Hilfe für Kriminalitätsopfer

„Weißer Ring“: Schweigen ist der falsche Weg

Die Rotenburgerin Andrea Mau (l.) ist jahrelang Opfer eines Stalkers gewesen. Sie hat sich mit dem Vorsitzenden vom „Weißen Ring“, Jürgen Schulz (r.), in Verbindung gesetzt. Sie schilderte den Schülern ihren Leidensweg.
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Die Rotenburgerin Andrea Mau (l.) ist jahrelang Opfer eines Stalkers gewesen. Sie hat sich mit dem Vorsitzenden vom „Weißen Ring“, Jürgen Schulz (r.), in Verbindung gesetzt. Sie schilderte den Schülern ihren Leidensweg.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Jürgen Schulz, Kripobeamter und Vorsitzender vom Opferschutzverein „Weißer Ring“ in Rotenburg, sowie Stalking-Opfer Andrea Mau (49) haben am Montagmorgen rund 140 Siebtklässlern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Rotenburg einen intensiven und praxisnahen Einblick in das Thema Opfer von Gewalt gegeben. Zudem haben die Schüler erfahren, wie man sich als Betroffener verhalten sollte und welche Möglichkeiten es gibt, sich gegen Kriminelle zu wehren.

Mucksmäuschenstill ist es in der Aula der Theodor-Heuss-Schule gewesen, als Mau ihren Leidensweg ganz offen erzählte. Sie berichtete von Schlägen und verbalen Attacken, die ihr Lebenspartner ihr zugefügt hatte. Auch berichtete sie, welche Folgen das Stalken nach der Trennung für sie und ihre Tochter hatte, wie sie Hilfe beim „Weißen Ring“ fand, um sich zu wehren und dem Täter der gerechten Strafe zuzuführen. Sie betonte, wie wichtig es gewesen sei, dass sie sich öffentlich offenbart und auch die Medien eingeschaltet hatte. Heute führe sie mit ihrer Tochter ein normales Leben und sei so gestärkt, dass sie trotz der Erfahrungen irgendwann wieder eine Beziehung mit einem Mann eingehen könne. Die 13- bis 14-jährigen Zuhörer waren sichtlich bewegt. Da kam eine kurze Pause gerade recht, denn so hatten sie Zeit, das Gehörte zu verarbeiten und zu besprechen.

Ratschläge bei Cybermobbing

Danach ging Schulz auf die Verbreitung von Beleidigungen und Schikanen per Handy oder im Internet ein – sogenanntes Cybermobbing. Dazu gehöre unter anderem das Versenden von intimen, peinlichen oder manipulierten Fotos und Videos in sozialen Netzwerken. „In der virtuellen Welt ist die Hemmschwelle für den Urheber viel niedriger als von Angesicht zu Angesicht“, so Schulz. Mobbing sei in der Grundschule am häufigsten verbreitet. Die Motive seien beispielsweise Langeweile, Rache und das Ausüben von Macht über andere. Die Opfer seien eher Außenseiter oder bekämen wenig Unterstützung von den Eltern. Negativen Auswirkungen seien seelisch und körperlich: Versagensängste, Stress, Erschöpfung und Depressionen bis hin zum Suizid, aber auch Schlafstörungen, Herz- und Kreislaufprobleme sowie Allergien.

Schüler und Lehrkräfte erlebten einen informativen Morgen über Opferschutz durch den „Weißen Ring“.

Lehrer, Eltern und Schüler müssten Mobbing geschlossen ablehnen. „Es ist strafbar“, betonte Schulz. Deshalb sollte das Opfer juristisch gegen Täter vorgehen. „Wir vom ,Weißen Ring’ helfen dabei.“ Die Opfer sollten die Beweise durch Screenshots sichern und nicht löschen. „Wir beraten und unterstützen – und das mit Erfolg“, so Schulz abschließend.

Der Didaktische Leiter der IGS, Ronny Wieland, hat diese Informationsveranstaltung unter dem Leitbegriff „Medien“ initiiert. Das Gesamtprojekt für den siebten Jahrgang wird nach einigen Workshops am Freitag enden.

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