Homfeldt wechselt von Rotenburg nach Buchholz

Rotenburger Finanzamt-Chef geht

Ann Rindfleisch und der scheidende Finanzamt-Chef Arne Homfeldt
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Ann Rindfleisch übernimmt – zumindest vorerst: Finanzamt-Chef Arne Homfeldt verlässt Rotenburg.

Rotenburg – Das Finanzamt in Rotenburg bekommt einen neuen Chef. Nach etwas mehr als zehn Jahren verlässt Arne Homfeldt die Behörde in der Kreisstadt, um die Leitung des Finanzamtes in Buchholz in der Nordheide zu übernehmen. Bis über seine Nachfolge entschieden ist, übernimmt die 42-jährige Ann Rindfleisch die Geschäfte. Sie ist seit Beginn des Jahres als neue stellvertretende Finanzamtsleiterin in Rotenburg tätig.

Homfeldt fühlt sich wohl in Rotenburg. Doch er ist überzeugt davon, dass nach mehreren Jahren ein Wechsel an der Spitze eines Hauses immer gut ist. „Auf Dauer verharrt alles in Routineabläufen.“ Jetzt wechselt er in ein deutlich größeres Finanzamt. Während in Rotenburg etwa 140 Mitarbeiter beschäftigt sind, hat es Homfeldt in Buchholz mit rund 250 Kollegen zu tun. Aber auf das Finanzamt in Rotenburg lässt er nichts kommen. Er genieße die eher familiäre Atmosphäre und die gute Zusammenarbeit. „Hier ziehen alle an einem Strang und hängen sich voll rein.“ Das sei gerade jetzt in der Pandemie deutlich zu spüren. Die mache sich nämlich massiv bemerkbar, sagt Homfeldt.

Zum Schutz der eigenen Mitarbeiter sei organisatorisch viel zu erledigen. Und das wiederum setze eine täglich neue Bewertung der Lage voraus. „Es nervt alle, denn wir alle sind irgendwie fremdbestimmt“, sagt der 51-Jährige. Da sei es von großer Bedeutung, hausintern für Transparenz zu sorgen. Darauf führe er die große Toleranz zurück. „Alle ziehen mit.“ Immer wieder aufs Neue sei zu schauen, was zu tun ist. Das sei kräftezehrend, aber auch kurzweilig. Homfeldt: „Routine allein reicht da einfach nicht aus.“

Eine Reihe von Kollegen könnten im Homeoffice arbeiten. Die aber, für die das nicht infrage kommt, säßen inzwischen zu 90 Prozent allein in ihren Büros. Darüber hinaus habe man die Gleitzeit ausgedehnt – auf eine Spanne von 6 bis 20 Uhr. Ein weiterer Schritt, um sich zumindest punktuell aus dem Weg gehen zu können.

Wie wichtig das ist, erweist sich dann, wenn sich Mitarbeiter mit Corona infizieren. Zwei solcher Fälle habe es bislang gegeben – „allerdings im privaten Bereich“, sagt Homfeldt. Und: „Sie haben hier niemanden angesteckt.“

An der Spitze der Finanzämter sitzen Juristen. Der in Rendsburg geborene Homfeldt hat Jura in Passau studiert und dort auch promoviert. Jetzt zieht es ihn bereits zum dritten Mal nach Buchholz. „Daher kenne ich auch heute noch etwa die Hälfte der Belegschaft“, erklärt er. Warum aber müssen es seiner Ansicht nach Juristen sein, die ein Finanzamt leiten? „Erfassen, beleuchten, durchdringen und Entscheidungen treffen. Darum geht es.“ Genau das bringen Juristen mit, sagt er. Es gehe also um Entscheidungen anhand von gesetzlichen Rahmenbedingungen. Genau das sei die Kernaufgabe, die im juristischen Studium vermittelt werde.

Mit Verordnungen und Anweisungen wird es in den kommenden Wochen und Monaten auch Ann Rindfleisch zu tun haben, wenn sie die Leitung übernimmt. Sie war zuvor beim Finanzamt in Delmenhorst beschäftigt und weiß, dass alles, was mit der Pandemie zu tun hat, sie besonders fordern dürfte: „Ja, ich werde laufend feinjustieren müssen“, sagt sie. Abläufe und die gesamte Organisation seien ständig in Anlehnung an die politischen Entscheidungen anzupassen.

Die Pandemie wirkt sich aber auch noch an anderen Stellen aus: „Einerseits geht es natürlich darum, das Amt arbeitsfähig zu halten“, erklärt Arne Homfeldt. Darüber hinaus seien jetzt vor allem möglichst zügig Anträge und Steuererklärungen zu bearbeiten, „um das Kapital in den Markt zu kriegen“. Darüber hinaus habe sein Team Stundungsanträge für Selbstständige zu bearbeiten, Vorauszahlungen herabzusetzen und auf Abgabefristen für beratene Steuerpflichtige entsprechend neuer Vorgaben zu reagieren. Homfeldt: „Das alles kam wie eine Welle auf uns zu.“

Folge der aktuellen Veränderungen: „Wir bekommen die Einkommensteuererklärung erst etwas später, dadurch gibt es stellenweise Leerlauf.“ Was aber nicht bedeute, dass die Mitarbeiter die Hände in den Schoß legen können. Zu tun gibt es nämlich trotzdem noch genug. Und dabei sei noch gar nicht abzusehen, in welchem Umfang man es mit Insolvenzfällen zu tun bekomme. „Das könnte massiv sein“, so Homfeldt.

Aber: Die Steuereinnahmen in seinem jetzigen Zuständigkeitsbereich seien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen – die Rede ist von 20 Prozent. „Die Struktur hier ist also gut, was sich an der Entwicklung der Umsatzsteuer ablesen lässt.“ Anzeichen, die diese Einschätzung unterstreichen, finden sich auch in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit – die ist hier immer noch verhältnismäßig gering, liegt bei 3,9 Prozent.

Homfeldt wird sich mit ähnlichen Fragen künftig in Buchholz beschäftigen. Am 1. Februar fängt er dort an.

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