Sabine Rückert und Johanna Haberer bei der Niedersächsischen Tafelrunde

Weibliche Premiere

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Sabine Rückert (l.) und Johanna Haberer sprachen bei der Tafelrunde.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die 26. Auflage der „Niedersächsischen Tafelrunde“ am Donnerstagabend im Rotenburger Heimathaus war gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere.

Zum ersten Mal führte der neue Kuratoriumsvorsitzende Michael Schwekendiek durchs Programm, und in diesem standen zum ersten Mal zwei Frauen, dazu noch Schwestern, im Mittelpunkt: die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit, Sabine Rückert, und die Professorin für Christliche Publizistik, Johanna Haberer.

Verleger Dirk Ippen hatte kurzfristig abgesagt. So oblag es dann der Hauptrednerin Rückert, ohne den Gegenpol im sonst üblichen „Nachbarschaftlichen Grußwort“ den rund 160 überwiegend männlichen Gästen der Benefiz-Veranstaltung das übergeordneten Thema zur Gegenwart und Zukunft der Presse und der Zeitungen näher zu bringen. Das gelang allerdings nur stellenweise.

„Zeitunglesende Menschen sind seltener geworden“, hatte Schwekendiek zu Beginn der Tafelrunde seine Idee begründet – noch eine Premiere –, den Abend unter ein gemeinsames Motto zu stellen. Der Pastor im Ruhestand, selbst als freier Autor tätig, beobachte sehr interessiert, wie sich die Mediennutzung hin zum Smartphone und weg vom Papier hin ins Digitale vollziehe. Dabei spiele das Haus der Wochenzeitung aus Hamburg, in dem Rückert vor allem für die Titelgestaltung zuständig ist, eine Sonderrolle. Anders als viele andere Verlage verliere Die Zeit keine Auflage.

Warum das so ist? Rückert versuchte, mit ihrem gut einstündigen Vortrag Antworten zu finden, beschränkte sich jedoch weitgehend auf eine ziellose Produktpräsentation. Medientheoretische Diskurse, wie sie im Mittelpunkt stehen sollten, blieben in Ansätzen stecken. Rückerts entsprechendes Fazit: „Im Prinzip ist es ein Wunder, dass es uns noch gibt.“

Deutlich pointierter präsentierte sich zwischen Haupt- und Nachspeise die „große Schwester“ Haberer in der „Geistlichen Nachlese“. Die Professorin der Uni Erlangen-Nürnberg ging der Frage nach, wo und wie kirchliche Positionen in den Medien noch eine Rolle spielen. Ein Thema, dem sie sich eigentlich gar nicht mehr annehmen wollte, sagte sie – weil es sie seit ihren ersten Tagen in der Forschung und Praxis vor Jahrzehnten schon begleite. Haberer betonte, dass es keine Kanzel brauche, um christliche Werte als Leitbilder für die Gesellschaft zu verankern. Das verdeutliche zum Beispiel die Kanzlerin, die natürlich nie zugeben würde, dass das Pfarrhaus noch in ihr stecke.

Es wurde zwar viel geredet am Donnerstagabend, nicht zur Sprache kam im offiziellen Teil aber der Anlass der Tafelrunde. Einst gegründet zur Unterstützung des Rotenburger Heimatbundes, hat sie sich stets eines guten Zweckes angenommen. 4 440 Euro gingen im vergangenen Jahr an den Scheeßeler Heimatverein. Der Erlös 2016 soll dem Mitmach- und Erlebnisgarten am Hartmannshof zufließen.

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