Nicklas Falldorf macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Rotenburger Krippe

„Sofort mittendrin“

Die Waldkrippenkinder sind oft draußen. Anziehen gehört somit zu Nicklas Falldorfs täglichen Aufgaben. - Foto: Röhrs
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Die Waldkrippenkinder sind oft draußen. Anziehen gehört somit zu Nicklas Falldorfs täglichen Aufgaben.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs und Maximilian Graf. Eigentlich wollte er ein Architekturstudium absolvieren, doch nach mittlerweile einem halben Jahr als Freiwilliger in der Waldkinderkrippe in Rotenburg hat Nicklas Falldorf sich umentschieden, nun will er Grundschullehrer werden.

„Ich denke an Mathe und Sport“, sagt der junge Mann aus Stuckenborstel. So gesehen scheint es die richtige Entscheidung für ihn gewesen zu sein, sich nach seinem Abitur im vergangenen Jahr noch etwas Zeit bei der Berufswahl zu lassen.

Wie viele in dieser Situation leistet Falldorf gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ab – eine von vielen Antworten auf die Frage, was man nach der Schullaufbahn machen soll. Typische Einsatzfelder: Soziales, Kultur, Sport, Ökologie und Politik. „Ich wollte mich noch ein Jahr orientieren“, sagt Falldorf auf einem niedrigen Stapel Kissen im Spielzimmer der kleinen Tagesstätte in der Ahe sitzend. Er macht gerne etwas mit Kindern, sagt er. Ein Satz, der in dieser Situation beinahe wie ein Klischee klingt. Doch Falldorf meint es ernst, nebenbei trainiert er eine Jugendfußballmannschaft in Ottersberg.

Seit August ist Falldorf nun in der Waldkinderkrippe tätig. Und Isgard Kinzner ist überzeugt, dass sie und ihre Erzieher-Kollegin Nicole Riemer mit dem 20-Jährigen die richtige Wahl getroffen haben. „Er ist schon beim Bewerbungsgespräch gleich auf die Kinder eingangen. Er war sofort mittendrin“, sagt sie. Falldorf war damals einer von drei Bewerbern – alle männlich. „Eine ganz neue Erfahrung“, so die Erzieherin. Vielleicht sei es Zufall gewesen, vielleicht aber auch nicht. Väter seien heutzutage ja mehr in der Kinderbetreuung involviert als früher. „Aber ich finde es spannend, dass sich junge Männer für die Arbeit in einer Kinderkrippe interessieren – gerade in dieser Altersgruppe.“ Auch sie sei anfangs etwas skeptisch gewesen, gibt sie zu. Das habe sich jetzt aber gründlich geändert. Auch bei den Eltern komme Falldorf gut an. Mittlerweile ist sie auf der Suche nach einem Nachfolger, der ab kommenden August übernimmt – oder natürlich: einer Nachfolgerin.

Kein großer Unterscheid zwischen FSJ und Bufdi

Nicht nur in der Krippe kann man in Rotenburg ein FSJ ableisten. Manche bieten im Gegensatz zu dieser auch viele Stellen dazu an. Die Rotenburger Werke beispielsweise bietet 50 jungen Freiwilligen die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der Arbeit mit behinderten Menschen zu machen. Dabei gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem FSJ und dem sogenannten Bufdi (Bundesfreiwilligendienst), so der Koordinator für Freiwilligendienste bei den Werken, Stephan Slomma. „Wir fassen beide zusammen.“ Jungen Menschen ab 16 Jahren bietet die Einrichtung jährlich ihre diese Unterstützung bei der Berufswahl an.

Anfangs bestehen ihre Aufgaben darin, die Mitarbeiter in den Wohngemeinschaften zu unterstützen oder bei Freizeitangeboten unter die Arme zu greifen, später dürfen sie dann gegebenenfalls alleine mit den Bewohnern der Rotenburger Werke in die Stadt gehen. „Dabei spielt aber auch die Vorerfahrung eine Rolle“, sagt Slomma. Wenn eine Person schon vorher ähnliche Tätigkeiten wie zum Beispiel Babysitten nachgegangen ist, sei es leichter, die Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Natürlich komme es auch auf die Art der Krankheit des jeweiligen Bewohners an, so Slomma weiter. Man könne keinem freiwilligen Helfer zutrauen, ohne eine jegliche Ausbildung mit einem Epileptiker alleine auszugehen. Schließlich könne der Betroffene einen Anfall erleiden.

Betreuen, spielen, wickeln – das sind die Aufgaben von Falldorf in der Waldkinderkrippe. Letzteres habe ihn anfangs schon Überwindung gekostet, sagt er. „Im Prinzip muss er alles machen, was eine Erzieherin auch macht“, so Kinzner – außer die Elterngespräche. Auch das Wickeln gehört nicht sofort zu den Aufgaben, da müsse erst eine Bindung zwischen dem in der Regel ein- bis dreijährigen Kind und dem Erzieher entstehen. Die Arbeit mit den zehn Kindern sei „sehr intensiv“, doch Falldorf gefällt die kleine Gruppe. So könne man sich sehr gut kennenlernen.

„Wir wollen jemanden, den wir voll integrieren können“, umreißt Kinzner das Anforderungsprofil eines FSJlers in der Waldkinderkrippe. Schließlich solle dieser nicht nur daneben stehen und bei der Arbeit zuschauen. Ruhe, Geduld und Einfühlungsvermögen sind weitere „Soft-skills“, die man in der Kinderbetreuung mitbringen muss. Ein bestimmter Schulabschluss sei dagegen keine Voraussetzung für das FSJ, aber ebenfalls mindestens 16 Jahre alt muss ein Bewerber sein.

Falldorf hat während seines FSJ entschieden, später im Beruf mit Kindern arbeiten zu wollen. Das ist nicht immer der Fall, weiß Kinzner. Eine Vorgängerin sei nach ihrer Arbeit davon abgerückt, berichtet sie. „Aber das ist dann auch okay.“ Um eine voreilige Entscheidung zu vermeiden, sei das FSJ schließlich da.

Weitere Informationen zum FSJ in der Waldkinderkrippe gibt Isgard Kinzner unter der Rufnummer 04261 /4198892. Stephan Slomma von den Werken ist unter 04261 / 920802 erreichbar.

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