Rücktransport von Flüchtlingen nach der Behandlung ein Problem

Diako-Pflegeleiterin regt einen Spendenfonds an

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Detlef Brünger lobt die Kooperation mit dem Sozialamt.

Rotenburg - Von Guido Menker. Wer krank ist, geht zum Arzt. Was eigentlich für jeden Bundesbürger eine Selbstverständlichkeit ist, sieht für Flüchtlinge, die in unser Land kommen, etwas anders aus: Sie bekommen eine Krankenversicherungskarte frühestens nach 15 Monaten. Bis dahin werden die Kosten von den Sozialämtern nur auf Antrag übernommen. Das gilt auch für einen Aufenthalt im Krankenhaus. Im Diakonieklinikum Rotenburg sind es monatlich mindestens 100 Flüchtlinge, die behandelt werden.

Kommen Flüchtlinge ohne Zustimmung der Sozialämter wegen akuter Erkrankungen und Schmerzzuständen, etwa bei Schwangerschaften oder Geburten, in das Krankenhaus, werden Anträge auf Kostenübernahmen durch das Krankenhaus an die zuständigen Sozialämter gestellt, erklärt Detlef Brünger, Kaufmännischer Direktor. Die Patienten müssten sich ausweisen können, was in der Vergangenheit in einigen Fällen durch das Fehlen des Ausweises oder bei Sprachproblemen zu Schwierigkeiten geführt habe. Brünger: „Dann müssen zumindest die Daten der Patienten bei den Sozialämtern bei Antragsstellung auf Kostenübernahme bekannt sein, was in der Regel auch der Fall ist.“

Werden Flüchtlinge akut aufgenommen und dauern zum Beispiel psychiatrische Behandlungen über Wochen an, seien in gewissen Abständen medizinische Begründungen von den behandelnden Ärzten oder Therapeuten zu schreiben, weil die Kostenzusagen nur für kurze Zeit ausgestellt und die Fälle in Abständen von den Sozialämtern geprüft würden. Nach Überprüfung der Fälle kämen die Kostenzusagen innerhalb etwa drei Wochen – je nach Fall.

„Sind Behandlungen, Operationen oder auf Überweisungen fachärztliche Begutachtungen geplant, bedarf es zwingend der vorherigen Zustimmung der Sozialämter“, führt Brünger weiter aus. Ohne Zustimmung würden entstandene Kosten abgelehnt. Auch die Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln sowie die Versorgung mit Zahnersatz seien vorab von den Sozialämtern zu genehmigen. Dazu würden vor den Behandlungen seitens der Flüchtlinge Anträge auf Kostenübernahme an das Sozialamt gestellt. Das Gesundheitsamt prüfe die Anträge und bestelle je nach Bedarf die Flüchtlinge vorab ein.

Die Kostenzusagen kämen bei Zustimmung des Gesundheitsamtes in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen. Brünger: „Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit den Sozialämtern wirklich gut. Die Mitarbeiter dort sind sehr bemüht – trotz der gestiegenen Anträge – diese zügig zu bearbeiten.“

Nach Auskunft von Manuela Pakendorf, Pflegerische Leitung im Zentrum für Notfallmedizin am Diakonieklinikum, stellten in manchen Fällen das Verständigungsproblem und damit verbundene Sprachbarrieren die größte Schwierigkeit bei der Behandlung von Flüchtlingen dar, weil sie meistens kein Deutsch sprechen und nur selten Englisch.

In den meisten Fällen gehe es um posttraumatische Störungen, die durch Krieg und Flucht ausgelöst werden, sowie psychische Erkrankungen. Unter anderem aber auch aufgrund von Prellungen, Weichteilverletzungen, Frakturen und Bauchschmerzen kämen Flüchtlinge in die Notaufnahme des Diako. bei der Finanzierung der Behandlung springe der Freibettfonds übrigens nicht ein, erklärt Detlef Brünger. Weil eben für Behandlungen in Notfällen beziehungsweise nach separaten Kostenzusagen für darüber hinausgehende medizinische Behandlungen die Sozialämter einstünden.

Wenn es einen Punkt gibt, an dem es hakt, dann der: „Häufig ist die Rückfahrt eine Herausforderung. Der Rücktransport erfolgt meist per Taxi, doch oftmals fehlt dafür das Geld. Der Transport ins Klinikum erfolgt über den Rettungsdienst“, beschreibt Pakendorf den Ablauf. Und genau aus diesem Punkt heraus ergebe sich dann auch ein Wunsch: „Sehr hilfreich wäre ein Spendenfonds, der angelegt wird, um den Rücktransport der Flüchtlinge in ihre Unterkünfte zu gewährleisten, wenn sie bei uns behandelt und wieder entlassen wurden. Zudem wären Dolmetscher, die rund um die Uhr als Ansprechpartner erreichbar sind – für so viele Sprachen wie möglich –, eine große Hilfe.“

/www.diako-online.de

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