Vorstand komplett

Kir: Da sind es wieder fünf

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Der neue Vorstand steht: Hans-Jürgen Eberle (v.l.), Dorothee Clüver, Uwe Goldschmidt, Margarete Noparlik und Bernhard Wagner bilden seit Mittwochabend das Führungsteam der Kulturinitiative Rotenburg.

Rotenburg - Von Guido Menker. Kino, Tanzhaus, Konzerte, La Strada oder musikalische Lesungen: Die Kulturinitiative Rotenburg (Kir) stellt Jahr für Jahr ein vielfältiges Programm auf die Beine. Dass dafür hinter den Kulissen sehr viel Arbeit und Zeit investiert werden muss, ist bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend überaus deutlich geworden.

Damit war nicht wirklich zu rechnen: Die Kulturinitiative Rotenburg (Kir) hat wieder einen komplett besetzten, geschäftsführenden Vorstand. Neben Uwe Goldschmidt und Dorothee Clüver gehören nun auch Kir-Gründungsmitglied Hans-Jürgen Eberle, Bernhard Wagner sowie Margarete Noparlik der Führungsriege an. Alle Posten sind also besetzt. 

Es war eine schwierige Geburt, aber allen voran Uwe Goldschmidt hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, um für eine Mitarbeit im Vorstand zu werben. Im Vorfeld hatte Linda Falkenberg Interesse bekundet. Mit ihr, Goldschmidt und Clüver wäre immerhin das erforderliche Personal-Minimum möglich geworden, nachdem Susanne Löning erklärt hatte, definitiv nicht weiter zur Verfügung zu stehen. 

Doch dann das: Linda Falkenberg musste wieder abspringen - aus persönlichen Gründen. So erklärte sich dann an diesem Abend im Domshof, weshalb Goldschmidt vor der anstehenden Vorstandswahl immer wieder auf die Problematik hinwies und jedes der 30 anwesenden Mitglieder ermunterte, ernsthaft über eine Kandidatur nachzudenken. 

Entspannt nach dreistündiger Sitzung

Nach der dreistündigen Sitzung wirkten alle irgendwie entspannter. Denn mit dieser Jahreshauptversammlung sind die zwei Jahre vorbei, in denen das Dreier-Team kommissarisch in der Kir Regie geführt hatte, weil sich Anfang 2017 keine Kandidaten gefunden hatten und es den Streit mit der Kulturinitiative Scheeßel (Kis) gab.

Auf Einzelheiten zur Trennung von der Kis wollte Goldschmidt an diesem Abend nicht eingehen. Nur so viel: „In dieser Phase haben wir bei etlichen Vorgängen versucht, so gelassen wie möglich zu bleiben. Und wir haben uns manches Mal die Frage gestellt, warum wir das eigentlich machen. Diese Vorstandsarbeit. Narzissmus, Masochismus?“ Er für seinen Teil könne die Frage so beantworten: „Ich möchte mich auf meine Weise und mit meinen kleinen Möglichkeiten in mein eigenes Lebensumfeld Rotenburg einbringen. Ich möchte nicht hinter der Hecke sitzen und die Schlechtigkeit der Welt beklagen.“ 

Auszählung: Eva Rothmaler (l.), Susanne Löning und Jürgen Cassier ermitteln das Abstimmungsergebnis.

Er erfreue sich daran, wenn Kinder das Theaterspiel für sich entdecken und es als Hobby auch dauerhaft betreiben, wenn Menschen sich zum gemeinsamen Singen oder Tanzen treffen oder in Metal-Konzerte gehen und im Kino ein richtig gutes Programm laufe. „Und wenn ich zu alledem nur ein ganz klein wenig beitragen konnte, Stühle schleppen, Anträge stellen, Verhandlungsgespräche führen und Getränke verkaufen - dann würde ich mich nicht nur freuen, sondern dann wäre ich auch ein bisschen stolz“, sagte Goldschmidt. 

Und wenn ihn jemand mal beim Stühleschleppen gesehen haben sollte und bereit sei, ihm diese Arbeit abzunehmen, wenn er sie nicht mehr leisten kann, „dann hätten wir hier, wenn ich mal richtig alt bin, immer noch ein Kino, tolle Theateraufführungen, einen Chor, schöne Konzerte und nette Begegnungen mit anderen Menschen - dafür mache ich das.“

Ehrenamtliche Arbeit als Fundament

Aber es geht eben nicht so sehr um Personalien, auch wenn es zuletzt manchmal den Anschein machte. Es geht um die Sache an sich. Daher gab es in der Versammlung auch immer wieder Applaus, wenn die Spartenleiter aus ihren Abteilungen berichteten und erwähnten, wie viele Besucher sie erreicht haben. 78 Veranstaltungen der Kir gab es allein 2018. Plus La Strada mit vielen Tausend Zuschauern. Die anderen Angebote lockten rund 5 600 Menschen an, davon allein 2 400 im Stadtkino.

