Polizei bereitet sich schon jetzt akribisch auf das Festival in Scheeßel vor

Mit Routine allein ist es beim Hurricane nicht getan

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Polizeioberrat Jörg Wesemann hat in Sachen Hurricane-Vorbereitung die Fäden in der Hand. Bis zu 400 Polizisten werden an den vier Tagen in Scheeßel im Einsatz sein.

Rotenburg - Von Guido Menker. Einmal im Jahr wird aus der 13.000 Einwohner zählenden Gemeinde Scheeßel eine große Kleinstadt. Immer dann nämlich, wenn Musikfans aus ganz Deutschland sowie den Nachbarländern beim Hurricane-Festival den Eichenring bevölkern. Dann tummeln sich dort zusätzlich rund 80.000 Menschen inklusive des gesamten Personals. Ein Ansturm, auf den sich nicht nur die Veranstalter, sondern auch die Polizei besonders vorbereiten muss. Und genau um diesen Job kümmert sich Jörg Wesemann.

„Es ist gut, dass wir inzwischen Routine darin haben“, sagt der Polizeirat in einem Gespräch mit der Kreiszeitung. Und doch weiß auch er: Mit Routine allein lässt sich ein solcher Großeinsatz – übrigens der größte „Regeleinsatz“ im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg – nicht bewältigen. Man baue natürlich auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre, aber letztendlich werde für jedes Festival neu geplant. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Von Jahr zu Jahr gibt es Veränderungen, die letztendlich dann auch Einfluss auf die Abläufe und die Fragen der Sicherheit haben. Ein Umstand, mit dem jedes Festival zu tun hat. Deshalb gibt es schon seit sechs Jahren eine jährliche Besprechung mit den Kollegen aus ganz Deutschland, die ein Festival vor der Haustür haben. „Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse und Phänomene“, so Wesemann. In der Absprache untereinander könne sich die Polizei vor Ort rechtzeitig darauf einstellen. Ein Beispiel: Es gibt Diebesbanden, die sich auf Festivals spezialisieren und nach einem regelrechten Tourplan vorgehen. Liegen entsprechende Erkenntnisse vor und werden diese weiteregeben, ist es den Beamten möglich, diese rechtzeitig abzugreifen. Diebstähle machen übrigens stets den Löwenanteil der Straftaten beim Hurricane aus. Aber auch Körperverletzungen, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigungen, Unfälle sowie Verlust- und Vermisstenmeldungen bestimmen den Festival-Alltag der Polizisten. Bis zu 400 werden an den vier Tagen – also von der Anreise bis zum letzten Akkord – eingesetzt. Ein Drittel davon kommt aus der Rotenburger Polizeiinspektion, die weiteren Kräfte fordert Wesemann bei der Bereitchaftspolizei aus Niedersachsen an.

In der Vorbereitung auf den besonderen Einsatz gelte es, immer auch die jeweiligen Besonderheiten zu beachten und in die Strategie sowie Personalplanung einzubeziehen. In diesem Jahr zum Beispiel findet das Festival während der Sommerferien statt, weshalb am 23. Juni mit einer extrem großen Anreisewelle zu rechnen sei. Außerdem geht in dem Zeitraum auch die Fußball-Europameisterschaft über die Bühne, Live-Übertragungen auf dem Gelände seien geplant. Eine weitere Umstellung: Das bargeldlose Bezahlen ist wieder vom Tisch – das könnte Einfluss auf potenzielle Diebe haben. „Außerdem stimmen wir uns mit dem Veranstalter immer auch ab, wenn es um die Bewertung der Bands geht“, erklärt Wesemann, der damit rechnet, dass es beim Rammstein-Auftritt – in diesem Jahr der Headliner – im Infield des Eichenringes extrem voll werden dürfte. Von der Besetzung hänge dann auch die Planung des Timetables ab, außerdem die Besetzung auf den jeweiligen Bühnen. Die Beamten besetzen das Gelände sowie die Zufahrtswege übrigens nicht nur zu Fuß und mit Autos, auch ein Hubschrauber, Mountainbiker sowie Polizeipferde sind dabei.

„Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten klappt immer sehr gut“, betont Wesemann. Das beziehe sich auch auf die Beurteilung der Sicherheitslage. Das ist ebenso Teil der Routine, die sich bewährt hat. Routine – da taucht sie also auf. Und das, weiß Polizeisprecher Heiner van der Werp, mache sich auch bei der Versorgung bemerkbar: „Eigentlich kennen wir schon jetzt den Speiseplan.“

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