seiner Familie und einem befreundeten Ehepaar einen Ausflug nach Egestorf unternommen. Sie wollten weg vom Alltagsstress. So gegen 14 Uhr, sei es dann doch ganz anders gekommen, erklärt der Vater von drei Kindern.

„Als der Mann voller Panik mit dem Kind auf dem Arm direkt vor mir stand, konnte ich einen direkten Blick auf den kleinen Jungen werfen. Die nun auch herbei geeilte Mutter schrie währenddessen die ganze Zeit unter Tränen weiter um Hilfe“, schildert Schnakenberg den Moment vor seinem entschlossenen Handeln. „Da es sich um ein Kleinkind handelte, musste ich vorsichtig sein“, sagt er und zeigt während des Gesprächs mit der Rotenburger Kreiszeitung, wie er mit Zeige- und Mittelfingern vorsichtig an der richtigen Stelle rhythmischen Druck auf den Brustkorb des Kindes ausübte.

„Dabei musste ich ständig an meinen Sohn denken, der im gleichen Alter ist.“ Er habe den Gedanken dann beiseitegeschoben und sich auf die Rettung konzentriert. Bereits nach kurzer Zeit, nicht ganz eine Minute später, begann das Herz wieder zu schlagen, und mit einem Röcheln habe dann auch die Atmung bei dem Dreijährigen wieder eingesetzt. Die Eltern atmeten erleichtert auf. Der Vater umarmte den Retter und dankte ihm immer wieder für das beherzte Handeln, das seinem Sohn das Leben gerettet hat. „Unser Junge heißt Moritz“, erfuhr Schnakenberg nun auch den Namen des Kleinen.

Bis zum Eintreffen des Notarztes und des Rettungswagen suchte der Vater bei dem Retter Halt: „Bleibe Du bitte hier. Du gibst mir Sicherheit“, duzte er den Stabsunteroffizier in seiner Freude.

Nach Eintreffen des Arztes ging alles sehr schnell. Ein Rettungswagen brachte das Kind nach der Untersuchung vor Ort in die Lüneburger Klinik. Einer der Rettungskräfte trat an Schnakenberg heran und sagte im Beisein der Parkleitung Kirstin Albers, die inzwischen auch eingetroffen ist: „Sie haben dem Kind das Leben gerettet.“

Erst nach der Rettung löste sich bei dem Soldaten die Anspannung, und erst dann wurde im bewusst, in welcher Verantwortung er gestanden hatte. Seine Ehefrau musste für die Rückfahrt nach Rotenburg das Steuer übernehmen. Er selbst war nicht mehr in der Lage dazu.

Als der Chef der 1. Kompanie, Major Torsten Klinke, von dem Einsatz seines Soldaten erfuhr, sprach er dem Stabsunteroffizier Schnakenberg eine Förmliche Anerkennung aus und übergab ihm den Bestpreis des Kompaniechefs, der an Soldaten seiner Einheit vergeben wird, die sich durch beispielhaftes Verhalten in oder außer des Dienstes hervorgetan haben.

„Der Zustand des kleinen Jungen hat sich mittlerweile stabilisiert“, erfuhr der Rotenburger Soldat. Der Dreijährige habe das Krankenhaus nach einer Nacht wieder verlassen können. Die Familie aus Hannover sei überglücklich, ihren kleinen Moritz wieder gesund zu Hause zu haben. Kirstin Albers bedankte sich im Namen aller Mitarbeiter des Parks beim Lebensretter. Auch die Eltern des Kindes meldeten sich telefonisch aus Hannover und bedankten sich bei dem Rotenburger Soldaten. „Ich war doch nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, gibt sich der Stabsunteroffzier bescheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Katalonien-Konflikt: Separatistische Politiker festgenommen

Katalonien-Konflikt: Separatistische Politiker festgenommen

Schwerer Unfall in Sagehorn

Schwerer Unfall in Sagehorn

Zweiter Tag bei den Waldjugendspielen

Zweiter Tag bei den Waldjugendspielen

Kartoffelernte der Stadtschule Rotenburg

Kartoffelernte der Stadtschule Rotenburg

Meistgelesene Artikel

Geflügel- und Kleintiermarkt: Hähnewettkrähen im Schützenhaus

Geflügel- und Kleintiermarkt: Hähnewettkrähen im Schützenhaus

Flugzeugabsturz: Trauer um Peter Drewes

Flugzeugabsturz: Trauer um Peter Drewes

Lottospielerin aus Kreis Rotenburg gewinnt über 15 Millionen Euro

Lottospielerin aus Kreis Rotenburg gewinnt über 15 Millionen Euro

Fahrertausch nach Promillefahrt?

Fahrertausch nach Promillefahrt?

Kommentare