Rudolf Pollak gibt seit 26 Jahren die Beilage „Lebendige Heimat“ heraus

Auf Lesereise in die Vergangenheit

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Für ihn ist die Herausgabe von „Lebendige Heimat“ mehr als Hobby: Rudolf Pollak aus Vahlde recherchiert seit mittlerweile 26 Jahren Geschichten aus dem Landkreis Rotenburg.

Vahlde - Von Elisabeth Hintze. „Weißt du noch, damals?“ Mit diesen Worten beginnt so manches Mal eine gedankliche Reise in die Vergangenheit. Einer, der die Menschen seit 26 Jahren mit auf eine solche Reise in längst vergangene Zeiten nimmt, ist Rudolf Pollak aus Vahlde. Der 85-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, den im Landkreis Rotenburg lebenden Menschen die Historie ihrer Heimat ein Stück weit näher zu bringen: Seit mittlerweile 26 Jahren gibt er für die Rotenburger Kreiszeitung die Beilage „Lebendige Heimat“ heraus.

An jedem letzten Sonnabend im Monat liegt der Tageszeitung Rudolf Pollaks vier Seiten umfassende Publikation bei. Immer mit Geschichten aus dem Landkreis Rotenburg bestückt: historische Begebenheiten, Anekdoten von anno dazumal, Bilder und Gedichte aus den vergangenen Jahrzehnten.

Die Idee für „Lebendige Heimat“ war im Jahr 1989, als die erste Ausgabe erschien, nicht neu. „Die Beilage gab es früher schon, doch dann war es eingeschlafen“, erzählt Pollak. Vonseiten des ehemaligen Heimatbundes Rotenburg sei man damals auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, die Beilage neu aufzulegen. Rudolf Pollak hatte Lust, und er hatte Zeit. „Ich habe mich immer schon für Heimatgeschichte interessiert“, erzählt der pensionierte Lehrer.

Zunächst habe er mit den verschiedensten Archiven im Landkreis Kontakt aufgenommen, um sich ein Netzwerk aufzubauen. „Wenn ich dann ein Thema hatte, habe ich mir überlegt, wer etwas darüber wissen könnte.“ Die „richtigen“ Leute kennen und auf sie zugehen, das sei die halbe Miete. Seit 26 Jahren schreibt Rudolf Pollak die Berichte entweder selbst oder überarbeitet die Aufsätze der freien Autoren, die ihm reingereicht werden.

„Ich bemühe mich, die Artikel vielseitig zu halten und mal diesen, mal jenen Ort im Landkreis zu berücksichtigen.“ Ein Bericht über das Freudenthal-Denkmal in Fintel, die abgebrannte Dorfkirche oder Heimatmaler und -dichter: Es gibt fast kein Thema aus Politik und Kultur, das Pollak noch nicht mit der regionalen Historie in Verbindung gesetzt hat.

So etwa die mehrteilige Serie „Soldatengrüße nach Scheeßel“ im vergangenen Herbst, als sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährte. Mit Unterstützung des Heimatvereins Scheeßel hatte Pollak zahlreiche Briefe aufgetrieben – Briefe des aus dem Kreis stammenden Vize-Feldwebels Friedrich Meyer, die er von der Front in die Heimat schickte. „Ich versuche, die Menschen mit auf eine kleine Zeitreise zu nehmen“, erklärt Pollak.

Deshalb freut den 85-Jährigen besonders die große Resonanz, die „Lebendige Heimat“ bei den Lesern hervorruft. „Es gibt viele Rückmeldungen. Ich höre oft, dass die Leute es spannend finden, von der Geschichte Rotenburgs zu lesen.“ Viele hefteten sich das Vier-Seiten-Heft gar in einem Ordner ab. Die Publikationen würden zudem in verschiedenen Archiven, unter anderem dem in Stade, gesammelt. Ob es sich da nicht lohnen würde, die bisherigen Ausgaben von „Lebendige Heimat“ als Buch herauszugeben? „Natürlich wäre das schön“, sagt Pollak, „aber das ist natürlich auch eine Kostenfrage.“

Ehefrau Ursula unterstützt ihren Mann in jeder Hinsicht. „Das ist doch ein schönes Hobby. Und für uns ergibt es immer wieder ein Gesprächsthema.“ Zudem seien die historischen Anekdoten stets eine kleine Ablenkung vom aktuellen Geschehen.

Wie lange er „Lebendige Heimat“ noch herausgeben möchte? Rudolf Pollak lacht: „So lange, wie es eben geht. Ich habe noch Stoff für einige weitere Geschichten. Und ich hoffe, mir fällt immer wieder etwas ein.“ Die kommenden Ausgaben hat er bereits durchgeplant. Und er verrät, was im nächsten Beitrag am 25. April zu lesen sein wird: Dann dreht sich alles um den bekannten Ornithologen Ludwig Müller-Scheeßel und den Schwarzstorch.

Die „Lebendige Heimat“ – für Rudolf Pollak ist es bereits mehr als ein Hobby geworden. Der gebürtige Cuxhavener lebt seit 1956 im Kreis Rotenburg. Hier fühlt er sich zuhause, hat sein Netzwerk, hier ist er verwurzelt. Genau das mache für ihn das Gefühl von „Heimat“ aus.

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