Bundestagswahl: Wen wählen die Rotenburger Bürgermeister?

Sieben auf einem Zettel

Carsten Büttinghaus (l.) und Lars Klingbeil wollen das Bundestag-Direktmandat im Wahlkreis 35 ergattern.
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Carsten Büttinghaus (l.) und Lars Klingbeil wollen das Bundestag-Direktmandat im Wahlkreis 35 ergattern. Sie gelten als Favoriten der sieben Kandidaten.

Sieben Kandidaten buhlen um das Direktmandat im Bundestagswahlkreis 35 „Rotenburg I - Heidekreis“. Lars Klingbeil (SPD) will es verteidigen. Haben die Herausforderer eine Chance gegen den Platzhirsch? Wir haben die neuen Hauptverwaltungsbeamten gefragt, wen sie wollen.

Rotenburg – Der Landkreis ordnet seine politische Landschaft neu: Am 12. September gab es in zehn von 13 Kommunen Bürgermeisterwahlen, im Altkreis Rotenburg gibt es in fünf von sechs neue Chefs im Rathaus. Und mit Marco Prietz (CDU) hat ab November im Kreishaus ein neuer Landrat das Sagen. Am Sonntag steht die nächste Wahl an – es gilt auch im Wahlkreis 35 „Rotenburg I - Heidekreis“, zu dem der Altkreis gehört, einen Direktkandidaten für den Bundestag zu finden.

Nach Kurt Palis war es erstmals Lars Klingbeil, der 2017 die Reihe der CDU-Direktkandidaten aus der Region durchbrach. Klingbeils Karriere ist bekannt. Verteidigt der „Platzhirsch“ sein Mandat? Sechs Gegenkandidaten gibt es: Carsten Büttinghaus (CDU), Alexander Künzle (FDP), Volker Körlin (AfD), Michael Kopatz (Grüne), Kathrin Otte (Linke) und Günter Scheunemann (Freie Wähler). Wen hätten die hiesigen Hauptverwaltungsbeamten gerne in Berlin? Eine Umfrage.

Der künftige Landrat Marco Prietz (CDU) sagt, es wäre am besten für den Landkreis, möglichst viele Abgeordnete als Vertreter des Wahlkreises im Bundestag zu haben. „Da Lars Klingbeil als Generalsekretär auf dem sicheren Platz 5 der SPD-Landesliste steht, drücke ich Carsten Büttinghaus die Daumen für das Direktmandat. Dann hätte die Region zwei engagierte Bundestagsabgeordnete und wäre gut vertreten.“ Als zukünftiger Landrat wünscht er sich von den Abgeordneten des Wahlkreises, dass sie ein offenes Ohr für die Belange von Landkreis und Kommunen haben. Prietz: „Auch möchte ich mich regelmäßig persönlich mit ihnen austauschen. Sowohl Klingbeil als auch Büttinghaus machen auf mich den Eindruck, dass sie dafür zur Verfügung stehen werden.“ Die Digitalisierung des ländlichen Raums sei ein vorrangiges Thema, das gemeinsam mit Berlin angegangen werden müsse. „Meine Hoffnung ist, dass uns der Bund dafür finanzielle und strukturelle Unterstützung zukommen lässt“, so Prietz. Auch müsse das Bauen auf dem Land erleichtert werden: „Vor allem die Vorschriften zu Geruchsemissionen sind praxisfremd und scheinen weniger von der Realität im ländlichen Raum als vielmehr von der Vorstellungskraft einiger Ministerialbeamten aus ,Berlin Mitte’ geprägt zu sein.“

Rotenburgs gewählter neuer Bürgermeister Torsten Oestmann (parteilos) hofft auf Lars Klingbeil, „weil ich ihn auch außerhalb der Wahlkampfzeit als sehr engagiert in der Region wahrgenommen habe“. Klingbeil sei in Bund und Land stark vernetzt und als sehr kompetent angesehen, was die Kommunikation mit den Kommunen erleichtere. „Er kann etwas bewegen“, sagt Oestmann und schielt vor allem auf Klimaschutzmaßnahmen. „Ein eigentlich banales, aber sehr kostenintensives Beispiel ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Hier kann und muss mit entsprechender Unterstützung noch einiges geschehen.“

