Gallmucke-Sänger Arne Hollmann über Comebacks und das „laut & draußen“-Open-Air

„Die Routine hat uns getötet“

Arne Hollmann hat sich für das „laut & draußen“-Festival einiges vorgenommen. - Foto: Heyne

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Was einst laut war, blieb lange still. Trotz vorheriger jahrelanger Pause gab es in den vergangenen Jahren nur wenig von der Rotenburger Band Gallmucke zu hören. Zwar spielten die Musiker im Herbst beim Erntefest-All-Over in Söhlingen, doch seitdem war es wieder still geworden. Doch am 3. August kommen sie zurück, und spielen zusammen mit Phaenotypen und Zeitreisenden beim „laut & draußen“-Open-Air auf dem Rotenburger Kalandshof. Wir haben uns mit Sänger und Bassist Arne Hollmann über das kleine Festival, Comebacks und neue Lieder unterhalten.

Schon wieder ein Comeback – warum machen Sie nicht mal eine offizielle Reunion?

Arne Hollmann: Naja, für die offizielle Reunion hätten wir uns ja offiziell auflösen müssen. Das aber haben und werden wir auch nicht. Mal ehrlich: Es ist schon wirklich entspannt, einfach ab und an auf eine Bühne zu gehen, ohne schon die nächste im Kopf zu haben. Kein Druck ist mal ganz nett. Routine hat uns vor zehn Jahren getötet, darum muss sie jetzt leider draußen bleiben.

Steckt vielleicht ein System dahinter? Letzte Konzerte als Marketing-Instrument?

So wollen wir das machen. Nur nicht in der Bibliothek von der Leiter fallen, lieber in der eigenen Brauerei die Treppe runter. Wir orientieren uns aber gerade eher an Iron Maiden, die ja auch ihre Ex-Mitglieder wieder auf die Bühne geholt haben. Wir haben jetzt mit unserem Gründungsmitglied Sönke Jäger und mit David Meyer-Weitkamp zwei Schlagzeuger, das funktioniert ganz wunderbar. Und im vergangenen Jahr beim Erntefest-All-Over kam noch Florian Arp von Feuerengel dazu – wie früher auch schon. Das ist schon großartig und etwas besonderes. Und das soll es auch gern bleiben.

Spielen Sie jetzt wieder mehr Auftritte?

Wir haben uns mal einen pro Jahr vorgenommen. Das fühlt sich machbar an. Schon der E-Mail-Verkehr für eine einzige Probe ist bei uns sehr umfangreich, und wenn es um Auftritte geht, wird es sogar noch komplizierter. Es ist halt alles etwas gemächlicher als es vor zehn Jahren mal war.

Gibt es auch wieder neue Lieder von Ihnen?

Es könnte sein, dass es bereits fertige Songs gibt. Es könnte sogar sein, dass ich gerade eben einen davon gehört habe und den ganz schön gut finde. Könnte auch angehen, dass wir den live spielen. Und seine Brüder und Schwestern vielleicht auch. Ich muss aber sagen, dass die Lieder nicht mehr so spaßig sind wie früher, der Stoff ist doch schon regelrecht ernsthaft für unsere Verhältnisse.

Rostet man nicht ein, wenn man immer so lange Pausen hat?

Nein, interessanterweise ist bei Gallmucke spielen wie Rad fahren. Das verlernt man nicht. Ich vergesse immer noch an den gleichen Stellen den Text. Und wenn wirklich etwas nicht funktioniert, lässt es sich leicht auf körperlichen Verfall zurückführen. Im Grunde muss man auch nicht viel leisten in dieser Band: Blödsinn reden, ordentlich schwitzen und rumposen wie ein Großer. Die Musik spielt sich dann von ganz allein.

Wie ist man von den Rotenburger Werken an Sie herangetreten?

Die haben unseren Gitarristen Carsten Neubauer angeschrieben und hatten viel Glück, dass der Rest von uns gerade mal Zeit und Lust hatte, in den Kalender zu gucken.

Sie sind eine Rotenburger Band. Gibt es eine gemeinsame Vergangenheit mit den Werken?

Es gibt gemeinsame Vergangenheiten mit sehr sympathischen Menschen, die sich rund um das Festival engagieren. Wir haben früher selbst viel in Rotenburg organisiert und mitgemischt und wissen nur zu gut, wie schwierig das häufig ist. Dass die Werke da als treibende Kraft auftauchen, ist super. Diese komische Kleinstadt hat schon so viele großartige Bands und Musiker hervorgebracht. Wer das weitertreibt, gehört unterstützt. Da ist unsere Vergangenheit.

Was erwarten Sie von dem Auftritt?

Jede Menge Spaß in erster Linie. Das ist der einzige Grund, aus dem wir das tun. Vielleicht schaffen wir es auch tatsächlich, unsere tausend Ideen auf die Bühne zu kriegen, die derzeit im Raum kursieren. Wenn nur die Hälfte davon funktioniert, wird es ein echt spaßiger Abend mit einigen Überraschungen. Denn man hat uns etwas eingeräumt, das wir sonst nie so richtig hatten: Spielzeit, und zwar ordentlich. Und damit haben wir jede Menge Raum für Unsinn aller Art.

Infos zum Festival

Bereits zum siebten Mal ist der Kalandshof an der Verdener Straße in Rotenburg der Schauplatz des „laut & draußen“-Open-Airs. Das Festival findet dabei am Mittwoch, 3. August, auf dem parkähnlichen Gelände der Rotenburger Werke von 18 bis 22 Uhr statt. Die Veranstalter sehen in dem Konzertabend einen fröhlichen Ort der Begegnung. Behinderte sowie nicht-behinderte Menschen können gemeinsam zu drei Bands feiern. In diesem Jahr rechnen die Verantwortlichen wieder mit bis zu 500 Besuchern. Organisiert wird das Festival von musikbegeisterten Mitarbeitern der Rotenburger Werke. Außerdem sorgen über 20 ehrenamtliche Helfer dafür, dass das Festival gelingt.

Dazu haben sie ein amtliches Line-Up auf die Beine gestellt. So konnten die Veranstalter die Band Phaenotypen für sich gewinnen. Die Worpsweder gehören zu den interessanteren Newcomern der Region und gewannen in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Preise mit ihrem Mix aus entspanntem Reggae, bunten Dancehall-Klängen und fetzigem Punk-Rock – zuletzt den „Live in Bremen“-Bandcontest, der zu den größeren seiner Art zählt. Die Gruppe Zeitreisenden entführt laut Veranstalter mit ihren Coverversionen und einigen selbstgeschriebenen Songs mal in die 70er, mal in die 90er Jahre. Sie spielen engagiert, laut und garantiert ohne falsche Bescheidenheit. Und auch die dritte Band, Gallmucke, werde sich laut Ankündigung mit einem bewährten Mix aus „progressivem Surf-Metal“ und einigen mitsingbaren Coversongs an das Publikum wenden. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse für sieben Euro pro Person. Ermäßigt und im Vorverkauf kosten sie fünf Euro. Sie sind beispielsweise im Info-Büro der Stadt Rotenburg im Rathaus sowie im Beratungszentrum der Rotenburger Werke, Goethestraße 22, in der Telefonzentrale erhältlich.

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