„Kein Einvernehmen“: Gremium in Sachen Gnarrenburger Moor tagt zum letzten Mal

Runder Tisch mit Ecken

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Wie gestapelte Torfsoden liegen die Konfliktlinien weiter unverrückbar zwischen den Interessengruppen, die sich um die Zukunft des Gnarrenburger Moores positioniert haben.

Gnarrenburg - Von Thomas Schmidt. Am Montag hat der Runde Tisch zur Zukunft des Gnarrenburger Moores zum letzten Mal getagt. Hinter verschlossenen Türen sei es in den vergangenen drei Jahren oft hoch her gegangen, war von Teilnehmern zu hören. Auch in der letzten Sitzung konnte kein einvernehmliches Ergebnis erzielt werden.

Zu unversöhnlich stehen sich offenbar die am Tisch vertretenen Interessen der Lobbygruppen von Naturschutz, Torfindustrie, Landwirtschaft, die Vertreter der Gemeinde und der Bürgerinitiative gegenüber. Jetzt ist die Politik gefragt: Im August tagt der Kreisumweltausschuss, um über einen Entwurf der Kreisverwaltung für ein Moorkonzept zu beraten.

Bis August bleibt somit reichlich Zeit, befeuert vom langsam anlaufenden Kommunalwahlkampf, die unterschiedlichen Positionen der Interessengruppen in Stellung zu bringen. Voraussichtlich werden die Kreispolitiker dann auch über einen Entwurf der Kreisverwaltung zu entscheiden haben, der weiterhin Torfabbau vorsieht. Über das Ausmaß und die genaue Lage dieses „Vorrangebietes“ wollte der Erste Kreisrat Torsten Lühring auf Anfrage offiziell keine Angaben machen – doch handelt es sich dem Vernehmen nach um eine Fläche bei Augustendorf, die der Torfindustrie zu klein, den Gegnern des Torfabbaus aber noch immer viel zu groß erscheint.

Dass kein Einvernehmen über diesen Entwurf zu erzielen war, habe letztlich an der fehlenden Kompromissbereitschaft mehrerer Akteure am Runden Tisch gelegen, deutete Lühring indirekt auf Nachfrage an, ohne Namen zu nennen. Die rund 40 Vertreter am Runden Tisch hatten zu Beginn der Beratungen vor fast drei Jahren Nichtöffentlichkeit vereinbart – in der Hoffnung, offener miteinander reden zu können. Für eine einvernehmliche Lösung in Sachen Torfabbau mit anschließender Renaturierung reichte das Schweigegelübde offenbar dennoch nicht. Dass die vielen Sitzungen des Runden Tisches – und der dazu gehörigen Lenkungsgruppe – dennoch nicht „für die Katz“ waren, davon ist Lühring überzeugt. „Wir wissen jetzt mehr denn je über das Gnarrenburger Moor und seine Entwicklungsmöglichkeiten. Wir haben jetzt jede Menge Daten und Fakten.“ Außerdem verwies der Vertreter des Landrats darauf, dass aus dem Runden Tisch auch das Modellprojekt „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ hervorgegangen ist. Auch das sei erfreulich.

Großes Interesse am Modellprojekt

Wie berichtet, sollen in einem nach der EU-EFRE-Richtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ geförderten Modellprojekt in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Beratungsgrundlagen und Maßnahmen für eine zukunftsfähige, klima- und torfschonende Landwirtschaft im Gnarrenburger Moor entwickelt und umgesetzt werden.

Mit dem Modellprojekt, in dem es auch um extensive Bewirtschaftungsformen und neue Vermarktungsstrukturen für regionale Produkte gehen soll, verbinden Vertreter der Landwirtschaft und der „Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt unserer Moore und für die Zukunft unserer Dörfer“ große Hoffnungen. Auch Lühring signalisierte gestern, dass der Landkreis mit großem Interesse das Modellprojekt verfolgen werde.

Am liebsten wäre den BI-Vertretern gewesen, dass der Runde Tisch gewartet hätte, bis erste Ergebnisse des jetzt anlaufenden Modellprojektes vorliegen. Dafür sieht Lühring jedoch keine Möglichkeit: Denn sowohl das Regionale Raumordnungsprogramm des Kreises als auch das Landesraumordnungsprogramm müssten auf den Weg gebracht werden, so dass jetzt auch Aussagen über das Gnarrenburger Moores zu treffen seien und weitere Beratungen am Runden Tisch wenig sinnvoll erschienen, deutete Lühring an.

Jetzt ist die Politik gefragt – und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises, die über ein Planfestellungsverfahren in Sachen Torfwerk Sandbostel zu entscheiden hat.

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