Rotenburger Stadtradler trotzen dem Dauerregen bei Auftakttour nach Borchel

Schönwetterradler gebremst

ADFC-Chef Manfred Petersen (r.) und Bürgermeister Andreas Weber haben ihre Autoschlüssel als Stadtradel-Stars abgegeben. Und bei der Auftakttour nach Borchel fuhren sie dann auch gleich vorne weg – durch Rotenburgs erste Fahrradstraße. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der gute Vorsatz für die nächsten drei Wochen erlebt seinen ersten, herben Dämpfer im Selbstversuch an Tag eins um 9.17 Uhr: mit dem Blick aus dem Fenster und den Gesichtern der übrigen Familienangehörigen, die eigentlich auch mitfahren wollten bei der Auftakttour des Rotenburger Stadtradelns nach Borchel. Norddeutscher Platterregen, und keine Besserung in Sicht. „Müssen wir wirklich los?“

Andreas Weber stört das Wetter nicht. Und 82 andere Mitradler an diesem Sonntagmorgen ebenso wenig. Sie sind dabei, als es nach der Begrüßung im Rotenburger Rathaus-Foyer auf die rund zehn Kilometer lange Strecke zum Mehrzweckhaus nach Borchel geht. Einer der letzten, die dazustoßen, ist Hans Worthmann. Borchels Ortsvorsteher reißt in dem Moment die Tür zum Rathaus auf, als sein hauptamtlicher Kollege Weber die Strecke skizziert: „Ich will euch ja nicht im Regen stehen lassen“, kalauert Worthmann. Allgemeines Gelächter. Das wird ihnen gleich vergehen, denkt der Journalist, als sich die Gruppe, angeführt vom Rotenburger Bürgermeister und ADFC-Chef Manfred Petersen, Richtung Goethestraße vom Pferdemarkt rollt. Regen, Regen, Regen.

Unter einem dichten Baum wartet der Fotograf ein paar hundert Meter weiter, am Rande von Rotenburgs erster Fahrradstraße Hemphöfen. Am Freitag wurden dort noch fristgerecht die letzten Markierungen auf die Fahrbahn gebracht, nun radelt die Kolonne drüber – und das auch noch bestens gelaunt. Vielleicht ist es die Aussicht auf die warme Suppe in Borchel? Der Bürgermeister streckt den Daumen hoch fürs Motiv, das geht gerade so mit dem langen, knallgelben Regencape. Die Tochter bemerkt: „Sieht ein bisschen aus wie Bibo aus der Sesamstraße.“ Jetzt grinsen auch wir. Radfahren verbindet.

Das hatte Weber, nachdem er mit Rotenburgs Ober-Fahrradfahrer Manfred Petersen bei Organisatorin Andrea Rieß seine Verpflichtung als Stadtradel-Star mit der Abgabe des Autoschlüssels für drei Wochen eingegangen war, bereits angedeutet. „Stadtradeln schafft ein besseres Klima“, so das Stadtoberhaupt zu der Aktion des Klima-Bündnisses, an der die Kreisstadt nach der Premiere im September nun ein zweites Mal teilnimmt. Und dabei gehe es nicht nur um das weitgehend symbolische, aber auch ganz tatsächliche Einsparen von CO2 – es geht auch um ein besseres Klima für die Stadt, ein besseres Klima untereinander. Die Regenkolonne nach Borchel ist der beste Beweis dafür.

100.000 Kilometer sind das Ziel. Und an Tag eins der Aktion, die am 19. Juni mit einer Sternfahrt endet, sind es bereits rund 400 Teilnehmer in 41 Teams, die sich angemeldet haben. „Wir wollen 600 schaffen!“, gibt Weber der Stadt euphorisch mit auf den Weg, wohlwissend dass das letztjährige Ziel, gemeinsam einmal um den Äquator zu radeln, gleich doppelt gemeistert wurde. Tatsächlich scheint sich die Kreisstadt über alle Bereiche hinweg dem Thema angenommen zu haben: Schulen beteiligen sich ebenso wie Anwaltskanzleien, die Werke, alle Rotenburger Ortschaften, der Skiclub, und auch ein „Team Pressehaus“ gibt es, moderiert der Bürgermeister in Richtung der Pressevertreter beim Empfang: durchaus als Aufforderung zu verstehen, die eigene Mannschaft, bislang in der Zahl überschaubar, doch noch ein bisschen auszubauen. Wird natürlich gemacht. Nach dem Regen.

Der Bürgermeister, der nach der Tour, nach warmer Suppe und wieder getrocknet für den nächsten Termin passenderweise von einer „runden Sache“ zum Auftakt spricht, sieht auch eine politische Dimension der Aktion. Ebberskamp, Sandhasenweg, Rönnebrocksweg und irgendwann einmal Goethestraße: Aus- und Umbau für den Radverkehr sind dort angedacht. Dafür gibt es Applaus im Rathaus von den Stadtradlern, viel Gesprächsstoff unterwegs – und ein paar Zeilen mehr für den Redakteur zu schreiben in der trockenen Stube der Redaktion.

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