Forderung an Politik und Industrie

Rudolf Ottens stinkt’s - Diesel-Geschädigten sollte geholfen werden

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Ehrenobermeister Rudolf Ottens sieht Licht am Horizont und hofft, dass Politik und Industrie an einem Strang ziehen.

Hassendorf - Nachdem das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, dass Diesel-Fahrverbote nach geltendem Recht grundsätzlich zulässig sind, fragen sich auch die Autofahrer aus dem Landkreis Rotenburg, ob sie davon betroffen sein könnten. Grundsätzlich wollen umweltbewusste Menschen, dass die Luftverschmutzung radikal gesenkt wird.

Dazu zähle sich auch Rudolf Ottens und denkt das auch über die meisten seiner Branchenkollegen. Laut dem Ehrenobermeister der Rotenburger Kraftfahrzeug-Innung seien Fahrverbote in der geplanten Form aber nicht der Weisheit letzter Schluss.

„Wir benötigen klare rechtliche und verlässliche Vorgaben – und zwar einheitlich. Und keinen Flickenteppich.“ Zwar sehe Ottens auf die ländlichen Regionen wie Rotenburg keine Fahrverbote zukommen, aber dennoch macht auch er sich Gedanken, wie die festgefahrene Lage gelöst werden kann.

Bereits Anfang September 2014 hat die neue Euro-6-Norm den Euro-5-Standard für Neufahrzeuge abgelöst, wovon insbesondere Fahrzeuge mit Dieselmotoren betroffen waren. Und die trifft es recht hart: Für Dieselmotoren unterhalb der Euro-6-Abgasnorm drohen Fahrverbote in manchen Städten. Das Bundesverwaltungsgericht hat mit seinem Gerichtsurteil den Kommunen grünes Licht für individuelle Verbote in gefährdeten Bereichen der Städte ausgesprochen.

Hersteller in der Pflicht

Ottens sieht die Industrie (Hersteller), aber auch die Politik nun erst recht in der Pflicht, Wege zu finden, die getäuschten Besitzer von Dieselfahrzeugen mit Euro-5-Norm durch entsprechende Nachrüstung einer Hardware auf die Höchstwerte von Stickoxide nach Euro-6-Norm zu bringen und vom Fahrverbot auszuschließen.

Zudem seien die Händler und Kunden wieder einmal das letzte Glied in der Kette und blieben auf dem Dilemma hängen. „Auf deren und unseren Rücken darf aber der Konflikt nicht ausgetragen werden.“ Der Diesel-Skandal müsse für die Hersteller Konsequenzen haben, so Ottens.

Er wünscht sich die Nachrüstung auf Euro-6-Norm der Fahrzeuge mit entsprechender Hardware auf Kosten der Industrie und keine Softwarelösung, wie sie von den Herstellern angestrebt wird. „Wir vom Handwerk können die Umrüstung in unseren Werkstätten dann durchführen“, so der Kraftfahrzeugmeister. 

Die Verbesserung der Werte durch Software-Updates reichten ihm nicht aus. Das Kraftfahrzeughandwerk fordere die Hersteller auf, die Nachrüstung mit Ad-Blue-Harnstoffeinspritzung und SCR-Katalysator (selektive katalytische Reduktion) gemeinsam zu entwickeln.

Einige Hersteller bieten Lösungen an

Erste Tests mit solch einem SCR-Kat bei einem Euro-5-Diesel hätten gezeigt, dass Stickoxidwerte auf Euro-6-Niveau erzielt werden und es zu einer Reduzierung des Schadstoffausstoßes um bis zu 90 Prozent komme. Bisher gebe es die Lösung nur für einige Hersteller. 

„Solche Kats könnten aber sicherlich auch für alle Fahrzeugmodelle entwickelt werden“, meint Ottens. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) habe klar gemacht, dass die Hersteller die Kosten komplett übernehmen müssten. Eine Beteiligung der Diesel-Fahrer werde vom Verband abgelehnt. 

Sinnvoll wäre auch eine staatliche „Umrüstprämie“, denn zum Zeitpunkt des Kaufes und der Zulassung hätten die meisten Euro-5-Diesel die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Politik und Industrie müssen hier an einem Strang ziehen, so habe sich der Zentralverband geäußert.

Solange die E-Mobilität noch nicht voll ausgereift ist und sowohl bei E- als auch bei Erdgas-Antrieben durch die unzureichende Infrastruktur große Lücken bei den Tank- beziehungsweise Lademöglichkeiten bestehen, würden Verbrennungsmotoren noch weiterhin vonnöten sein. „So lange es die Ressourcen noch zulassen, wird es weiterhin Verbrennungsmotoren geben müssen, aber äußerst schadstoffarme und normgerechte Antriebsaggregate“, so Ottens. 

Einige Katalysator-Hersteller haben eine Hardware entwickelt, die es Dieselfahrzeugen ermöglicht, aufgrund der geringen Schadstoff-Werte eine „Blaue Plakette“ zu bekommen. Das sei aber noch nicht gesetzlich geregelt. Auf alle Fälle sollten solche Fahrzeuge vom Fahrverbot ausgeschlossen werden, so Ottens. 

Das Twintec-System sei unter realen Bedingungen getestet und so stünde einer nachträglichen Einstufung von Euro-5- auf Euro-6-Norm nichts im Wege. „Dafür müssen jetzt die gesetzlichen Rahmen geschaffen werden“, fordert Rudolf Ottens. - go

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