Sechs der kleinen Chihuahua-Mischlinge sind noch zu haben

15 Fundhunde – viel Arbeit und dazu die hohen Kosten

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Sabrina Behling kümmert sich um die Chihuahua-Mischlinge Idefix und Geronimo.

Mulmshorn - Von Guido Menker. Auch drei Monate nach dem Fund von 15 ausgesetzten Chihuahua-Mischlingen in Ahausen halten sechs dieser kleinen Vierbeiner das Team des Rotenburger Tierheims gehörig auf Trab. Regina Buchhop, Vorsitzende des Rotenburger Tierschutzvereins, und ihr Team haben aber den schwierigsten Teil der Arbeit hinter sich und hoffen jetzt darauf, auch die letzten sechs Hunde noch vermitteln zu können.

Ende Februar: Eine Frau aus Ahausen ist auf dem Weg nach Hause. Sie nimmt mit ihrem Wagen eine Abkürzung über Wirtschaftswege von der Hellweger Straße, vorbei an der Biogasanlage in Richtung Mühlenstraße. Zunächst wird die Frau auf einen scheinbar herrenlosen Hund am Fahrbahnrand aufmerksam. Als sie den Streuner einsammeln will, bemerkt sie weitere Artgenossen, die offensichtlich in der Feldmark ausgesetzt worden sind. Der Streuner macht sich aus dem Staub, die anderen übergibt die Frau einer Streifenbesatzung der Polizei. Die Beamten bringen die sechs Vierbeiner in das Tierheim. In den darauf folgenden Tagen wächst die Zahl der Fundhunde auf 15 an. Regina Buchhop ist fassungslos und sicher: Das waren illegale „Hundevermehrer“ – den Begriff Züchter vermeidet sie ganz bewusst. Diese Leute, sagt sie, müssen Hunde los werden, die sich nicht verkaufen können.

Verängstigt und verstört, vollkommen ungepflegt, abgemagert und verwurmt – so präsentieren sich die kleinen Vierbeiner bei ihrer Ankunft im Tierheim.

„Es war für uns Aufwand ohne Ende“, erinnern sich Regina Buchhop und Sabrina Behling. Wegen der erforderlichen Quarantäne konnten die Hunde nicht in den Außenbereich. Stubenrein waren sie ebenfalls nicht – „wir hatten unglaublich viel Putzarbeit zu verrichten.“

Gut, dass mehrere freiwillige Helfer regelmäßig gekommen sind, um sich um die Tiere zu kümmern und Vertrauen aufzubauen. Denn das raubt sehr viel Zeit – Zeit, die das Team alleine nicht aufbringen kann. Aber ein solcher Fund kostet auch Geld – Geld, dass das Tierheim auch nicht mal eben so aus der Tasche zaubern kann. Mehr als 2300 Euro allein für die fälligen Tierarztbehandlungen waren aufzubringen. Einer der Hunde musste für fünf Tage in die Klinik, die anderen waren zu impfen, durchzuchecken, zu entwurmen und von Flöhen zu befreien.

Sieben dieser niedlichen Chihuahua-Mischlinge haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Darüber sind die Tierschützer sehr froh. Parallel dazu haben den Verein eine Reihe von Spenden erreicht, die die Kosten allerdings noch nicht abdecken. Das Problem aus Sicht von Buchhop: Die sechs Gemeinden im Südkreis zahlen für ein Fundtier lediglich 30 Tage lang einen festen Satz. „Laut BGB müssen aber Fundsachen ein halbes Jahr lang aufbewahrt werden – so lange sollten sich die Gemeinden daher auch für die Unterbringung der Tiere verpflichtet fühlen.“ Allein im vergangenen Jahr habe der Verein aus eigener Rücklage 120000 Euro aufgebracht, 30000 Euro hätten die Gemeinden gezahlt. Buchhop: „Wir planen für ein neues Tierheim, das größer ist. Dort werden noch mehr Tiere untergebracht, und die Betriebskosten sind ebenfalls höher. Wir können doch nicht die kompletten Rücklagen aufbrauchen.“ Schließlich hat auch der Tierschutzverein für die Mitarbeiterinnen im Tierheim inzwischen einen Mindestlohn zu zahlen. Zwei von ihnen sind voll, zwei weitere in Teilzeit beschäftigt. Wenn Regina Buchhop angesichts dieser Umstände von einer aus ihrer Sicht erforderlichen Anpassung der Kostensätze für Fundtiere spricht, dann erinnert sie daran, dass der Verein zwar den Tierschutz übernimmt, parallel dazu aber auch eine Dienstleistung für die jeweiligen Gemeinden erbringt. Und genau das werde eben nicht ausreichend abgegolten.

Dass während des Gespräches mit der Kreiszeitung das Telefon klingelt, ist nicht ungewöhnlich. Fast täglich erreichen Buchhop Anrufe von Menschen, die einen guten Rat brauchen. In diesem Fall ist es eine Frau aus Sittensen – sie hat einen Hund aus dem Ausland importiert. Nun hat er sich aus dem Staub gemacht und lässt sich nicht mehr einfangen. 40 solcher Fälle erreichen das Tierheim durchschnittlich pro Jahr – nicht selten rückt ein Team aus, um Hilfe zu leisten. Fremde Hunde aus dem Ausland oder auch Vierbeiner von illegalen „Vermehrern“ – das alles schmeckt Regina Buchhop gar nicht. Sie warnt davor, mit Blick auf die 15 kleinen Fundhunde von Ahausen: „Zwei von ihnen haben das alles nicht überlebt.“

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