Breitband-Ausbau

Schnelles Internet für fast alle

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130 Millionen Euro wird der flächendeckende Ausbau mit Glasfaserkabeln im Landkreis kosten.

130 Millionen Euro sollen bis zum Jahr 2027 im Landkreis Rotenburg für den Ausbau schneller Internetverbindungen investiert werden. Die Verwaltung hat eine „Gigabitstrategie“ vorgelegt. Entscheidend wird aber sein, ob die entsprechenden Fördermittel von Bund und Land wirklich fließen.

Rotenburg – Als einen „ordentlichen Humpen“ bezeichnet Reinhard Bussenius (Grüne) das, was die Kreisverwaltung jetzt vorgestellt hat. Die „Zukunftsvision“, deren Zahlen Tanja Steinecke von der Stabstelle Kreisentwicklung im Wirtschaftsausschuss nannte, sind tatsächlich erst einmal mächtig: 130 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren für den Ausbau schneller Glasfasernetze im Landkreis investiert werden. Nahezu alle der rund 60.000 Haushalte zwischen Visselhövede und Bremervörde könnten damit auf Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit zugreifen. Das entsprechende Positionspapier, erstellt mit einer externen Beratungsfirma, trägt dann auch den entsprechenden Titel „Gigabitstrategie für den Landkreis Rotenburg“.

Die „weißen Flecken“ sind weitgehend beseitigt. Ins Netz kommt nach dem massiven Ausbau seit gut zehn Jahren mittlerweile fast jeder mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 Mbit/Sekunde. Doch das reicht heute schon vielen nicht mehr, und auf längere Sicht werden vor allem Unternehmen damit nicht zufrieden sein. Es braucht mehr Leistung. Auch der Bund hat das erkannt und schafft neue „Beihilfebestimmungen“, wie Steinecke sagt.

Für den Landkreis ist das Ziel, alle Gebäude anzubinden, die noch nicht über einen Glasfaseranschluss verfügen oder mit dem alten „Kabel Deutschland“-Netz erreichbar sind. Das Konzept der Verwaltung hat 28 569 Adressen ermittelt, die betroffen wären. Als Gesamtkosten für den Anschluss werden 120 Millionen Euro genannt, zuzüglich eines Puffers von zehn Millionen Euro. Die Berechnungen sehen eine Bundesförderung von 60 Millionen und einen Landeszuschuss von 19 Millionen vor. 41 Millionen Euro blieben im Landkreis, davon müssten die Kommunen selbst 21,5 Millionen Euro stemmen. Für Rotenburg ergibt sich den Zahlen nach ein Eigenanteil von 1,1 Millionen Euro, für Sottrum 2,6 Millionen Euro, für Visselhövede 1,5 Millionen Euro, Scheeßel eine Million Euro, Bothel 1,5 Millionen Euro und Fintel 1,2 Millionen Euro. Außen vor gelassen werden sollen zunächst abgelegene Haushalte in Einzellage. Für diese 837 Häuser müssten alleine 28,4 Millionen Euro aufgebracht werden – zu viel. Mit fast 39.000 Euro pro Anschluss wäre das laut Steinecke „unverhältnismäßig“, es müsse vielmehr Einzelfallprüfungen geben und über andere Techniken nachgedacht werden. Insgesamt wären diesen Zahlen nach dann 98,6 Prozent der Haushalte im Kreisgebiet mit Gigabit-Netzen erreichbar. Auf eine Bauzeit von fünf Jahren verteilt wären es Kosten in Höhe von vier Millionen Euro jährlich nur für den Landkreis. Vertretbar, sagt Kämmerer Sven Höhl – bei aktuellen Jahresinvestitionen von rund 30 Millionen Euro. Fraglich sei allerdings, ob sich dann auch die nötigen Tiefbauunternehmen finden. Grundsätzlich hänge alles sowieso von den Fördergeldern ab. Die Kreisverwaltung will ab Januar mit den Kommunen über die Pläne sprechen.

Dass die öffentliche Hand und damit der Steuerzahler überhaupt für den Netzausbau aufkommen muss, liegt daran, dass sich die Netzbetreiber mit Investitionen auf dem Land zurückhalten. Es lohnt sich schlichtweg nicht. Allerdings scheint der Ausbau immerhin in Zeven und Rotenburg noch lukrativ zu sein. Wie Steinecke durchblicken ließ, will der EWE-Konzern nach Gnarrenburg, Karlshöfen, Brillit und Basdahl ab Mitte kommenden Jahres auch die Kerngebiete der beiden Mittelzentren auf eigene Kosten mit Glasfaser bis zum Hausanschluss vernetzen.

Studie: Nicht jeder will schnelles Internet

Das Internet in Deutschland wird immer schneller. Einer Studie des Beratungsunternehmens Dialog Consult im Auftrag des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten zufolge, die im Oktober veröffentlicht wurde, wird die Zahl der erreichbaren Gigabit-Anschlüsse bundesweit von Anfang bis Ende dieses Jahres von 11,1 auf 19 Millionen steigen. Damit sei es in fast jedem zweiten der circa 42 Millionen Haushalte in Deutschland möglich, Daten in einem Tempo von einem Gigabit pro Sekunde zu übertragen. Allerdings nutzt nur etwa jeder vierte Haushalt die schnellen Leitungen, also 4,8 Millionen – beim Rest sind sie inaktiv. Allerdings: Selbst wenn die Leitungen aktiviert wurden, heißt es nicht, dass sich die Kunden für einen Highspeed-Vertrag entscheiden und dementsprechend tiefer in die Tasche greifen. Tatsächlich surfen der Studie zufolge nur 1,2 Millionen Haushalte mit mehr als 0,25 Gigabit pro Sekunde im Download. Die Erklärung hierfür: Viele Kunden entscheiden sich auf den Gigabit-Leitungen für billigere Verträge, die nur ein Tempo von bis zu 0,25 Gigabit pro Sekunde vorsieht oder weniger.

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