In Sottrum kommt es am Sonntag zur Samtgemeindebürgermeister-Stichwahl zwischen Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke. Bahrenburg, parteilos, aber mittlerweile unterstützt von der CDU, sagt, dass er sich noch nicht abschließend entschieden habe. „Bürgernah und gut vernetzt“ müsse der Kandidat sein, er selbst entscheide sich aber „trotz klarer Favoriten“ erst „kurz vor dem Wahltag, wer abschließend meine Stimme erhält“. Fricke, auch parteilos, aber von SPD und Grünen unterstützt, wünscht sich Klingbeil als Wahlsieger. „Mit seiner ernsthaften Auseinandersetzung mit den Belangen der Samtgemeinde Sottrum und seiner Berücksichtigung der grundsätzlichen Anliegen des ländlichen Raums konnte er überzeugen. Ferner hat er in der Vergangenheit bewiesen, dass er Anliegen aus der Samtgemeinde auch aktiv unterstützt.“ Allerdings habe er sich mit den Direktkandidaten der anderen Parteien auch nicht austauschen können. Der direkte Vergleich fehle. Klingbeil habe sein Vertrauen gewonnen: „Und Vertrauen halte ich für eine wichtige Basis bei der Entscheidung, welchen Politiker man sich als Repräsentant wünscht.“

Viele Verwaltungschefs halten sich zurück

Zur Stichwahl kommt es auch im Rennen um das Samtgemeindebürgermeisteramt in Fintel. Anne Cordes, parteilos und unterstützt von der SPD, sagt: „Lars Klingbeil habe ich persönlich als sehr offen, interessiert und verbindlich erlebt. Obwohl er in Berlin in der großen Politik jede Menge Aufgaben wahrzunehmen hat, ist er jeden Sommer intensiv in seinem Wahlkreis unterwegs, um mit uns Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die anderen Kandidaten habe ich bisher noch nicht persönlich kennenlernen dürfen.“ Ihrem Kontrahenten Sven Maier, unterstützt von CDU sowie Grünen und ebenso parteilos, fällt es schwerer, eine Partei oder einen Direktkandidaten für den Bundestag zu favorisieren. Maier: „Ich habe zum Glück noch ein paar Tage Zeit, um mir ein abschließendes Bild zu machen, um am 26. September meine Stimmen abzugeben.“

Ralf Goebel (parteilos) bleibt in Visselhövede noch etwas länger als gedacht Bürgermeister – in einem halben Jahr kommt es nach dem Rücktritt des gewählten Nachfolgers Gerald Lutz zu Neuwahlen. Goebel sagt, er habe als Vorsitzender des Wahlausschusses eine Neutralitätspflicht. „Vor diesem Hintergrund werde ich meine persönliche Präferenz nicht benennen.“ Sein Appell lautet aber, dass die Menschen unbedingt wählen gehen sollten: „Nur eine hohe Wahlbeteiligung liefert auch ein Ergebnis, das nach meiner Einschätzung für die anstehenden politischen Entscheidungen eine wirkliche Legitimation mit sich bringt.“

In Zurückhaltung übt sich auch der alte und neue Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel, Dirk Eberle (parteilos). Er wolle den Wählern keinen „verbindlichen Rat“ erteilen, sagt aber: „Carsten Büttinghaus habe ich bisher noch nicht kennengelernt, über ihn kann ich daher auch keine Bewertung abgeben. Ich kann allerdings berichten, dass die Zusammenarbeit mit Lars Klingbeil und seinem Team in Berlin hervorragend funktioniert und die Samtgemeinde in den letzten Jahren für viele Projekte und Anliegen von ihm die beste Unterstützung erfahren hat. Meine persönliche Freundschaft mit Lars Klingbeil ist kein Geheimnis. Die gegenseitige Achtung, Sympathie und seine freundliche, zugewandte Art sind meine privaten Gründe, ihm viel Erfolg zu wünschen. Selbstverständlich würde ich aber mit jedem anderen Abgeordneten auch die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen wollen.“

Scheeßels neue Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU) macht es auf Nachfrage kurz: „Ich möchte dazu aktuell kein Statement abgeben.“

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