Redakteur vs. Leser: Stoff- oder Plastikwindel – das ist hier die Frage

Schief gewickelt

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Auf die Plätze, fertig, wickeln! Redakteurin Elisabeth Stockinger (r.) gegen Hebamme Antje Jäger. Oder: Schwangere gegen die bereits dreifache Mutter.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Windeln: klassisch aus Stoff oder lieber modernes Plastik? Baumwolle oder Klebestreifen? An dieser Frage scheiden sich manche Hebammengeister, auch Mütter haben ihre ganz eigenen Meinungen zu dem Thema. Eine, die ihre drei Kinder von Anfang an nur mit Stoffwindeln gewickelt hat, ist Antje Jäger aus Rotenburg. Elisabeth Stockinger, Kreiszeitung-Redakteurin und werdende Mutter, hat die seit 34 Jahren praktizierende Hebamme im Wettwickeln herausgefordert.

Ob Stoff- oder Plastikwindeln: Die Frage stellte sich mir ehrlich gesagt vor dem Termin mit Antje Jäger gar nicht. In der heutigen Zeit sind Mütter, die ihren Kindern mit Mull- oder Moltontüchern den Po wickeln, gefühlt so häufig wie Babys, die von Geburt an durchschlafen. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand, wie die Hebamme erzählt: „Für ein Kind ist das Gefühl von Stoff auf der Haut viel schöner als das von diesen Klebestreifen.“ Gerade im Sommer könne es in der Plastikwindel für Babys Popo unerträglich heiß werden. „Stoffwindeln sind angenehm kühl.“ Und: Das Risiko von Krankheiten, von Pilzinfektionen beispielsweise, sei weitaus geringer.

Soweit die Vorteile. Doch wie sieht es mit der Handhabung aus? Können auch zwei ungelernte Hände – also meine – die Stoffwindel-Wickeltechnik schnell erlernen? Wir machen den Test. Das Ziel: dem Baby, in diesem Fall der Puppe, so schnell – natürlich auch so behutsam – wie möglich eine Stoffwindel anzulegen. Überziehhöschen drüber, Body, Strampelsack und Pullover anziehen. Fertig. Die Schnellste gewinnt.

Ich darf ein Mal üben, und dann geht es auch schon los. Unter den interessierten Augen der Teilnehmerinnen des Geburtsvorbereitungskurses wickeln wir um die Wette. Ich merke schon nach wenigen Sekunden, dass ich hinter Jäger zurückliege. Bei der Hebamme sieht es so leicht aus, mit geübten Händen faltet und dreht und wendet sie, als würde sie täglich eine ganze Krippengruppe wickeln.

Ich hingegen „kämpfe“ mit der Puppe, pardon: mit dem Baby. Wie ging das nochmal mit dem Dreieck falten und dem Umschlagen? Die Arme und Beine des „Babys“ sind überall im Weg. Und dann diese zahlreichen Druckknöpfe und die winzigen Öffnungen für die Gliedmaße. Uff! Wie wird das erst mit einem echten Säugling, der strampelt und quengelt, sich herumrollt, vielleicht auch gerade Pippi macht? Irgendwie geht es dann doch, am Ende hat mein „Baby“ die Windel und die Kleidung an. Krumm und schief zwar, aber alles hält. Zehn Sekunden trennen mich am Ende vom ersten Platz. Ich gebe mich geschlagen, gegen die Hebamme und dreifache Mama natürlich herzlich gern.

Aber ins Grübeln hat Antje Jäger mich gebracht: Sind Stoffwindeln doch eine ernsthafte Alternative zu Pampers & Co.? „Auf jeden Fall“, sagt die 55-Jährige. Allein aus finanzieller Sicht lohne sich die Anschaffung. 30 Stoffwindeln bräuchte man in etwa, mindestens zwei Überziehhosen, eventuell Windeleinlagen, wenn doch mal mehr ins Höschen geht. Aber dabei handele es sich um eine langfristige Investition. „Gerade, wenn man mehrere Kinder will, lohnt sich das immens. Denn die Stofftücher halten ewig.“ Übrigens ebenso wie Plastikwindeln: Bis diese von der Natur zersetzt würden, dauere es „hunderte von Jahren“. „Was sich über die Jahre an Müll anhäuft: Für die Deponien ist das ein Drama“, sagt Jäger.

Noch einen entscheidenden Vorteil von Stoffwindeln gibt sie mir am Ende auf den Weg: Das Baby werde „breit gewickelt“, die Oberschenkel des Kindes stünden weiter auseinander – aus orthopädischer Hinsicht immens wichtig, Hüftproblemen werde auf die Art vorgebeugt.

Zwar liegen bei mir zuhause bereits die ersten Windelpakete herum, aber über die Anschaffung von Stoffwindeln werde ich noch einmal ernsthaft nachdenken. Denn weich und flauschig sind die Tücher auf jeden Fall. Das gefällt Babys Po bestimmt.

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