Rotenburg: Junge Stadtrat-Kandidaten haben einen Plan

Sie wollen sich einmischen

Johannes Engelhardt (l.) und Aaron Kruse wollen in den Rotenburger Stadtrat.
+
Johannes Engelhardt (l.) und Aaron Kruse wollen in den Rotenburger Stadtrat.

Rotenburg – 124 Kandidaten streben bei der Kommunalwahl am 12. September für die kommenden fünf Jahre einen der 34 Plätze im neuen Rotenburger Stadtrat an. Das Durchschnittsalter dieser Frauen und Männer beträgt 48,7 Jahre. Eine ganze Reihe von jungen Rotenburgern drücken diesen Schnitt. Zu ihnen gehören Johannes Engelhardt und Aaron Kruse. Engelhardt – er geht für die Grünen ins Rennen – ist 22 Jahre alt, Kruse – ein Christdemokrat – wagt mit gerade einmal 20 Jahren den Einstieg in die Kommunalpolitik.

Dass Aaron Kruse und Johannes Engelhardt zwei unterschiedliche politische Lager vertreten, spielt für das Gespräch und auch für das Verhältnis der beiden Rotenburger keine Rolle. Sie kennen sich aus der Mitarbeit bei der DLRG. Sie verstehen sich und haben letztendlich auch ein gemeinsames Ziel: „Mir geht es um junge Politik“, erklärt Kruse. Engelhardt nickt zustimmend.

Nach dem Abitur am Ratsgymnasium und einem Auslandsjahr in China hat Aaron Kruse die Zeit des Lockdowns genutzt, um sich mit der Politik vor allem vor Ort auseinanderzusetzen. Er nahm Kontakt mit der Jungen Union auf, anschließend kam er mit dem CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Eike Holsten ins Gespräch. Das Ende vom Lied: Der junge Mann ist Mitglied der Union und steht auf der 39 Namen umfassenden Kandidatenliste der CDU auf Platz fünf.

Für Johannes Engelhardt hat es auf der Liste der Grünen für den zwölften von 23 Plätzen gereicht. Der 22-Jährige kommt eigentlich aus Kaiserslautern, wo er vor zwei Jahren schon Mitglied der Grünen geworden ist. „Ich habe lediglich die Mitgliederversammlungen besucht.“ Dann der Umzug nach Rotenburg. Denn der Pfälzer studiert mittlerweile Mathematik und Musik auf Lehramt in Bremen, wollte aber nicht in eine Großstadt ziehen. Im Herbst vergangenen Jahres habe er eine Versammlung der Grünen in der Kreisstadt besucht – im Fokus standen die Vorbereitungen für den Kommunalwahlkampf. „Alle wurden gefragt, ob sie auf die Liste möchten.“ Engelhardt wollte.

Kruse erkennt einen Trend hin zu mehr jungen Kandidaten. Das war lange Zeit anders. Aber woran hat’s gelegen? Waren die „alten Hasen“ und die „Platzhirsche“ nicht bereit, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, oder haben die jungen Menschen keine Lust verspürt, sich aktiv in das kommunalpolitische Geschehen einzumischen? Für Johannes Engelhardt ist die Sache ganz eindeutig: „Es heißt immer ,die Politik’. Aber jeder hat das Recht und auch die Pflicht, sich selbst an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Jeder hat eine Verantwortung.“

Aaron Kruse sieht es ähnlich, bringt es allerdings etwas pragmatischer auf den Punkt: „Ich mag Rotenburg, bin hier aufgewachsen, und die Stadt ist mir wichtig“, sagt er. Sein Anliegen sei es, die Stadt nicht nur weiter zu verschönern, sondern auch weiterzuentwickeln – wenn es beispielsweise um die Umwelt oder auch um die Wirtschaft hier vor Ort geht.

Schließlich stünden in den kommenden Jahren eine Reihe von wichtigen Themen an – die Stadtentwicklung etwa. „Unsere Ziele sind da ähnlich.“ So haben beide gerade „junge Themen“ im Blick. Orte für Jugendliche etwa von hoher Aufenthaltsqualität. Aaron Kruse wünscht sich zudem, dass sich das Jugendzentrum breiter aufstellt, um mehr junge Menschen als bisher zu erreichen. Ein Konzept müsse auch für den 1. Mai her – die Bullensee-Tour ist ja nur noch beschränkt möglich.

