Rüdiger Wiegand: Seit 50 Jahren im Büro der Kanzlei Rinck

Das passte einfach

Rüdiger Wiegand wird sich am Jahresende aus der Kanzlei Rinck verabschieden. Heiko Müller (l.) und Lutz Hammermeister werden das bedauern.
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Rüdiger Wiegand wird sich am Jahresende aus der Kanzlei Rinck verabschieden. Heiko Müller (l.) und Lutz Hammermeister werden das bedauern.

Rotenburg – Auf seinem Schreibtisch steht eine Olympia-Schreibmaschine, gleich daneben ein graues Telefon mit Wählscheibe. Es sind Relikte aus einer Zeit, in der die Büros in Deutschland noch ganz anders ausgesehen haben. Rüdiger Wiegand ist Zeitzeuge dieser Entwicklung, die zuletzt rasante Züge angenommen hat. Seit 50 Jahren ist er als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter in der Rotenburger Kanzlei Rinck beschäftigt.

Mit dem Realschulabschluss in der Tasche hat der heute 67-Jährige am 1. Oktober 1971 seine Ausbildung in eben dieser Kanzlei begonnen. Heute feiert er also Jubiläum – und zwar eines, das in doppelter Hinsicht ganz besonders ist: Einerseits ist es eine nicht mehr übliche Leistung, 50 Jahre im Beruf unterwegs zu sein, andererseits hat er nicht einmal den Arbeitgeber gewechselt. Beides beeindruckt seine beiden Chefs – die Anwälte und Notare Lutz Hammermeister sowie Heiko Müller. „Unglaublich, oder?“, schwärmt Lutz Hammermeister.

Es muss einfach alles passen, und es passte.

Jubilar Rüdiger Wiegand

Als Rüdiger Wiegand im zarten Alter von 17 Jahren das erste Mal an seinem Schreibtisch Platz genommen hat, gab es nur einen Chef: Heinrich Wilhelm Rinck. Die Ausbildung hat dem jungen Mann auf Anhieb gefallen – so gut, dass er 50 Jahre geblieben ist. Aber wie geht das? „Es muss einfach alles passen, und es passte.“ Es habe immer auch Phasen gegeben, in denen er sich selbst hinterfragt habe, sagt Wiegand, aber er sei dann eben geblieben. Bereut habe er es auf keinen Fall.

So etwas wie eine Erklärung hat er dann auch parat im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin ein Freund von Kontinuität.“ Außerdem sei es ihm stets wichtig gewesen, wohnortnah zu arbeiten. „Das ständige Pendeln ist nichts für mich.“ Nach wie vor genießt er es daher, jeden Tag einen Spaziergang durch die Stadt machen zu können, um zu Hause mit seiner Frau zu essen. Ein Leben der kurzen Wege also. Aber nicht immer: Als er seinen Wehrdienst antreten musste nach der Ausbildung, hatte die Bundeswehr das westfälische Rheine für ihn ausgesucht. Nach der Grundausbildung allerdings durfte er wieder zurück an die Wümme. Danach ging es wieder zurück in die Kanzlei an der Bahnhofstraße.

„Die Arbeit im Büro“ dieser Kanzlei sei „immer sehr abwechslungsreich“ gewesen, blickt der Jubilar zufrieden zurück. „Es gab stets neue Aufgaben, außerdem habe ich einige Fortbildungen machen können.“ Und: „Mein erster Chef war ein Verfechter des Ehrenamts, das hat er stark unterstützt.“ Für Wiegand bedeutete das: Er konnte trotz seines Full-Time-Jobs auch nachmittags zum Training der Jugendmannschaften, die er sportlich betreute. Er war selbst viele Jahre Fußballer, lange Zeit als Trainer unterwegs und engagiert sich auch heute noch als Beisitzer im sogenannten Kreis-Qualifizierungsausschuss des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV). Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Sportgerichts im NFV-Bezirk Lüneburg. Fußball – eine weitere Leidenschaft. Und das Ehrenamt, sagt Wiegand, sorge vom kommenden Jahr an dafür, dass er nicht in ein Loch fällt. Denn Ende dieses Jahres – so der derzeitige Plan – wird er seinen Job an den Nagel hängen. Der 67-Jährige vielsagend: „Und dann gucken wir mal.“

Der Jubilar verrät nicht, was mit dem grauen Telefon mit der Wählscheibe passiert. „Früher war damit die direkte Verbindung zu Heinrich Wilhelm Rinck möglich.“ Inzwischen ist es nur noch ein Erinnerungsstück. Die Olympia-Schreibmaschine hingegen sei noch im Einsatz. „Die kann man gut gebrauchen, wenn Umschläge zu beschriften sind.“

Erbschaftsangelegenheiten, Grundbuchsachen, Immobilien-Kaufverträge – vor allem auf die „freiwillige Gerichtsbarkeit“ sei die Kanzlei spezialisiert. Dennoch kommen auch Verfahren und Prozesse hinzu. „Das alles ist mit viel Schriftverkehr verbunden“, beschreibt Wiegand seine Aufgabe. Für die Abwicklung von Mahnverfahren habe er ein besonderes Faible. Inzwischen umfasse das Büro-Team 14 Kolleginnen und Kollegen; seit 1986 grüßt Rüdiger Wiegand als Bürovorsteher.

Was er als kleiner Junge einmal werden wollte, verrät er nicht. Aber er stimmt zu und sagt, dass es wohl nicht der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte war. Aber: „Zum Ende der Schulzeit konnte ich mir eine Ausbildung im Büro schon gut vorstellen.“ 50 Jahre später kann er sich ebenfalls mit dem Gedanken anfreunden, schon bald in den Ruhestand zu gehen. „Viele Freunde und Bekannte sind bereits in Rente – dann hat man mehr Zeit.“ Weil er sich aber eben auch um die Buchhaltung in der Kanzlei kümmert, möchte er den Jahresabschluss für 2021 erst noch zu Ende bringen.

Und diese 50 Jahre wollte ich unbedingt vollmachen.

Rüdiger Wiegand

Doch an diesem Freitag wird gefeiert im Büro. Schließlich ist es etwas Besonderes, auf eine 50-jährige Laufbahn an einem Arbeitsplatz zurückblicken zu können. „Und diese 50 Jahre wollte ich unbedingt vollmachen“, sagt Wiegand. Er sei schließlich „traditionsbewusst“. Das gilt auch für den Fußball – und daher wird er für den Abend keine Feier auf die Beine stellen, sondern auf der Nordtribüne im Bremer Weser-Stadion Platz nehmen. Wiegand hat eine Dauerkarte – und das seit mehr als 20 Jahren. Da ist sie wieder, diese Kontinuität, die das Leben des Jubilars kennzeichnet.

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