Goldschmidt wurde nicht müde darauf hinzuweisen, dass 90 Prozent dieser Arbeit, die dahinter steckt, ehrenamtlich geleistet wird. Nicht nur im Vorstand. Dazu kommt Carsten Kahle als Pressesprecher, außerdem Helga Boisch, die sich um die Abrechnungen und den Abruf von Fördermitteln kümmert, Thorsten Glinder als Mann für den Netzauftritt sowie Brigitte Schloen, die die Buchhaltung betreut.

Hinter diesen vielen Aktivitäten stecken auch Zahlen. Die hatte Susanne Löning als letzte Amtshandlung für diesen Abend aufbereitet und zusammengestellt - für die Jahre 2016 und 2017. Ein dickes Lob dafür gab es von den beiden Kassenprüferinnen. „Hut ab für die professionelle Arbeit. Das ist bewundernswert“, sagte Marie-Claude Döring. 

Schmutzige Wäsche führte nur zu Verlierern

Doch eben das alles sei in dieser Größenordnung auf der jetzigen Basis kaum mehr vernünftig zu machen und zu vertreten, unterstrich Uwe Goldschmidt. „Wir haben daher auch schon entsprechende Anträge angekündigt.“ Vielleicht löst dieses große Paket, das die Kir zu bewältigen hat, auch enormen Respekt aus, wenn es um die Frage geht, wer bereit ist, dafür Verantwortung zu übernehmen. Entsprechende Erleichterung dürfte die Vorstandswahl ausgelöst haben.

Ein derartiges Gefühl hatte eine Reihe von Mitgliedern auch, nachdem die Trennung von der Kis beschlossene Sache war. Im Juni 2017 war es dazu gekommen, nachdem bei der Jahreshauptversammlung das Tischtuch zwischen Kir und Kis endgültig zerrissen war. „Die Begleiterscheinungen des Auseinandergehens waren unschön“, erinnerte Goldschmidt an die Versammlung vor zwei Jahren. Der Vorstand habe dennoch befunden, dass das schmutzige Wäschewaschen in der Öffentlichkeit nur zu Verlierern führen könne, und entschieden, alle Anschaffungen, die für die Kis getätigt worden waren, in Scheeßel zu belassen. 

Goldschmidt: „Vieles wurde von den Kis-Aktiven selbst eingeworben, und jeder Geldgeber hatte immer vor Augen, dass seine Gaben der Kulturarbeit in seinem Ort zugutekommen und nicht dem ,Vereinsdach in Rotenburg’“. Das seinerzeitige Knistern im Gebälk eben dieses Daches ist überstanden. Die Kir kann wieder nach vorne schauen. Und das macht sie auch.

In diesem Jahr allerdings ohne La Strada. Wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, brauche die Kir eine La-Strada-Verschnaufpause. Erst für 2020 peile man die nächste Auflage an. Neben der enormen Belastung kämen schließlich auch finanzielle Risiken hinzu. Ein Jahr ohne La Strada biete daher die Möglichkeit der finanziellen Konsolidierung.

Kommentar: Kulturinitiative beweist Verantwortung

Von Guido Menker.

Die Kulturinitiative stellt einen großen Aufwand dar. Hinter dem Programm steckt viel Arbeit. Und so ganz nebenbei jonglieren die Macher auch noch mit großen Geldbeträgen. Allen voran, wenn es um das Straßenzirkus-Festival La Strada geht. Der Vorstand spricht die finanziellen Risiken deutlich an und weist zugleich darauf hin, dass sie Auswirkungen auf die gesamte Arbeit in der Kir haben können, wenn es einmal schief geht. Dies ist der richtige Weg. 

Ja, La Strada ist unbestritten was Großes, aber längst nicht alles. Wenn der Kir-Vorstand also die komplette Vereinsarbeit im Blick behält, ist das nicht nur Ausdruck großer Wertschätzung für alle Aktivitäten, sondern auch ein Ausdruck von Verantwortung. Der Vorstand drückt es eher nüchtern aus. 

Der Zweck der Kulturinitiative sei zu berücksichtigen. So oder so: ein Jahr ohne La Strada also. Daran muss man sich zwar erst einmal gewöhnen. Denn schade ist es in jedem Fall. Aber dieser Schritt bedeutet nicht das komplette La-Strada-Aus. 2020 soll’s weitergehen. Freuen wir uns darauf. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

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