Bundestagswahl: Schwaches Ergebnis für Freie Wähler

Scheunemann schafft‘s auch im dritten Anlauf nicht

Zwischendurch: ein bisschen Politik.
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Zwischendurch: ein bisschen Politik.

Vor dem Eingang zu den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg ist nicht viel los. Günter Scheunemann, zum dritten Mal Bundestagskandidat der Freien Wähler, trifft auf dem Weg ins Wahllokal zwei Bekannte. Man begrüßt sich nett, schnackt miteinander. Um kurz vor 11 Uhr dann gibt Scheunemann seine beiden Stimmen ab. Wir begleiten ihn am Wahltag.

Rotenburg – „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich in den Bundestag komme, ist gering“, sagt Günter Scheunemann. Sein Trost: Zwei Wochen zuvor hat er es bei der Kommunalwahl erstmals geschafft, in den Stadtrat sowie in den Kreistag einzuziehen. Jetzt noch einmal seinen Namen auf dem Stimmzettel für den Bundestag zu sehen, „macht mich stolz“. Seit 7.30 Uhr ist Scheunemann an diesem Sonntagmorgen schon auf den Beinen. Frühstück, Katze füttern, ein paar Handgriffe im Haushalt. „Dann habe ich die Zeitungen gelesen und mich mit den Unterlagen für die nächste Sitzung des Planungsauschusses beschäftigt“, sagt der Mann mit dem markanten Schnauzbart. Er ist beratendes Mitglied. Zu verdanken hat er das der CDU. „Die kennen mich.“

Als einer von sieben Kandidaten das Direktmandat im Wahlkreis „Rotenburg I – Heidekreis“ zu ergattern, erscheint auch Scheunemann aussichtslos. „Mir geht es darum, Stimmen für die Freien Wähler zu holen.“ Das Ziel ist der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. So wie Scheunemann machen es mehr als 270 andere Freie Wähler in ganz Deutschland. Der Rotenburger Kandidat: „Da ist was im Busch.“ Er gibt sich zuversichtlich – bis zum Schluss.

Günter Scheunemann macht sich um kurz vor 11 Uhr auf den Weg zur Stimmabgabe in den Berufsbildenden Schulen.

Nach der Stimmenabgabe sitzt er zu Hause, schnappt sich die Unterlagen und befasst sich intensiv mit der bevorstehenden Ausschusssitzung am 5. Oktober. Zwischendurch kümmert er sich ein wenig um Kater Layton.

Nachmittags gibt’s erst mal Kaffee.

Gegen 15 Uhr nutzt der 67-Jährige das herrliche Spätsommerwetter für einen Spaziergang am Bullensee. Ganz so, wie viele andere Rotenburger auch. Zu sehen, wie sie das Areal nutzen, lässt bei Scheunemann Freude aufkommen. „Den Bullensee kenne ich seit meiner Kindheit. Er liegt mir sehr am Herzen.“ Am neuen Pavillon angekommen, kann sich der Kommunalpolitiker eine klare Kritik nicht verkneifen. Er wollte darin auch einen Raum für Vereine schaffen. „Lotte“ aber ist Geschichte. „Das Potenzial hier am Bullensee wird nicht genutzt“, sagt er. Und dann spricht er wieder über seine Kandidatur unter erschwerten Bedingungen: „Als Kreisvorsitzender musste ich mich um alles kümmern – und dann auch noch Wahlkampf machen.“

Am Nachmittag: Scheunemann spaziert am Bullensee.

Viel Zeit hatte er dafür nicht. Und der Kreisverband hat gerade einmal 20 Mitglieder. Dennoch ist er sich sicher, dass die Zahlen für die Freien Wähler diesmal höher liegen als vor vier Jahren. „Wir wachsen, wir werden lauter, wir haben das Laufen gelernt in der Politik.“ Noch zweieinhalb Stunden, dann kommt die erste Hochrechnung. „Aufgeregt bin ich nicht, aber natürlich sehr gespannt.“ Der pensionierte Feuerwehrmann hat sich mit Parteifreunden in Mulmshorn verabredet. Sie wollen gemeinsam die Bekanntgabe der Ergebnisse verfolgen.

Scheunemann mit Kater

Der Spaziergang endet, und Scheunemann fährt noch einmal nach Hause. Kaffee und Kuchen – eine kleine Stärkung, ehe er sich auf den Weg nach Mulmshorn macht, wohin Ingo Lesch eingeladen hat. Der Mann, der diesmal den Einzug in den Ortsrat verpasst hat. Dabei ist auch Jessica Fleischer, die den Sprung in Kreistag und Stadtrat verfehlte. „Wir haben eine andere Sichtweise, wir zeigen das ganze Gebilde an Problemen und Aufgaben in und für die Politik“, erklärt Scheunemann zwischendurch. Er hat auf den Ausflug mit Frau und Tochter in den Vogelpark Walsrode verzichtet – auch, weil die Politik in seinem Leben einen großen Stellenwert hat. Das wird deutlich, wenn er mit Freunden, Nachbarn und den Menschen am Info-Stand in der Innenstadt spricht. „Sie sind sehr interessiert.“

Abends: Die Freien Wähler fiebern vorm Fernseher mit.

„Unsere Werte gehen immer mehr verloren. Es geht um die vielen Menschen, die von Hartz IV leben, um Kinderarmut, um die Rente.“ Scheunemann und Lesch wollen weiter am Ball bleiben – so oder so, sagen sie, nachdem die erste Hochrechnung über den Fernseher geflimmert ist. Lesch: „Wer aufgibt, hat schon verloren.“ Scheunemann, Lesch und Fleischer vermissen Hinweise auf die Ergebnisse der Freien Wähler – die stecken unter „Andere“. Später steht für Scheunemann fest: Mit 2,2 Prozent hat er das schlechteste Ergebnis der sieben Direktkandidaten im Wahlkreis eingefahren. Seine Zuversicht bestätigt sich am Ende nicht. Der 67-Jährige: „Ich nehme das Ergebnis wohlwollend auf. Mit bescheidenen Mitteln haben wir alles gegeben.“

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