Schon auf dem Weg

Rotenburger Werke: Kirchenzugehörigkeit nicht mehr zwingend erforderlich

Die Kirchenzugehörigkeit als Voraussetzung für einen Job ist auch bei den Rotenburger Werken nicht mehr in Stein gemeißelt. Auf den diakonischen Gedanken legen sie aber weiter größten Wert. Foto: Menker
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Die Kirchenzugehörigkeit als Voraussetzung für einen Job ist auch bei den Rotenburger Werken nicht mehr in Stein gemeißelt. Auf den diakonischen Gedanken legen sie aber weiter größten Wert.

Rotenburg - Die konfessionsgebundene Stellenausschreibung der evangelischen Diakonie ist diskriminierend, denn kirchliche Arbeitgeber dürfen nicht bei jeder Stelle von Bewerbern eine Religionszugehörigkeit fordern. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im vergangenen Jahr entschieden. Die Rotenburger Werke bringen auf Anfrage zum Ausdruck, dass in vielen Bereichen eine Kirchenzugehörigkeit keine Voraussetzung mehr zur Mitarbeit in der diakonischen Einrichtung sei. Das Agaplesion Diakonieklinikum hatte sich bereits im vergangenen Jahr entsprechend geäußert. Matthias Richter als theologischer Direktor unterstrich im Juni 2018, dass das Diako seit langer Zeit auf den meisten Positionen auch Mitarbeiter einstelle, die keiner christlichen Kirche angehören.

Ähnlich drückt sich die Geschäftsführerin der Werke aus: „Diese neue Entwicklung eröffnet für alle Mitarbeitenden unterschiedslos die Chance auf eine gemeinsame Beschäftigung mit den Grundwerten eines diakonischen Handelns, wie sie im Leitbild der Rotenburger Werke beschrieben werden“, so Jutta Wendland-Park. Für alle neuen Mitarbeitenden seien obligatorische Kurse eingerichtet worden, um unabhängig von persönlichen religiösen oder nicht-religiösen Hintergründen eine Bindung zu den Werten des Unternehmens und deren christlich-diakonischen Grundlagen herzustellen.

In den vergangenen Jahren habe sich unsere Gesellschaft zunehmend verändert. Sie sei bunter und vielfältiger geworden. Andere Konfessionen und Glaubensrichtungen prägten neben dem christlichen Profil das gesellschaftliche Leben, und die Anzahl der Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, nehme zu, ergänzt Rüdiger Wollschlaeger als Sprecher der Werke.

Die Rotenburger Werke seien eine diakonische Einrichtung mit langer Tradition. Über Jahrzehnte hinweg hätten sie immer wieder das diakonische Profil ihrer Einrichtung in einer sich verändernden Gesellschaft neu gestaltet. Auch die kritische, historische Aufarbeitung der letzten Jahre sei in diesem Kontext zu sehen.

„Als Mitglied im Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen sind die Rotenburger Werke auf die sogenannte Loyalitäts-Richtlinie verpflichtet, im Wortlaut auf die ,Richtlinie des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland über kirchliche Anforderungen der beruflichen Mitarbeit in der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Diakonie’“, teilen die Werke in ihrer Stellungnahme zur gerichtlichen Entscheidung des vergangenen Jahres mit. Dort werde die Kirchenmitgliedschaft für Mitarbeitende geregelt, um die evangelische Identität diakonischer Einrichtungen zu wahren. Und weiter: Das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) zugunsten einer konfessionslosen Bewerberin, die sich erfolglos bei einem diakonischen Dienstgeber beworben hatte, gebe seit Mitte 2018 eine Richtung vor, „in die sich diakonische Arbeitgeber, darunter auch die Rotenburger Werke, seit geraumer Zeit ebenfalls bewegen“. Es liege nun bei den diakonischen Unternehmen selbst, unter Beachtung der Empfehlungen der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) das eigene diakonische Profil aktiv zu gestalten. Das BAG-Urteil stelle Herausforderung und Chance gleichermaßen dar, um die Definition diakonischer Identität zu überdenken und neu zu gestalten. Jutta Wendland-Park: „Dabei wird bei künftigen Ausschreibungen und Stellenbesetzungen zu prüfen sein, ob die Anforderung an Kirchenmitgliedschaft durch den spezifisch kirchlichen Auftrag dieser Stelle zur Wahrung des Ethos der Organisation zwingend erforderlich ist.“

Die Rotenburger Werke hätten sich diesbezüglich schon auf den Weg gemacht. „Sie sehen auf der einen Seite weiterhin die Aufgaben der Verkündigung, Seelsorge, Bildung und Leitung an eine Kirchenzugehörigkeit gebunden, haben andererseits auch schon in der Vergangenheit in manchen Bereichen Mitarbeitende, die anderen Konfessionen angehören oder konfessionslos sind, unter bestimmten Bedingungen eingestellt und sind dabei, die vielen unterschiedlichen Aufgaben in der Einrichtung neu zu bewerten“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage, die unsere Redaktion der Werke-Geschäftsführung hatte zukommen lassen. Grundsätzlich wünschten sich die Rotenburger Werke auch in Zukunft eine Kirchenmitgliedschaft der Mitarbeiter. Davon unabhängig hätten Menschen ohne kirchliche Bindung die Möglichkeit, in vielen Bereichen der Werke gleichberechtigt mitzuarbeiten.

Zurzeit setzten die Werke ein Konzept um, das obligatorische Kurse zur Identität des Unternehmens für alle bietet, die im Unternehmen arbeiten. Fundament dabei ist das Leitbild der Rotenburger Werke mit seiner christlichen Prägung.

Die Rotenburger Werke seien davon überzeugt, dass kulturelle und religiöse Offenheit keinen Widerspruch zu einer gelebten Diakonie darstellen. Dennoch bleibt der christlich-diakonische Anspruch grundsätzliches Fundament der Rotenburger Werke und ist ein wesentlicher Teil der Unternehmenskultur, der Kunden wie auch Mitarbeitenden Orientierung und Verlässlichkeit bietet.

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