Rund 230 Evangelische Geistliche kommen zum Generalkonvent zusammen

Guter Kontakt zum Pastor fördert Bindung zur Kirche

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Referent Christian Stäblein (v.l.), Landesbischof Ralf Meister, Landessuperintendent Hans Christian Brandy, Referent Gerhard Wegner sowie Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident der Landeskirche.

Rotenburg - Bereits zum dritten Mal haben sich gestern die evangelischen Geistlichen im Elbe-Weser-Raum zum Generalkonvent in Rotenburg getroffen. Unter dem Titel „Auf die Pastorin und den Pastor kommt es an?“ tagten die rund 230 Teilnehmer im Haus Niedersachsen der Rotenburger Werke.

Dass die Geistlichen bereits zum dritten Mal nacheinander in Rotenburg zusammengekommen waren, hat einen guten Grund. „Wir finden hier eine wunderbare Logistik vor“, erklärte Pressesprecherin Sonja Domröse im Gespräch mit der Kreiszeitung. Sie lobte besonders die schöne Kirche, die Räumlichkeiten, die sich gut für Workshops eigneten, und die Versorgung durch die Rotenburger Werke. Domröse: „Wir werden immer gastfreundlich aufgenommen.“ Der Kirchenkreis hatte auch den Abendmahlgottesdienst in der Stadtkirche vorbereitet, bei dem Landessuperintendent Hans Christian Brandy die Predigt hielt. Im Anschluss trafen sich die Anwesenden im Haus Niedersachsen und setzten sich in Vorträgen und der Diskussion zum Beispiel mit diesen Fragen auseinander: „Welche Bedeutung hat das Pfarramt für die Bindung der Gemeindeglieder? Woran macht sich Kirchenzugehörigkeit fest?“

Ein guter Kontakt zum Gemeindepastor ist Studien zufolge zentral für eine positive Beziehung zur evangelischen Kirche. Eine lokale kirchlich-religiöse Praxis sei stabil, wenn es persönliche Begegnungen gebe, sagte Gerhard Wegner, Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Er bezog sich auf Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung zur Kirchenmitgliedschaft, für die das Emnid-Institut Ende 2012 insgesamt 2016 Protestanten und 1011 Konfessionslose befragt hatte. Die Einstellung, man bleibe in der Kirche, weil das schon immer so gewesen sei, spiele dagegen kaum noch eine Rolle. „Früher musste man begründen, warum man austritt, heute ist es umgekehrt“, erklärte er. Neben dem Kontakt zum Pastor stabilisiere zum Beispiel eine religiöse Erziehung in den Familien und das soziale Engagement der Kirchen die Mitgliedschaft.

In einer Diskussion bestätigte Gemeindepastorin Anna Henken aus der Wingst, Gemeindearbeit sei vor allem Beziehungsarbeit. Ihr Kollege Björn Beißner aus Hambergen ergänzte, Pastoren müssten Persönlichkeiten „zum Anfassen“ sein. Der Untersuchung zufolge verliert die evangelische Kirche von Generation zu Generation an Bedeutung – selbst bei den eigenen Mitgliedern. Nach den Ergebnissen sinke nicht nur die Zahl der Kirchenmitglieder kontinuierlich. Es wachse auch die Gruppe derjenigen Menschen, die zwar der Kirche angehören, sich ihr aber kaum oder gar nicht verbunden fühlen.

Wegner erwähnte zudem eine Umfrage unter Pastoren, bei der die größten Stressfaktoren abgefragt wurden. Demnach hätten die meisten Geistlichen angegeben, dass die Arbeitsverdichtung sowie die Erwartungen aus der Gemeinde am stressigsten seien. Dabei könne gerade Letzteres positiv sein, denn mit diesen Erwartungen könnten die Pastoren auch arbeiten und dem Rückgang im Kontakt zur Gemeinde entgegen wirken, so Wegner. Er mahnte: „Wir laufen vor unseren eigenen Leuten weg.“ So war die Diskussion nicht für jeden zufrieden-stellend. So fasste Brandy mit einem Zitat von Berthold Brecht zusammen: „Und abermals sehen wir betroffen: Vorhang geschlossen, alle Fragen offen.“

iq/epd

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