Ratsgymnasiasten positionieren sich nach Rassismus-Vorwürfen an ihrer Schule

Schüler wehren sich: „Diese Vorwürfe sind Irrsinn“

Susanna Ali (l.) und Nadja Tannous sind die Schülersprecherinnen des Ratsgymnasiums – und arbeiten in der AG „Schule ohne Rassismus“ mit. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Unverständnis, aber auch Empörung und ein unheimlicher hoher Redebedarf: Nach den öffentlichen Rassismus-Vorwürfen der Familie eines Schülers nach dem Ausschluss von einer Klassenfahrt am Rotenburger Ratsgymnasium will die Schülerschaft ein Zeichen setzen. „Es ist ein Irrsinn, dass es diese Vorwürfe gibt“, sagt Johannes Brinker stellvertretend für die Mitglieder der AG „Schule ohne Rassismus“. „Solche Lehrer gibt es bei uns nicht.“

Susanna Ali und Nadja Tannous sind seit diesem Jahr die Schülersprecherinnen des Gymnasiums. Auch sie arbeiten in der AG mit und betonen, wie bunt und vielfältig ihre Schule sei. „Ausgrenzung gibt es nicht“, sagt die 17-jährige Ali, sie selbst sei mit ihren syrisch-kurdischen Wurzeln der beste Beweis dafür. Auch wenn sich die Schülerschaft wie die Schulleitung nicht explizit zu den Vorfällen mit dem einen Mitschüler, der die Debatte in Gang gebracht hat, äußern dürfen und wollen, so sei für sie doch klar: „Der Rassismus-Vorwurf ist nicht haltbar.“ Für den Ausschluss von der Klassenfahrt – im Übrigen weder an dieser noch an anderen Schulen keine Seltenheit – müsse es andere Gründe geben.

Das Ratsgymnasium hat sich schon lange auch mit einem äußerlichen Zeichen, direkt am Haupteingang, mit einem Schild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ positioniert. Das dazugehörige Netzwerk ist das größte an deutschen Schulen, ihm gehören bundesweit mittlerweile mehr als 2 000 Bildungseinrichtungen mit rund einer Million Schülern an. Auch das Ratsgymnasium hatte sich zum Beitritt verpflichtet, Unterschriften zu sammeln, die zeigen, dass mindestens 70 Prozent aller Schüler keine rechte Gewalt unterstützen und Zivilcourage zeigen wollen. Nach längerer Vorbereitung wurde die Mitgliedschaft dann inklusive Arbeitsgemeinschaft im Oktober 2004 besiegelt. Damals waren Susanna Ali und Nadja Tannous noch nicht einmal eingeschult.

Doch heute, zwölf Jahre später, setzen sie die Arbeit im Sinne der „Gründungsväter“ fort. Zehn Mitglieder hat die AG aktuell, ab Klasse acht kann man mitmachen. Auch wenn es in diesem Schuljahr nach dem erfolgreichen Benefizkonzert für Syrien 2015 keine größeren Aktionen gab, so sei die Gruppe dennoch sehr aktiv. Eine Foto-Aktion beim Weihnachtsbasar und der Ausbau von Infowänden in der Pausenhalle seien aktuelle Projekte, zudem würden politische Entwicklungen analysiert und diskutiert. Für den Beginn des kommenden Schuljahres sei ein Benefiz-Fußballspiel mit Bewohnern des Campus Unterstedt geplant. Mitglieder der AG haben darüber hinaus Patenschaften für Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien übernommen, die am Ratsgymnasium ihre ersten Schritte im deutschen Schulsystem machen.

Umso mehr hätten sich nicht nur die Mitglieder der AG, sondern weitere Teile der Schülerschaft über die Vorwürfe geärgert. Dass es die AG weiterhin gebe, sei auch kein Beleg dafür, dass es am Ratsgymnasium ein Problem gibt, versichert Lehrerin Bianca Wostbrock, die das Projekt betreut. Man kümmere sich nicht um die eigenen, sondern um die Probleme anderer – wie das Beispiel des Benefiz-Konzertes im vergangenen Jahr gezeigt habe.

„Wir versuchen, die Menschen zusammenbringen“, sagt Schülersprecherin Ali. Und dazu gehörten alle. Die AG sei auch Ansprechpartner für diejenigen, die sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlten. Wenn so etwas passiere, dann seien es Einzelfälle. Ein grundlegendes Problem gebe es nicht. Ali: „Die Schülerschaft ist sich einig, dass es keinen institutionellen Rassismus bei uns gibt.“

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