Brandmeister vom Dienst koordiniert Einsätze in Rotenburg

Rund um die Uhr im Einsatz

Große Löscheinsätze sind für die Feuerwehren in Rotenburg eher eine Ausnahme. Deswegen soll ein Brandmeister vom Dienst dafür sorgen, dass Personal und Material gezielter eingesetzt wird.
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Große Löscheinsätze sind für die Feuerwehren in Rotenburg eher eine Ausnahme. Deswegen soll ein Brandmeister vom Dienst dafür sorgen, dass Personal und Material gezielter eingesetzt wird.

Rotenburg – Die Kreisstadt nähert sich den ersten hauptamtlichen Strukturen im Feuerwehrwesen. Der Rat der Stadt Rotenburg hat am Donnerstagabend einstimmig eine Satzungsänderung beschlossen, mit der erstmals rund um die Uhr ein sogenannter Brandmeister vom Dienst (BvD) in Alarmbereitschaft ist. Nach der öffentlichen Debatte um eine mögliche „Demotivation“ der rund 250 aktiven Feuerwehrleute in den fünf Wehren der Kreisstadt und fehlende Ausstattungen sind sich Politik, Verwaltung und auch Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch wieder absolut einig: „Es gibt kein böses Blut“, sagt Reinsch am Tag nach der Entscheidung.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) spricht von einem „Meilenstein für die Feuerwehr in Rotenburg.“ Reinsch ergänzt, dass der neue „BvD“ in erster Linie natürlich der Bevölkerung zugute komme, andererseits vor dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren rasant gestiegenen Einsatzzahlen für eine gewisse Entlastung beim Personal und Material sorge. Schon zu Beginn der Pandemiezeit sei die neu organisierte Bereitschaft getestet worden. Fazit: Wir können viel zielgerichteter alarmieren oder auch auch Kameraden abbestellen.“

Konkret sieht die Aufgabe vor, dass der „BvD“ über 24 Stunden hinweg in Rotenburg in Alarmbereitschaft ist. Das kann zuhause sein oder an der Arbeitsstelle, wo man allerdings umgehend abkömmlich sein muss. „Zu Dodenhof zum Einkaufen fährt in dieser Zeit niemand“, verdeutlicht Reinsch die Planung, die persönlich zu großen Einschränkungen führe. Der „BvD“ werde dann dort alarmiert und fahre direkt zum Einsatzort. Eine Analyse habe eine Zeitersparnis von im Schnitt vier Minuten ergeben. Die nutze der „BvD“ dazu, das Geschehen einzuschätzen: Wer muss tatsächlich ausrücken? Welches Material wird benötigt? Muss Verstärkung gerufen werden? Reinsch betont, dass es vor allem um „nicht kritische Einsätze“ geht. Trifft derzeit der Notruf „Wasser im Keller“ oder „Ast droht zu fallen“ ein, muss die Feuerwehr mitunter mit größerer Mannschaft ausrücken – auch wenn sich der eigentliche Einsatz mehr oder weniger als Lappalie erweise. Andererseits habe der Testlauf im Frühjahr auch genau das Gegenteil bewiesen. Als der „BvD“ bei einem Carport-Brand vor dem Löschfahrzeug eintraf, sei umgehend klar gewesen: Hier braucht es mehr Einsatzkräfte. „Weil wir da so schnell waren, konnte das angrenzende Wohnhaus gerettet werden“, sagt der Stadtbrandmeister.

Aus einem Pool von derzeit neun Kameraden werde der Dienst des „BvD“ bestückt. „Das wird auf Dauer aber nicht reichen“, so Reinsch. „Massiv“ werde in die Nachschulung weiterer Feuerwehrleute investiert, damit diese nach einem Zugführerlehrgang ebenfalls in die Bereitschaft aufgenommen werden können. Schaffe man das aber personell nicht, weiß auch Reinsch, dass langfristig für die Kreisstadt kein Weg mehr an wirklichen hauptamtlichen Strukturen im Feuerwehrwesen vorbei führt. Größere Diskussionen blieben im Rat zum Thema aus, gelobt wurde die Feuerwehr von allen Seiten. Wohlwissend, dass mit dem „BvD“ auch eine günstige Lösung gefunden worden ist. Die Entschädigung für einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst legt die Stadt auf 51 Euro fest. Hinzu kommt noch ein für den Notdienst ausgestattetes Fahrzeug, das aus nicht abgerufenen Mitteln der neuen Drehleiter finanziert wird – rund 40 000 Euro.

Dass das Thema der Rotenburger Feuerwehr nun politisch stark in den Fokus gerückt ist, freut den Stadtbrandmeister. Ob allerdings auch ein eigener Feuerwehrausschuss des Stadtrats wie von CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Holle gefordert notwendig ist, kommentiert er zurückhaltend. Gerne beteilige er sich dann an strategischen Ausrichtungen. Aber, so Reinsch: Die Freiwillige Feuerwehr müsse ihre finanzielle Entscheidungsfreiheit in weiten Teilen behalten: „Wir müssen politisch nicht über jeden neuen Handschuh und jeden Schlauch diskutieren.“

256 Feuerwehrleute

248 aktive Feuerwehrleute zählten die fünf Freiwilligen Wehren der Kreisstadt aktuell in Rotenburg, Waffensen, Unterstedt, Mulmshorn und Borchel Ende 2019 – 220 Männer und 28 Frauen. Mittlerweile listet die Stadtverwaltung mit Stand 6. Oktober 256 Mitglieder auf. Die kleinste Feuerwehr ist die in Borchel mit 31 Aktiven, die größte die in der Kernstadt mit 88. Hinzu kommen 30 Nachwuchskräfte in den Jugendabteilungen von Rotenburg und Mulmshorn sowie 19 in der Kinderabteilung. Die Zahl der Einsätze insgesamt lag 2017 bei 296, davon 115 bei Bränden und 181 Hilfeleistungen. 2019 war die Zahl auf 175 Brandeinsätze und 114 Hilfeleistungen gestiegen. Bis Oktober sind die Wehren 2020 zu 105 Bränden und 101 Hilfeleistungen ausgerückt.  mk

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