Fragen an die sechs Direktkandidaten für die Landtagswahl 

Wie stehen Sie zu Fracking?

Fluch und Segen: Die Erdgasförderung in der Region ist nicht unumstritten. Vor allem Fracking steht in der Kritik. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Manfred Klein. Für die Landtagswahl in Niedersachsen an diesem Sonntag bewerben sich im Wahlkreis 53 Rotenburg sechs Kandidaten um das Direktmandat im Leineschloss Hannover. Die Redaktion fühlte den Politikern in der Zielgeraden auf den Zahn und stellte Fragen zu relevanten Themen in der Region. Unsere heutige Frage:

Wie stehen Sie zur Erdgasförderung in der Region inklusive Fracking und die Verpressung von Lagerstättenwasser?

Eike Holsten (CDU): Beim Fracking muss dem Sicherheitsaspekt höchste Priorität eingeräumt werden. Genehmigungen dürfen nur erteilt werden, wenn Risiken für Mensch und Natur vollständig ausgeschlossen werden können. Wir stehen für ein absolutes Frackingverbot in Trinkwasserschutzgebieten. Als Landkreis sind wir im Raumordnungsprogramm noch weiter gegangen, indem wir Vorranggebiete der Trinkwassergewinnung für Fracking und Verpressung von Lagerstättenwasser ausschließen. 

Tobias Koch (SPD): Berufsbedingt habe ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Ich habe die klare Haltung, dass der Schutz der Menschen und ihrer Gesundheit sowie der Schutz der Umwelt vor dem Profit von Unternehmen geht. Insbesondere ein Fracking-Verbot an der Rotenburger Rinne unterstütze ich. Das bedeutet, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf. Ich werde dafür kämpfen, dass die Probleme unserer Heimat in Hannover und Berlin mehr wahrgenommen werden. 

Birgit Brennecke (Grüne): Meine Position zur Erdgasförderung mit Fracking und Verpressung ist geprägt von dem Anliegen, Fracking zu verhindern. Es gibt viele gute und wichtige Gründe, um das Fördern von Erdgas und Erdöl, genau wie den Kohleabbau, in die Endphase zu bringen. Der Ausstieg aus den fossilen Energien ist notwendig, und es wird kein Weg daran vorbei führen. Dass bei uns im Landkreis die Förderung aus dem Sandstein immer noch erlaubt ist, hat mich sehr enttäuscht und auch das Verbot im Schiefergas zu fracken, ist nur ein halbherziges Verbot. Es wird in ein paar Jahren erneut auf den Prüfstand kommen. Leider konnte die grüne Opposition kein Frackingverbot im Bundestag durchsetzen. Doch deshalb ist das Thema noch lange nicht vom Tisch. Der Widerstand ist in der Bevölkerung groß und ich stehe an der Seite der Menschen, die dieses Verfahren ablehnen und verhindern wollen. 

Jan-Christoph Oetjen (FDP): Die Erdgasförderung wird ja in der Region seit langem kritisch begleitet, jedoch stehen wir zu dem Kompromiss, der im Bundestag gefunden wurde. Unser Hauptaugenmerk sollte heute eher auf der Verpressung des Lagerstättenwassers liegen. Aus meiner Sicht muss es in einem technisch so hoch entwickelten Land wie unserem möglich sein, Lagerstättenwasser aufzubereiten und die Schadstoffe vor dem Rückverbringen in tiefe Gesteinsschichten herauszufiltern. 

Nils Bassen (Die Linke): Ich muss gestehen, ich bin kein Naturwissenschaftler sondern angehender Volkswirt. Doch mir ist rein aus der Logik her klar, dass hier ein sofortiger Stopp für Fracking her muss ohne denen, die in dem Bereich arbeiten, eine Bürde aufzuerlegen. Denen, die hier angestellt sind, muss versichert werden, dass ihre Zukunft und ihr Einkommen gesichert sind, wenn wir die Technologie verlagern. 

Günter Scheunemann (Freie Wähler): Das Grundwasser muss vor Verunreinigungen geschützt werden; diese Forderung ist für die Freien Wähler absolut und nicht verhandelbar. Die Trinkwasserversorgung, zum Beispiel aus unserer Rotenburger Rinne, muss für die Zukunft abgesichert sein. Die Gefahren, welche mit der Förderung von fossilen Energien zusammenhängen, sind bis heute nicht abzuschätzen. Durch die Verpressung von Chemikalien und Wasser können seismische Aktivitäten ausgelöst werden. Wir halten diese Fördermethode auch für einen Raubbau an der heimischen Natur – dies wird von uns vehement abgelehnt. Zudem halten wir diese Methode, aus volkswirtschaftlicher Sicht, auch nicht für rentabel. Dieser „Nutzen“ steht in keinem Verhältnis zu den Risiken, welche mit Blick auf diese Methode evident sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Worauf freut ihr euch am meisten auf dem Freimarkt?

Worauf freut ihr euch am meisten auf dem Freimarkt?

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Meistgelesene Artikel

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Kommentare