70 Fallschirmjäger aus Seedorf trainieren in Rotenburg

Sechs Sprünge an einem Tag

70 Soldaten aus Seedorf trainieren auf dem Rotenburger Flugplatz. Foto: Menker

Rotenburg – Ausgerechnet am bislang heißesten Tag dieses Jahres beginnen 70 Soldaten vom Seedorfer Fallschirmjägerregiment 31 auf dem Rotenburger Flugplatz mit ihrer Trainingswoche. Bei den Teilnehmern dieser Übungstage handelt es sich um sogenannte Vorauskräfte – die Experten sprechen von Freifallern. In einer Höhe von mehr als 3 600 Metern verlassen sie das Flugzeug. Den ersten Teil ihres Sprungs absolvieren sie im freien Fall, ehe sie für den zweiten Abschnitt die Leine ziehen und damit ihren Schirm aufspannen. „Es sind keine taktischen Übungen“, erklärt Pressesprecher Markus Mader. Taktische Übungen seien in Rotenburg wegen der Nähe zu den großen Flughäfen in Bremen und Hamburg nicht möglich.

Mit einer von der Bundeswehr angemieteten M-28 Skytruck, einer zweimotorigen Maschine, geht es für die Soldaten in die Höhe. Ein Sprung vom Einstieg bis zur Landung nimmt etwas mehr als eine Viertelstunde in Anspruch. Doch bevor sie abheben können, haben sie jede Menge zu tun. Denn sie selbst packen ihren Fallschirm und stellen die Ausrüstung zusammen.

„Wenn sie ihren Fallschirm entgegennehmen, beginnt bereits der erste Check“, erklärt Mader, der an diesem Tag – ebenso wie der Standortälteste der Rotenburger Lent-Kaserne, Oberstleutnant Maik Münzner – auch selbst mindestens einen Sprung absolvieren möchte. „Die Nähe zur Rotenburger Kaserne wissen wir hier auf dem Flugplatz sehr zu schätzen“, so Mader. Das mache es organisatorisch einfacher – allein schon wegen der Versorgung der Soldaten. Während Mader unserer Redaktion die Abläufe erklärt, sind eine Reihe von Fallschirmspringern zu sehen, die mit dem Packen beschäftigt sind. Mit der Überprüfung dauert das allein mindestens 20 Minuten. Anschließend kommen noch einmal alle für einen Flug ausgewählten Teilnehmer zusammen. Der Chef versorgt sie mit ihrem Auftrag, und es folgt ein gegenseitiger Ausrüstungscheck. Ein weiterer ist dann Aufgabe des jeweiligen Ausbildungsleiters. Sitzen alle Gurte richtig? Sind die Verriegelungen sicher? Hat jeder seinen Höhenmesser, die Brille und den Helm dabei?

Das gesamte Paket, das die Soldaten mit nach oben nehmen, wiegt rund 25 Kilo. „Das ist auch körperlich eine große Herausforderung“, weiß Mader aus eigener Erfahrung. Und weil das so ist, sind maximal sechs Sprünge pro Mann an einem Tag zulässig. Bei taktischen Übungen sind es weniger, weil sie dann noch mehr Gepäck bei sich haben.

Stabsfeldwebel Martin Müller ist Chef dieser Übungswoche in Rotenburg und für die Aus- sowie Fortbildung der Fallschirmjäger zuständig. „Die Freifaller bringen für ihre Aufgabe eine zusätzliche Ausbildung mit, es sind besondere Lehrgänge, die sie besucht haben.“ Müller wirkt gelassen. So gelassen, wie auch die meisten der Soldaten, die gerade vom Sprung zurückkommen oder sich auf den Weg zum Flieger machen. Ist da auch Angst im Spiel? „Angst würde ich nicht sagen, aber auf jeden Fall Respekt“, sagt Müller. Der Reiz, als Freifaller dabei zu sein, liege vor allem in der höherwertigen Ausbildung gegenüber der der Rundkappen-Springer, die das Flugzeug bei deutlich geringerer Höhe verlassen und sofort mit geöffnetem Schirm unterwegs sind. Freifaller sind in der Minderheit. „Das kann nicht jeder“, sagt Müller. Einem Voraustrupp anzugehören, erfordere ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Selbstständigkeit. Müller: „Da muss ganz einfach alles passen.“ Man könne als Fallschirmspringer sehr viel falsch machen. Nicht zuletzt deshalb legen alle Beteiligten größten Wert darauf, vorab alles mehrmals zu kontrollieren.

Die Maschine landet wieder auf dem Flugplatz, das nächste Team macht sich bereit. Es sind junge, noch weniger erfahrene, aber eben auch alte Hase, die da an Bord gehen. Nicht wenige von ihnen werden in gut einer Viertelstunde nahezu eine Punktplanung hinlegen und ihre Ausbilder begeistern. An negative Zwischenfälle in den vergangenen Jahren können die sich nicht erinnern. Und so sind alle im Fallschirmjägerregiment 31 froh, dass trotz Corona-Virus Sprünge wieder möglich sind. Bei Einhaltung der Hygieneregeln.

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