Schutz gefährdeter Arten

Borcheler Sandgrube wird zum Biotop

Um den Lebensraum in der Borcheler Sandgrube weiter aufzuwerten, stellt die Eigentümerin, die Stadt Rotenburg, der Nabu-Station Oste-Region das Gelände zur Verfügung.
+
Um den Lebensraum in der Borcheler Sandgrube weiter aufzuwerten, stellt die Eigentümerin, die Stadt Rotenburg, der Nabu-Station Oste-Region das Gelände zur Verfügung.

Rotenburg – Seit vielen Jahren wird in Borchel Sand abgebaut. Landwirte aus dem Ort können an die etwa vier Hektar große Grube fahren und das Material für die Wegeunterhaltung holen. Denn durch die moorige Gegend sackt der Boden oft ab. Gerade in den vergangenen, sehr trockenen Jahren sei das Moor stark gesackt, weiß Ortsvorsteher Uwe Ehlbeck. Doch nicht mehr alle Bereiche der Grube können für den Sandabbau genutzt werden.

Einen solchen Teil möchte jetzt die Ökologische Nabu-Station Oste-Region aufwerten und die dort über die Jahre entstandene „Sekundärlandschaft“ zu einer wertvollen Fläche für den Artenschutz entwickeln. Der Umweltschutzausschuss der Stadt hat dafür in seiner jüngsten Sitzung bereits grünes Licht gegeben.

Voraussetzung ist allerdings, dass die dortige Wasserentnahmestelle weiterhin für die Ortsfeuerwehr zugänglich bleibt. Längere Zeit war das Stillgewässer für die Kameraden aber gar nicht anfahrbar, durch Büsche und Sträucher zugewachsen, sagt Ortsbrandmeister Tobias Brase. Dabei ist die Quelle in den Feuerwehreinsatzplänen als Entnahmestelle eingetragen. „Dann müssen wir da auch rankommen können“, erklärt Brase. Das geht mittlerweile theoretisch zwar wieder, da die Stadt den Weg freigeschnitten hat. Durch die Schneise kommt allerdings noch kein Feuerwehrfahrzeug. Noch besteht die Gefahr, im Boden stecken zu bleiben. Dazu muss der Weg noch geschottert werden, was als Nächstes aber erledigt werden soll.

Der Entnahmepunkt ist für die Borcheler Einsatzkräfte ein wichtiger: „Auf dem Moor sind wir nicht so mit Wasser gesegnet“, erklärt der Brandmeister. Auf dem Dorf ist das Hydrantennetz nicht so stark ausgebaut wie in der Stadt. „Von daher ist das super für den Brandschutz, dass wir auf die Quelle zurückgreifen können.“

Bleibt gegeben, dass die Feuerwehrleute jederzeit an das Gewässer kommen, spricht auch aus Sicht des Ortsvorstehers nichts gegen die Pläne des Nabu – denn die Stadt akzeptiert mit der Lebensraumaufwertung für Amphibien und Pflanzen auch, dass das Biotop für mindestens 20 Jahre erhalten wird. Attraktivere Nutzungsalternativen seien derzeit nicht absehbar, sagt Oliver Klein aus dem städtischen Bauamt. So soll auch durch das Projekt unter anderem verhindert werden, dass es zum brachliegenden Gelände verkommt und damit dort illegal Müll abgeladen wird. Und wenn sich jemand um das Gebiet kümmert, verhindert das auch das Ausbreiten invasiver Arten.

Die Entnahmestelle ist in den Feuerwehrplänen eingetragen. Dann müssen wir da auch rankommen können.

Ortsbrandmeister Tobias Brase

Geplant ist eine ökologische Aufwertung sowie die Neuanlage von Biotopen. Auf der Fläche leben sowohl Pflanzen- als auch Tierarten, die auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen oder anderweitig schützenswert sind, weil sie auf Sandlebensräume angewiesen sind. Außerdem haben sich in der Sandgrube bereits wertvolle Arten wie Knoblauch- und Kreuzkröte oder Zauneidechsen angesiedelt, erklärt Klein.

Würden keine Maßnahmen ergriffen, könnte ein wesentlicher Teil der gefährdeten Arten auf Dauer zurückgedrängt werden. Wird aber das Gelände optimiert, kann diese Entwicklung nicht nur gestoppt, sondern vermutlich sogar umgekehrt werden.

Durch die Einbindung in das von der Bingo-Umweltstiftung und dem Land Niedersachsen geförderte Projekt „Rotenburger Sandhelden“ sei das Projekt für die Stadt zudem völlig kostenneutral, so Klein. In den ersten Jahren übernimmt die Pflege des Geländes die Oste-Region. Im Rahmen dessen soll der Datenbestand über die Vorkommen überprüft und aktualisiert werden.

Der großflächige Sandabbau wurde in Borchel weitgehend eingestellt. Lediglich in einem Teil im Osten der Grube wird er zur Ausbesserung der Feldwege abgebaut. In der Grube können nach aktuellem Stand noch etwa 70 000 Kubikmeter abgebaut werden. Viel ist das nicht, meint Ortsvorsteher Ehlbeck. Denn wie lange die Menge noch ausreicht, hängt davon ab, wie viel in den kommenden Jahren gebraucht wird. Nimmt die Trockenheit in den Sommermonaten noch weiter zu, wird auch mehr Sand abgebaut werden müssen. Außerdem müssen die Borcheler beim Abbau 60 Zentimeter über dem Grundwasserspiegel bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre
Schwere Technik im Finteler Freibad: Schwallwasserbehälter landet im Erdreich

Schwere Technik im Finteler Freibad: Schwallwasserbehälter landet im Erdreich

Schwere Technik im Finteler Freibad: Schwallwasserbehälter landet im Erdreich
Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept

Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept

Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept
Theatergruppe „Rollentausch“ probt neues Stück

Theatergruppe „Rollentausch“ probt neues Stück

Theatergruppe „Rollentausch“ probt neues Stück

Kommentare