Schlechte Sichtverhältnisse: Geschwindigkeit anpassen und Leitpfosten im Blick

Wie Autofahrer sicher durch den Nebel kommen

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Nebel und Herbstlaub – beides birgt Gefahren sowohl für Auto- als auch für Radfahrer.

Rotenburg - Von Alexander Schmidt. Autofahrer mussten in den vergangenen Wochen viel Geduld aufbringen: Die Sichtverhältnisse waren durch Nebel und trübes Wetter eingeschränkt. Im Schneckentempo ging’s stellenweise über die Straßen. Auch zu Unfällen kam es im Landkreis. Scheinwerfer und -schlussleuchten können bei der „dicken Suppe“ ein wenig Abhilfe schaffen. Doch wann darf die Nebelbeleuchtung eingeschaltet werden?

Genau geregelt ist das in der Straßenverkehrsordnung in Paragraph 17, Absatz 3: Behindert Nebel, Schneefall oder Regen die Sicht erheblich, dürfen Nebelscheinwerfer eingeschaltet werden. Sollte es – auch am Tage – zu Sichtbehinderungen kommen, ist zwingend mit Abblendlicht zu fahren, ergänzt Christoph Steinke. „Bei solcher Witterung dürfen auch die Nebelscheinwerfer eingeschaltet sein. Die Nebelschlussleuchte hingegen darf nur bei einer Sichtweite durch Nebel von unter 50 Metern benutzt werden“, führt der Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Rotenburg weiter aus.

Autofahrer sollten darauf achten, dass die Geschwindigkeit immer den Sichtverhältnissen angepasst werden muss. Bedeutet: Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er innerhalb der von ihm übersehbaren Strecke anhalten kann. Ein Beispiel: Bei einer Sicht bei Nebel von 70 Metern darf nicht schneller als 70 Stundenkilometer gefahren werden. Steinke: „Auf schmalen Straßen muss man schon nach der Hälfte der übersehbaren Strecke anhalten können.“

Mit Blick auf das Einschalten der Nebelschlussleuchte können sich Autofahrer an den Leitpfosten neben der Straße, die einen Abstand von 50 Metern haben, orientieren. Es darf dann nicht schneller als 50 Stundenkilometer gefahren werden. „Je nach Sichtverhältnissen muss die Geschwindigkeit eventuell sogar noch weiter reduziert werden“, betont der Verkehrssicherheitsberater, der – angesprochen auf Kontrollen der Polizei – mitteilt, dass die „richtige Benutzung und Funktion der Beleuchtung“ im Rahmen des Streifendienstes mit überwacht werde.

„Dabei wird darauf geachtet, dass die Nebellichter nur eingeschaltet werden, wenn die Sichtverhältnisse es erlauben und dass die Beleuchtung eingeschaltet wird, wenn die Sichtbehinderung durch Nebel es erfordert.“ Stellen die Beamten häufiger Verstöße fest, werden stationäre Kontrollen durchgeführt, um Fahrzeugführer noch einmal über die gesetzlichen Vorschriften aufzuklären und gegebenenfalls auch ein Bußgeld zu erheben.

Apropos: Was passiert, wenn sich Autofahrer nicht an diese gesetzlichen Vorschriften halten? Wenn trotz Nebels das Licht am Fahrzeug nicht eingeschaltet wird, droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 60 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg. Werden der Nebelscheinwerfer oder die Nebelschlussleuchte eingeschaltet, obwohl kein Nebel herrscht, werden 20 Euro fällig.

Die härtesten Strafen sieht der Bußgeldkatalog für das Fahren bei dichtem Nebel mit zu hoher Geschwindigkeit vor. Wenn statt der erlaubten 50 Stundenkilometer 70 gefahren wird, liegt die Geldbuße bei 80 Euro. Noch teurer wird es, wenn bei einer Sicht von unter 50 Metern die Geschwindigkeit 100 Stundenkilometer beträgt. Dann erwartet den Autofahrer ein Bußgeld von bis zu 280 Euro und ein Fahrverbot von einem Monat. Zusätzlich werden drei Punkte in der Verkehrssünderdatei eingetragen.

Es hat schon seinen Grund, warum Bürger angehalten sind, die Regeln der Straßenverkehrsordnung einzuhalten. „Zu viel Beleuchtung an einem Fahrzeug führt zu einer Reizüberflutung der Verkehrsteilnehmer“, gibt Steinke zu verstehen. Daher sei es eben angebracht, dass das Nebellicht nur eingeschaltet wird, wenn es die Sichtbehinderung durch Nebel erfordert.

„Gerade das starke Licht der Nebelschlussleuchte blendet unter Umständen den nachfolgenden Fahrzeugverkehr sehr stark. Das führt zu Sichtbehinderungen, einem Nachlassen der Konzentration und zu einer schnelleren Ermüdung. Zum Teil kann man dieses durch einen ausreichend großen Abstand kompensieren“, empfiehlt der Verkehrssicherheitsberater.

Neben Nebel, der – wie im landwirtschaftlich geprägten Landkreis Rotenburg – am schnellsten in der Nähe von Wiesen und Feldern entsteht und von dort bei schwachem Wind auf die Fahrbahnen treibt, bekommen es Autofahrer stellenweise auch mit Herbstlaub zu tun. Was ist dabei zu beachten? Generell gilt, die Geschwindigkeit den – zu erwartenden – Witterungsverhältnissen anzupassen. Die Griffigkeit der Straßen sei aufgrund der Feuchtigkeit oft schlecht, Laub auf der Fahrbahn verschlimmere dieses noch, führt Steinke aus. „Die Bremswege werden länger, Hindernisse erkennt man bei Nebel erst sehr spät. Sehr gut orientieren kann sich der Autofahrer an den Leitpfosten und am Mittelstreifen. Wenn sich die Sichtverhältnisse bessern oder es längere nebelfreie Abschnitte gibt, muss unbedingt die Nebelschlussleuchte ausgeschaltet werden.“

Für eine gute Sicht sollten die Scheinwerfer und Rückleuchten regelmäßig gereinigt werden. Auch geparkte Fahrzeuge sollten bei Nebel ausreichend beleuchtet sein. „Das Überholen bei Nebel verbietet sich von selbst“, so der Verkehrssicherheitsberater.

zz

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