Engagement von Grundschulen 

Gegen Vulgär- und Fäkalsprache

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Selbst in der Grundschule fällt häufig schon auf, dass Kinder unangemessenes Vokabular benutzen. Oft wüssten sie aber gar nicht, was sie da sagen, sagt zum Beispiel Susanne Enders, Schulleiterin der Stadtschule. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. „Ich geh‘ mal pissen.“ Es sind Ausdrücke und Sätze wie diese, die einst vielleicht nur Platz in der Kneipe oder auf dem Bau hatten, inzwischen aber auch Einzug in den Sprachgebrauch von Grundschülern halten. Das hatte zuletzt beispielsweise der Bayerische Lehrerverband BLLV bemängelt. Auch in Rotenburg versuchen die Lehrer einer Verrohung der Sprache entgegenzuwirken.

„Vor 20 Jahren haben wir uns aufgeregt, wenn ein Schüler ,Scheiße‘ sagt, heute ist das fast normal“, sagt zum Beispiel Susanne Enders. Sie ist Schulleiterin an der Stadtschule in Rotenburg. „Die Verrohung der Sprache hat zugenommen.“ Die Ursachen lägen allerdings nicht auf dem Spielplatz, so ihre Vermutung. Viel mehr sei es so, dass die Jungen und Mädchen auch in den jungen Jahren schon viel aus den Medien aufschnappen. Sprache sei insgesamt sehr viel lockerer geworden. „Sie kopieren das, eigentlich begreifen sie aber nicht, was sie gesagt haben. Manchmal fehlen ihnen auch einfach die Ausdrücke.“ Auch unter den Erwachsenen oder im Verein werde mehr zugelassen, ist ihr Eindruck. „Als Schule da gegenzusteuern, ist schwierig.“ Inzwischen gebe es ein Gewaltpräventionskonzept, das umgesetzt werden soll.

Deutliche Maßregelungen

Das versucht man auch an der Kantor-Helmke-Schule (KHS), wie Schulleiterin Catrin Cramme erklärt. „Wir sprechen eine geschliffene Hochsprache, sind höflich und bestimmt.“ Wenn jemand sich vulgär oder gar fäkal ausdrücke, dann gebe es eine deutliche Maßregelung. Die Lehrer sollen mit den Schülern sprechen. Wenn so etwas massiv vorkommt, gebe es außerdem ein Gespräch mit den Eltern. Woher es allerdings kommt, dass schon junge Schüler so ein Vokabular aufschnappen und weitergeben „ist schwierig zu beantworten. Wir können es nur wahrnehmen und reagieren“, sagt die Rektorin. Schon in der Schulordnung sei verankert: „Wir gehen freundlich miteinander um und vermeiden Schimpfwörter.“ Diese gebe es sowohl für Eltern als auch für Kinder – dann in einer angemessenen Sprache.

Sie stellt aber auch fest: „Schule wird stärker erzieherisch tätig.“ Das spiegelt sich auch an den Präventionsmaßnahmen, die von erster bis vierter Klasse in jedem Schuljahr stattfinden, wider. Sie seien jeweils auf das Alter der Schüler abgestimmt. Im ersten Schuljahr gehe es beispielsweise darum, Gefühle wahrzunehmen und ausdrücken zu können. Das werde in der zweiten Klasse dann vertieft, erklärt Cramme. In der dritten Klasse folge die Ausbildung zu Streitschlichtern, und die Schüler des vierten Jahrgangs beschäftigen sich mit dem Thema „Zivilcourage“, dafür sei dann auch ein Beamter der Rotenburger Polizei anwesend.

Respektvolles Miteinander

Als Schulsozialarbeiterin ist Antje Inderdohnen daran maßgeblich beteiligt. Sie ist auch Teil des Präventionsteams. „Wir sind da immer am Ball“, sagt sie. Man strebe ein gutes und respektvolles Miteinander an. Bei den Präventionsprogrammen für die verschiedenen Altersklassen gehe es zum einen darum, die Persönlichkeit zu fördern, das Selbstwertgefühl und die Empathiefähigkeit zu steigern, zum anderen um Impulssteuerung und darum, die sozialen Kompetenzen zu stärken. Dieser „Unterricht“ finde einmal pro Woche statt, um dem Ganzen Kontinuität zu geben.

Wichtig sei, sagt Inderdohnen, dass Eltern, wenn sie eine rohe Sprache bei ihrem Kind bemerkten, die Bedürfnisse des Kindes abklärten. „Sie sollten fragen, warum das Kind wütend ist“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Außerdem sollten Eltern auch zugeben, wenn sie in einer bestimmten Situation falsch reagiert hätten. Inderdohnen: „Wir müssen ihnen das vorleben. Kinder beobachten uns Erwachsene sehr viel und gucken sich viel ab. Moral lernen sie erst von uns.“

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