Spenden für Äthiopien-Hilfe

Dänischer Chor begeistert in der Kirche Zum Guten Hirten

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Leiter Finn Pedersen hatte sich mit seinem 40-köpfigen Chor einiges vorgenommen für das Konzert in Rotenburg. Aber es gelang – und das zahlreich erschienene Publikum belohnte die dänischen Sängerknaben.

Rotenburg - Von Henrik Pröhl. Dass „Syngedrengene“ Sängerknaben heißt, erfährt man erst, wenn so ein konsequent männliches Ensemble aus Dänemark nach Rotenburg angereist kommt. Der Knabenchor mit seinem Chorleiter Finn Pedersen aus Assens ist auf Tournee durch Norddeutschland und machte am Dienstagabend auf Einladung des Rotary-Clubs Rotenburg Station in der Kreisstadt, um ein Konzert in der Kirche Zum Guten Hirten zu geben.

Es war ein Risiko, was den Publikumsbesuch anbelangt, schließlich sind Sommerferien. Aber alle Sorgen sind schnell verpufft, als sich die Kirche füllt, bis unten kein Platz mehr zu finden ist. Und so begrüßt Peter Dreyer, derzeitiger Präsident des Clubs, die vielen Zuhörer herzlich. Er bittet am Ausgang um Spenden, die der Äthiopien-Hilfe zugutekommen sollen.

Was sich dann abspult, ist ein Konzertprogramm, das es in sich hat. Finn Pedersen hat sich mit seinem 40-köpfigen Chor einiges vorgenommen. Den Anfang machen geistliche Werke aus der Renaissance, also Musik, die bereits bis zu 400 Jahre auf dem Papier hat. Da erklingen Werke von Hassler, Scarlatti und Byrd, der besonders zu Herzen geht. Pedersen muss den intonatorischen Spannungsbogen zwischen den Generationen seines Chores – die Jüngsten sind zehn, die ältesten Sänger über 30 Jahre alt – sehr im Ohr behalten.

Dann plötzlich ein Schnitt, Pedersen ergreift das Wort, erzählt von seiner Heimat und der Chorarbeit in Dänemark. Ganz selbstverständlich tut er das auf Deutsch. Am Rande erfährt man, dass in dänischen Schulen auch Deutsch auf dem Lehrplan steht. Dann macht der Chor einen gewaltigen Sprung um etwa 200 Jahre und singt Literatur moderner Romantik und der Gegenwart. Da tauchen Namen auf, die selbst dem Kenner von Chormusik völlig fremd sind. Oder hat jemand schon mal etwas von Niels la Court gehört? Der Mann wurde 1941 geboren und verlangt dem Sänger eine Menge ab, sind seine Klänge doch durchaus schräg und so indifferent, dass man sich fragt: Muss das so klingen? Es muss wohl, und zum Glück findet er sich zum Ende seines Laudate Dominum in harmonischem Gefüge wieder.

Dann wieder ein Schnitt, jetzt wird es weltlich-skandinavisch – eine Musik, die den Sängern offenbar in die Kehle gelegt ist. Die Jungs scheinen zu fühlen, was sie da singen. Naturbeschreibung in Tönen. Und wirklich geht es bei Poul Schierbeck um Sonnenschein, Oluf Ring vertont die weiße Nacht. Carl Nielsen, endlich ein Komponist, der einem wieder geläufig ist, spielt mit diesen Bildern in Moll und Dur, das ist geradezu anrührend und ohrwurmverdächtig. Mit der Nachtigall von Sven S. Schultz ist das Programm absolviert.

Weil das Publikum allzu herzlich klatscht, singt der Knabenchor aus Assens noch, so Finn Pedersen, „die heimliche Nationalhymne Dänemarks“, ein Vaterlandslied, das wieder Natur beschreibt und damit im angenehmen Sinne von Liebe zur Heimat singt. Chorleiter Pedersen singt die letzte Strophe selbst mit. Am Schluss heißt es von ihm: „Eine schöne Kirche.“ Später ruft er aus: „Brasilien soll Weltmeister werden.“ Wenn’s weiter nichts ist.

Übrigens: Das Rotenburger Publikum war spendabel, es kamen 1025,91 Euro für die Äthiopien-Hilfe zusammen. Da wurde der Gute Hirte Programm.

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