Salz in die Augen geschüttet

Prozess gegen 23-Jährigen wegen schweren Raubs beginnt schleppend

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Das Landgericht in Verden

Rotenburg/Verden - Von Wiebke Bruns. Schwierig gestaltete sich am Mittwoch der Start eines Prozesses am Landgericht Verden, in dem es um eine als schwerer Raub angeklagte Tat in einer Obdachlosen-/Flüchtlingsunterkunft in Rotenburg geht. Der 23 Jahre alte Angeklagte soll am 20. März 2017 einem anderen Bewohner Salz in die Augen gekippt und ihm dann Geld und ein I-Phone geraubt haben. Insbesondere die Frage der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten nahm viel Zeit in Anspruch.

„Mein Mandant macht einen geistig eingeschränkten Eindruck, er antwortet zögerlich, kurz und sprachlich undeutlich. Der Bewegungsablauf ist stark verlangsamt“, fasste Verteidiger Jochen Zersin zusammen. Der Angeklagte saß fast immer mit offenen Mund da und gähnte wiederkehrend. Der Verteidiger beantragte schließlich die Unterbrechung der Hauptverhandlung. Bis dahin war lediglich die Anklageschrift verlesen und von einem psychiatrischen Sachverständigen in der Justizvollzugsanstalt Sehnde nachgefragt worden, was man dem Angeklagten gegeben hat: ein Medikament zur Behandlung von Psychosen. Jedoch in einer so geringen Dosierung, dass keine Nebenwirkungen zu erwarten seien, so der Sachverständige. Auch nicht in Verbindung mit einem Neuroleptikum, welches als Depot-Präparat zur Dämpfung aggressiver Impulse verabreicht worden sei.

64-jähriges Opfer gewürgt

„Ich finde ihn nicht so schlecht, nur sehr langsam“, so der Vorsitzende und sah wie der Sachverständige eine Verhandlungsfähigkeit als gegeben. „In dem Zustand wird sich mein Mandant nicht einlassen“, betonte Zersin. Vielleicht am zweiten Verhandlungstag, der am Donnerstag, 31. August, folgt. „Dann muss aber sichergestellt sein, dass er drogenfrei ist“, merkte der Verteidiger an.

Am 20. März 2017 war der Angeklagte offenbar deutlich fitter. Er lebte, genauso wie das Opfer in dem Wohnheim. Laut Anklageschrift klopfte der 23-Jährige bei dem Opfer an und schüttete diesem nach dem Öffnen unvermittelt Speisesalz in die Augen. Dann soll er den 64-Jährigen ins Zimmer gedrängt, die Tür verschlossen und das Opfer gewürgt haben. Von einem gefundenen I-Phone habe er den Pin-Code gefordert.

Opfer litt unter starker Angst

Der Geschädigte, der seit etwa zehn Jahren in dem Wohnheim lebt, berichtete, dass der Angeklagte „hochgradig aggressiv“ gewesen sei. Er habe etwas vom Tisch genommen – eine Schere oder einen Kugelschreiber – und es ihm an den Hals gehalten. Daraufhin habe er den Code in das Handy eingetippt. Der Angeklagte habe weiter seine Sachen durchstöbert und Geld geraubt. Laut Anklage rund 40 Euro.

Dann sei der ihm schon vorher als Mitbewohner bekannte 23-Jährige „abgezischt“. „Jeder 100-Meter-Läufer hätte da geguckt. Wie ein geölter Blitz ist er die Treppe runter.“ Einen Arzt brauchte das Opfer nicht und sprach von Lappalien, aber Angst habe er gehabt. Schon vorher habe er den Angeklagten lieber nur von hinten gesehen.

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