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Seit 100 Tagen Rathaus-Chef

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Von: Guido Menker

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100 Tage im Amt: Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann.
100 Tage im Amt: Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann. © Menker

Seit genau 100 Tagen ist Torsten Oestmann Bürgermeister in der Kreisstadt. Seine erste Bilanz fällt positiv aus, aber er weiß auch, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt. Zugleich dreht er bereits an einigen Stellschrauben – etwa mit Blick auf die Struktur im Rotenburger Bauamt.

Rotenburg – Dass der bevorstehende Abschied von Bauamtsleiter Clemens Bumann Ende kommenden Monats ein Verlust für die Stadt Rotenburg ist, hat Torsten Oestmann bereits gleich nach Bekanntwerden dieser Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Der Leiter des Bauamtes orientiert sich neu und wechselt in die Stadtverwaltung von Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Oestmann – seit 100 Tagen Bürgermeister in Rotenburg – kündigt die zeitnahe Ausschreibung an, um eine neue Führungskraft für das Bauamt zu finden. Doch damit nicht genug: Während Bumann als Stadtplaner und Bauamtsleiter unterwegs war, will Oestmann diese beiden Aufgaben künftig auf vier Schultern verteilen: „Wir werden beide Stellen ausschreiben.“ Zwei Mitarbeiter also für diese beiden Bereiche, die mit Bumann zuletzt nur einer beackert hat.

Wie schon im Wahlkampf betont, setzt der 57-jährige Bürgermeister auf seine Rolle als Manager. „So nehme ich diese Aufgabe wahr“, sagt er. 320 Kolleginnen und Kollegen arbeiten unter dem Dach der Stadtverwaltung – da sei es von besonderer Bedeutung, für eine „vernünftige Organisationsstruktur und Zufriedenheit im Betrieb“ zu sorgen. „Wir haben alle zusammen einen Job zu machen – da ist es schön, wenn alle auch Spaß daran haben. Das wäre ideal.“ Gerade erst habe man für eine Haushaltsrunde zusammengesessen. „Das ist schwer, aber wir haben dabei auch gelacht – so macht es viel mehr Freude.“

Bereut hat Torsten Oestmann nach eigenem Bekunden noch nicht einen der ersten 100 Tage im Amt. Er selbst habe Spaß an der Aufgabe, obwohl es nicht leicht sei. Der schönste Tag bisher sei der gewesen, an dem er vereidigt wurde. Schon jetzt stelle er fest, dass seine Wahrnehmung in der Kreisstadt anders ist, als noch zu seiner Zeit als Chef der Polizeiinspektion. „Man ist präsenter, die Leute sprechen mich viel häufiger an. So ist man ganz automatisch viel näher dran. Es ist eine andere Situation, aber das ist toll und erfrischend.“

Sachorientiert, pragmatisch und nüchtern will er vorgehen

Als erfrischend empfinden auch viele der Mitglieder im Rotenburger Stadtrat das bisherige Auftreten Oestmanns, der nicht müde wird zu betonen, dass er parteiunabhängig agiere. Sachorientiert wolle er vorgehen, pragmatisch und nüchtern. „Das wird man von mir auch im politischen Bereich erleben“, verspricht Oestmann. Genau das hat er bereits mehrmals unter Beweis gestellt und mit dieser Art des Vorgehens auch jene überzeugt, die eigentlich Frank Holle (CDU) auf dem Chefsessel im Rathaus sehen wollten.

Den Kontakt zur Rotenburger Politik bezeichnet Oestmann übrigens als „entspannt, locker und freundlich“. Er suche den Kontakt, nicht zuletzt auch mit den Fraktionsspitzen. Man sitze zusammen und bespreche Themen, die anliegen. „Ich sehe da zurzeit keinen knisternden Sand.“ Er suche ganz bewusst den Austausch, bevor es zu knarzen beginnt. Schließlich gehe es immer wieder um diese zentrale Frage: „Wie stellen wir uns gemeinsam auf?“

Grundlage dafür ist ein guter Haushalt. Ein Entwurf dafür liegt aber noch nicht vor. Wann das soweit sein wird, weiß Oestmann noch nicht. „So schnell wie möglich“, sagt er. Aber einen Termin könne er noch nicht nennen. Um jedoch keine Zeit zu verlieren, sei es denkbar, dass die Beratungen direkt in den Ausschüssen beginnen. Bisher hatte der Bürgermeister den ersten Plan zunächst im Rat vorgestellt und erläutert.

