Der steinige Weg der Reformation

Schüler der Jugendwerkstatt Rotenburg „nageln“ „Thesen“ an Türen im Karo

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Achim Quaas während der Eröffnung der Ausstellung vor einer der „Kirchentüren“ im Kaufhaus Rotenburg.

Rotenburg - Im Kaufhaus Rotenburg (Karo) ist am Mittwochnachmittag eine interessante Ausstellung eröffnet worden. Unter dem Titel „Reformation – Das Leben ist Veränderung“ zeigen rund 16 Teilnehmer der Jugendwerkstatt Rotenburg aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen das Ergebnis ihres Geschichtsunterrichts in der Einrichtung über die Reformationszeit, in der Martin Luther eine entscheidende Rolle spielte. Eine Reise ins Mittelalter im Karo.

Drei von Schülern der Jugendwerkstatt unter der Anleitung von Christian Nehrke hergestellte Türen im gotischen Stil stehen nun symbolisch für die Tore der Schlosskirche zu Wittenberg, an der Reformator Luther vor 500 Jahren 95 Thesen angeschlagen haben soll. Im Karo sind sie nicht mit den damaligen Thesen, sondern mit Bildern und Zetteln mit Informationen versehen worden, die zunächst ungeordnet wirken und dennoch ist nach kurzer Betrachtung erkennbar, dass die Jugendlichen Struktur in die Darstellungen gebracht haben. 

Es sind Ergebnisse, die die 16- bis 25-jährigen Schüler gemeinsam mit dem pädagogischen Mitarbeiter Achim Quaas erarbeitet und gemeinsam schriftlich dokumentiert haben. „Eigentlich ist es das Unterrichtsmaterial, das wir an die Wand gebracht haben“, so Quaas.

Wodurch wurde die Reformation möglich?

Die Anschläge an den Türen stellen je ein Kapitel aus der Reformationszeit vor: Das erste Kapitel ist eine Zusammenfassung von Begriffen, die etwas über das Leben im Mittelalter aussagen – keine glückliche Zeit für die Menschen. Dazu die Dominanz der katholischen Kirche mit der Hexenverfolgung (Verbrennungen) und Hinrichtungen von Ketzern. Hinter den Begriffen sind jeweils Details zu lesen, um den Hintergrund zu erschließen.

Auch einige Schüler der Jugendwerkstatt Rotenburg mit Migrationshintergrund waren bei der Eröffnungsfeier anwesend.

Die zweite Tür zeigt die Reformation, wie sie die evangelische Kirche propagiert hat. Die Schüler haben das Wirken Luthers aus dem Geschichtswissen selbst eingeschätzt und niedergeschrieben. „Wir haben uns auch mit anderen Aspekten beschäftigt, die eine Reformation in dieser Form erst möglich gemacht haben“, so der Experte. „Wenn Kaiser Karl V. damals nicht die Furcht gehabt hätte, von den Osmanen, die bereits vor Wien standen, überrannt zu werden, hätten sich die Fürsten, die sich damals bereits Martin Luther zugewendet hatten und nicht ganz auf Linie waren, sicherlich anders diszipliniert. So hat der Kaiser sie und ihre Soldaten gebraucht – und das war die Chance für die Reformation“, erklärte Quaas bei der Eröffnung der Ausstellung. So blieb Luther das gleiche Schicksal wie dem Reformator Jan Hus (Verbrennung) erspart.

Aufmerksamkeit für Luthers Zeitgenossen

Wie die Informationen auf der Tür zeigen, war es damals ein steiniger Weg. Quaas erinnert auch an den 30-jährigen Krieg, der 1618 bis 1648 zwischen den Katholiken und Protestanten ausgebrochen war. Auf der letzten Tür sind die Zeitgenossen Luthers festgehalten. Dazu gehören nicht nur weitere Reformatoren wie Johannes Calvin, sondern auch Seefahrer wie Christoph Kolumbus, Wissenschaftler Nikolaus Kopernikus (neues Weltbild) und Künstler wie Albrecht Dürer. 

Besonders erwähnt ist auch Johann Gutenberg. Ohne seine Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern wäre die Bewegung nicht so gelaufen, wie sie heute in den Geschichtsbüchern nachzulesen ist. So konnten Nachrichten schneller verbreitet werden.

go

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