Engelhardt geht noch ein kleines Stück weiter, sieht die Frage der Aufenthaltsorte für junge Menschen als einen Teil der Stadtentwicklung. „Es geht dabei doch um Orte für alle Alters- und Zielgruppen.“ Und damit es mit einer Jugendbeteiligung besser klappt als bisher, seien Hürden zu senken, die viele davon bislang abhalten.

Johannes Engelhardt fühlt sich im Kreise der Rotenburger Grünen absolut ernst genommen. „Vor allem jetzt, da ich etwas länger dabei bin.“ Man rede auf Augenhöhe miteinander, er werde wahrgenommen, seine Einschätzung seien gefragt. Aaron Kruse freut sich derweil darüber, dass er nicht nur nah dran sein kann, sondern von den „alten Hasen“ wie etwa Heinz-Günter Bargfrede und Hartmut Leefers – beide kandidieren ja nicht mehr für den Stadtrat – immer wieder Tipps für die politische Arbeit bekommt. Er besuche schon jetzt die Sitzungen der Fraktion und könne sich mit einbringen.

Mehr noch: Kruse erfährt Dankbarkeit, denn er kümmert sich zusammen mit Maik Weße um die Social-Media-Kanäle. „Das motiviert, da will man gleich noch viel mehr machen.“ Innerhalb der Parteien klappt das also ganz gut. Wie aber sieht es im eigenen Freundeskreis aus? Wie reagieren die Altersgenossen auf die politische Aktivität und auf die Parteizugehörigkeit? Aaron Kruse berichtet, er habe längere Zeit gezögert, ehe er eine erste Story auf Instagram veröffentlicht und sich damit „geoutet“ habe. „Was bringt das?“, habe er sich gefragt. Doch dann sei er „positiv überrascht worden“, ein negatives Feedback habe es nicht gegeben. Die Freunde machten ihm klar: Man sei nicht immer einer Meinung, „aber es ist gut, dass Du Dich engagierst“.

Postings gibt es von Johannes Engelhardt nicht. „Das Angebot habe ich auch bekommen, aber das habe ich abgelehnt“, sagt er mit Blick auf das Interesse der Grünen, ihn dabei einzuspannen. Dennoch: „Plötzlich ist man unter Freunden und Bekannten so eine Art Spiegel der Politik.“ Engelhardt bezeichnet Rotenburg als eine „angenehme, ruhige Stadt“, die alles habe, was man täglich braucht. Mehr Angebote in Sachen ÖPNV und Mobilität würde er sich allerdings wünschen. Aaron Kruse findet es einfach gut, dass man als Rotenburger binnen fünf Minuten in der Natur, und innerhalb von nur 20 Minuten mit der Bahn in einer Großstadt sei. Weniger gut findet er momentan die Angebote für die Jugend sowie die Problematik der fehlenden Haushaltsabschlüsse – er studiert dual BWL, ist bei der Firma Fricke in Heeslingen beschäftigt.

Jetzt geht es aber in großen Schritten in Richtung Wahltag. „Ich bin wirklich sehr aufgeregt“, versichert Johannes Engelhardt. Natürlich werde er erst einmal wählen am 12. September „und dann mal gucken, was die Partei so macht“. Geplant sei noch nichts. Von einer anfänglichen Nervosität berichtet auch der junge Christdemokrat. „Es ist aber weniger geworden“, stellt der 20-jährige Kruse fest. Aber in diesem Zusammenhang unterstreicht er sein klares Ziel: „Ich möchte direkt gewählt werden und kann abends hoffentlich feiern.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“
Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen
Landkreis Rotenburg lässt Zustand der Kreisstraßen erfassen

Landkreis Rotenburg lässt Zustand der Kreisstraßen erfassen

Landkreis Rotenburg lässt Zustand der Kreisstraßen erfassen

Nach den Ferien: Schule und Hort nachmittags gut gefüllt

Nach den Ferien: Schule und Hort nachmittags gut gefüllt

Kommentare