Aller Voraussicht nach wird die Stadt erst im Sommer einen genehmigten Haushalt in der Hand haben. Von einer Haushaltssperre bis dahin könne aber keine Rede sein. „Wir befinden uns in einer Phase der vorläufigen Haushaltsführung“, erklärt Oestmann. Neue Projekte und Investitionen seien daher zwar nicht auf den Weg zu bringen, aber die Verwaltungstätigkeiten seien abgesichert. „Und wir haben noch viele Restarbeiten liegen.“ Dennoch sei klar, „dass wir gerne viel früher starten würden“. Aber: Im Zusammenhang mit der angestrebten Aufnahme in das Städtebauförderprogramm etwa würden in diesem Jahr wahrscheinlich eh noch keine großartigen Investitionen fällig – der Bescheid liegt noch nicht vor, und wann dieser eintrifft, sei noch vollkommen offen. Es wird spät.

Bescheid lässt noch auf sich warten

Auch ohne neuen Haushalt hat der Bürgermeister viele Aufgaben vor Augen. Er will Schwerpunkte setzen. So soll die Verwaltung aus dem Baumkataster heraus Maßnahmen entwickeln. In Anlehnung soll zugleich ein Kanalkataster entstehen. „Wir müssen uns mit der Kanalisation befassen.“ Da sei viel zu sanieren.

Viel Geld werde dafür erforderlich sein in den kommenden Jahren. Das hatte Oestmann im Rat schon prognostiziert, als es um den Antrag auf Einrichtung einer IGS-Oberstufe ging. Für den Fall, dass es grünes Licht dafür gibt, kämen weitere Kosten in Millionenhöhe auf die Stadt zu. Nicht zuletzt deshalb hatte Oestmann sich in Bezug auf dieses Projekt mehr Vorbereitungszeit gewünscht. Die hat er nicht bekommen. Aber: Ob der Bescheid am Ende noch so pünktlich kommt, dass die Oberstufe zum neuen Schuljahr starten kann – „da bin ich mir nicht sicher“.

Dass der Rat sich mehrheitlich für einen Start der Oberstufe in diesem Jahr ausgesprochen hat, „ärgert mich zwar, aber ich habe es nicht persönlich genommen“, erklärt der Verwaltungschef. In seinem Bemühen, ein städtisches Management zu betreiben, habe er es zwangsläufig immer wieder mit sachlichen Grenzen und auch mal mit fehlenden Mehrheiten zu tun. „Damit muss ich umgehen.“

Das macht den Reiz aus. Ich bin ja nicht hier, um in der Hängematte zu liegen.

Torsten Oestmann

Und so setzt er seinen Weg fort. Ein Grünflächenkataster soll her, um die Frage beantworten zu können, wie sich die Kreisstadt künftig auch optisch darstellen will. Einen Masterplan für den Bereich der Feuerwehr sieht er ebenfalls als erforderlich an. Auch das ist mit erheblichen Investitionen in den nächsten Jahren verbunden. Oestmann wünscht sich vor diesem Hintergrund einen Besuch der Ratsmitglieder bei der Feuerwehr am Mittelweg, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Diesem Vorgehen liegt ein Wunsch zugrunde: „Ich will nicht, dass wir aus dem Bauch heraus handeln, sondern faktenbasiert aufgestellt sind.“ Hinzu käme nämlich, dass Forderungen immer wieder aufeinanderprallen und dann Priorisierungen vorzunehmen sind.

Einen Haushalt gibt es noch nicht, aber: „Die Corona-Einbrüche sind bei uns nicht so hoch wie in vielen anderen Kommunen.“ Zugleich zeigt er sich zuversichtlich mit Blick auf die noch fehlenden Jahresabschlüsse für die Jahre von 2012 an. „Wir sind gut auf der Spur, und wir halten den Fahrplan ein, wie er mit dem Landkreis besprochen ist.“

Zahlen zum neuen Haushalt nennt Oestmann derweil noch nicht. Nur so viel verrät er aus den Haushaltsrunden im Rathaus: „Wir mussten massiv streichen, aber das ist ja nicht ungewöhnlich, denn jeder will viel.“ Immerhin: Steuererhöhungen seien ebenso wenig vorgesehen wie Streichungen bei freiwilligen Leistungen. Das alles sei nicht leicht im für ihn neuen Job im Rotenburger Rathaus, aber: „Das macht den Reiz aus. Ich bin ja nicht hier, um in der Hängematte zu liegen.“

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