Scheeßeler Landwirte beteiligen sich mit Aktion an Protest gegen Kundgebungen in Berlin

Eine Demo gegen die Demo

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Infos für die Demonstranten: Organisator Christian Intemann (r.) mit Roland Meyer vom Nabu im Gespräch.

Scheeßel - Samstagmorgen, 6.30 Uhr. Auf dem Parkplatz eines großen Discounters stehen zwei Trecker mit laufenden Motoren, dazwischen ein Banner mit dem Slogan: „Frag doch mal den Landwirt“. Ein gutes Dutzend Landwirte hat sich eingefunden, um den Bus abzupassen, den Rotenburger Umweltgruppen BUND, Nabu, Bündnis für Artgerechte Tierhaltung und Sambucus gechartert haben, um im Vorfeld zur Grünen Woche in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt“ gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren.

Diesem Slogan setzen an diesem Tag Landwirte bundesweit mit dezentralen Aktionen unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ entgegen, unter anderem in Göttingen, Osterholz, Nienburg oder am Bremer Roland. Und in Scheeßel. Die rund 15 Teilnehmer der spontanen Kundgebung hier wollen ein Zeichen setzen, erklärt der federführende Organisator Christian Intemann aus Bothel.

Was die Landwirte stört: „Dieses diffuse Bündnis nimmt für sich in Anspruch, für die Landwirte zu sprechen – dabei ist das nur eine Minderheit und es sind kaum Landwirte dabei. Die Mehrheit sind wir!“, erklärt Heiner Meyer aus Stemmen. Wie viele hier wünscht er sich, jenseits des öffentlichkeitswirksamen Signals, das die heutige Aktion setzen soll, einen Dialog: „Die sollen mit uns reden, nicht über uns!“

Diesen Vorwurf will Roland Meyer vom Nabu Rotenburg nicht gelten lassen: „Die Verbände sind sehr wohl im Gespräch!“, erklärt er.

Dass es zu einem ernsthaften Dialog kommt in den wenigen Minuten, die der Bus vor der Weiterfahrt zur Demonstration nach Berlin in Scheeßel hält, erwartet wohl keiner der Beteiligten. Immerhin: Als einige der Landwirte im Bus Äpfel und Flyer an das Dutzend Berlin-Fahrer verteilen, kommt es zum Austausch: „Wir essen auch Fleisch von regionalen Betrieben, aber eben artgerecht, und wenden uns gegen Massentierhaltung!“, meint Bernd Braumüller aus Griemshop. „Was ist für Sie Massentierhaltung, was artgerecht?“, will Hilmer Vajen wissen. Wie viele hier fühlt er sich zu Unrecht in der Öffentlichkeit verunglimpft: „Als Landwirte werden wir wie Verbrecher unter Generalverdacht gestellt. Wir halten uns an die Gesetzte!“, macht Vajen seinem Unmut Luft.

Genau das scheint der Knackpunkt: Um deren Infragestellung und Neudefinition wird es bei den Kundgebungen in Berlin gehen, in ein paar Stunden. Dann werden Vajen, Intelmann und all die anderen schon längst wieder im Stall stehen.

hey

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