Gaby Hauptmann im Wachtelhof

Im Sitzkreis mit der Bestsellerautorin

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Eine Bestsellerautorin ohne Starallüren: Gaby Hauptmann (2.v.l.) gab nach ihrer Lesung im Wachtelhof eine spontane Zugabe im kleinen Kreis im Foyer.

Rotenburg - Persönliche Momente hat es in der Geschichte der Lesungen im Wachtelhof schon des Öfteren gegeben – selten jedoch so intim wie am Samstagabend. Vielschreiberin und Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann, die derzeit mit ihrem jüngsten Werk „Scheidung nie – nur Mord!“ tourt und auf dem Weg nach Hamburg eine Stippvisite in Rotenburg machte, erwies sich nicht nur als charismatische und unterhaltsame Vortragende, sondern bewies auch echte Nähe.

Lange, nachdem das offizielle eineinhalbstündige Leseprogramm mit Ausschnitten aus dem aktuellen Werk absolviert war, mündete das Signieren ihrer Bücher im Foyer in einem Sitzkreis mit spontaner Zugabe und einem zwanglosen Austausch mit dem zumeist weiblichen Publikum über das Kopfkino beim Lesen (Fazit: „Jeder hat sein eigenes“), schlechte Drehbücher („Deshalb schreibe ich sie am liebsten selbst, dann fallen auch keine liebgewordenen Protagonisten weg“) und Verfilmungen (für gelungen befunden: „Hengstparade“ und „Die Meute der Erben“).

Bereits zuvor hatte die Autorin und Journalistin ihrer eleganten Erscheinung in High Heels und farblich abgestimmter Lederjacke getrotzt und sich als publikumsnah erwiesen. So erfuhren die Zuhörerinnen (und auch die drei Männer) beim Plausch in dem für Wachtelhof-Verhältnisse eher kleinen Rahmen, dass die Realität manchmal die Fantasie schlägt, wie bei der Kurzgeschichte von der vertauschten Motorjacht oder einer Lesung vor 800 Frauen und einem Mann, die in einem Heiratsantrag mündete.

Krimi im Zentrum

Im Zentrum stand jedoch der 2017 erschienene Krimi um die kriselnde Ehe von Tina und Stefan. Mit viel Sinn fürs Detail malt die Journalistin die Welt der 49-Jährigen zwischen Käfer-Rechnung und Konkurs der Firma des Gatten, zwischen Abgeklärtheit und der Sehnsucht, geliebt zu werden.

Trivial, überzeichnet, leichte Kost – die Attribute, die oft mit Hauptmanns Romanen verbunden werden: sie stimmen. Doch gelingt der 61-Jährigen mit ihrer Geschichte, die so leicht daherkommt, nicht nur der Blick in die Gefühlswelt der „Mid-Ager“, sondern auch auf deren gesellschaftliche Rolle, in der die finanzielle Absicherung nach wie vor vom Mann abhängt. 

So positioniert sich Hauptmann unerwartet politisch, als sie im Hinblick auf eine Demonstration für die Rechte allein erziehender Mütter konstatiert: „Steuern, Bezahlung, Existenzängste – seit 20 Jahren hat sich nichts geändert!“

Humor gezeigt

Ihre humoristische Seite stellte Hauptmann mit einer Kurzgeschichte über einen Schuhkauf unter Beweis. Das Szenario: ein Metzger, der seiner Gattin nach dem Kauf von gleich vier Paar High Heels in der Schweiz im Zoll zur Seite steht und das Ergebnis des Schuhfetischismus kurzerhand zu den eigenen erklärt, um Steuern zu sparen. Köstlich.

Das begeisterte auch Andrea Syring, die extra aus Buchholz angereist war, um gemeinsam mit der Schwiegermutter aus Rotenburg die gern gelesene Autorin einmal live zu erleben: „Das war meine erste Lesung überhaupt“, so die Hamburgerin, die sonst eher Musicals besucht, begeistert. Sie sprach vielen aus der Seele: „Live und so charmant vorgetragen, ist das nochmal eine ganz andere Ebene, und das in diesem tollen Ambiente des Wachtelhofs!“

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