Sichere Prognose erst eine Woche vor Heiligabend möglich

Weiße Weihnacht bleibt oft ein Traum

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Ob der Frost kommt oder nicht, ob es Weiße Weihnachten gibt oder nicht – für eine verlässliche Prognose ist es jetzt noch zu früh.

Rotenburg - Von Reinhard Zakrzewski. Spätestens zu Beginn der Adventszeit beschäftigt uns die Frage: „Wird Weihnachten romantisch weiß oder wieder mal schmutzig grau?“ Für eine verlässliche Prognose ist es Anfang Dezember noch viel zu früh. Sichere Trends können die Wettermodelle bestenfalls eine Woche im Voraus liefern.

Bemüht man die Statistik, so sind die Chancen für weiß gepuderte Festtage im norddeutschen Flachland denkbar schlecht. Nur etwa ein- bis zweimal in zehn Jahren kann das Christkind im Altkreis Rotenburg durch Schnee und Eis zu uns gelangen. Geradezu perfekt klappte dies zuletzt an Weihnachten 2010. Nach vielen eiskalten Dezembertagen mit wiederholtem Schneegestöber sank das Quecksilber in der Heiligen Nacht zwischen Rotenburg und Visselhövede verbreitet auf 13 bis minus 14 Grad. Am ersten und zweiten Weihnachtstag war dann bei Schneehöhen von 22 bis 24 Zentimeter überall Ski und Rodeln gut.

Dass weiße Weihnachten in unseren Breiten so selten sind, liegt an den milden Atlantikwinden. Angekurbelt werden diese von Temperaturgegensätzen zwischen der sehr kalten Arktis und dem noch warmen subtropischen Atlantik. Im letzten Dezemberdrittel ist die Differenz besonders groß. Dann sind auch die Winde zum Kontinent am kräftigsten. Entsprechend kann die Luft aus dem russischen Eisschrank der milden Luft über Mitteleuropa nur selten Paroli bieten und wir bekommen das ungeliebte Weihnachtstauwetter.

In diesem Winter dürfte sich Väterchen Frost zusätzlich schwer tun. Grund ist das Klimaphänomen „El Nino“ (spanisch „Das Christkind“) im Südpazifik, das alle drei bis fünf Jahre gerade zur Weihnachtszeit seinen Höhepunkt erreicht. Durch den Zusammenbruch der äquatorialen Ostwinde schwappt sehr warmes Oberflächenwasser aus dem Raum Australien und Südostasien bis an die Küsten von Süd- und Mittelamerika. Dabei werden großflächig enorme Wärmemengen in die Atmosphäre abgegeben.

Untersuchungen haben gezeigt, dass als Folge davon die nordhemisphärischen Westwinde im Winter nicht nur über dem Pazifik, sondern auch über dem Atlantik schneller werden. Entsprechend rechnen die Jahreszeitentrends der verschiedenen Wetterdienste mit einem eher zu milden Winter in weiten Teilen Europas.

Dass das ungeliebte Weihnachtstauwetter kein Phänomen der neuzeitlichen Klimaerwärmung ist, bezeugen Chroniken, später auch instrumentelle Messungen, aus der Kälteperiode, der so genannten „Kleinen Eiszeit“ (1350 bis 1850). So ist in Rüdiger Glasers Klimageschichte Mitteleuropas zu lesen: „Auf den Rekord- und Jahrhundertwinter 1657/58, in dem selbst die Ostsee zugefroren war, folgte 1658 ein typischer Dezember … Strenger Frost ließ im Süden den Main zufrieren. Im Norden gab es gleichzeitig mehrtägigen Dauerregen. Auch im Süden setzte sich schließlich, rechtzeitig zum Weihnachtsfest, Tauwetter durch, der Main führte Hochwasser.“

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