Wohnbau in der Wümmestadt: Wenig Wohnungen, viel Eigenheim

Rotenburgs Trend zum Eigenheim

Ein im Bau befindliches Haus im Neubaugebiet an der Brockeler Straße.
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Zehn freie Grundstücke gibt es noch im Rotenburger Neubaugebiet Brockeler Straße II. Dort wird derzeit viel gearbeitet, und zumeist sind es auch hier Einfamilien- oder Doppelhäuser, die entstehen.

Wenn es um das Thema Wohnen geht, ist in Rotenburg ein klarer Trend erkennbar: Die Menschen möchten ein Eigenheim mit Garten. Deswegen wird die Stadt auch bald ein weiteres Neubaugebiet ausweisen.

Rotenburg – Wohnraumoffensive: Unter diesem Stichwort hat die Bundesregierung sich 2018 als Ziel gesetzt, Rahmenbedingungen für bezahlbares Wohnen zu schaffen. Die Bilanz am Dienstag fiel gemischt aus – auch wenn die Regierung vieles lobt, es bleibt noch einiges zu tun. Zudem hatte Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, zuletzt eine Eigenheim-Debatte ausgelöst, als er seine Skepsis gegenüber den ökologischen Folgen ihrer Errichtung am Beispiel Hamburg äußerte. Ein Anlass, sich die Gegebenheiten in Rotenburg einmal anzusehen: Gibt es eigentlich genug Wohnraum, und zwar bezahlbaren, oder kann da einiges verbessert werden?

Klar ist: In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan, Rotenburg hat mehrere Baugebiete ausgewiesen und weitere Möglichkeiten in petto. Aber auch hier kann man sicherlich noch den Rotstift ansetzen. Der Fokus liegt in der Wümmestadt und den Ortschaften definitiv auf dem Einfamilienhausbau. Dahin geht der Trend, und das schon lange, berichtet Stadtplaner Clemens Bumann. Nach einer Zählung des Landesamts für Statistik Niedersachsen gab es in Rotenburg 2019 77 Prozent Einfamilienhäuser, zwölf Prozent Doppelhäuser und elf Prozent waren Wohnbauten mit drei oder mehr Einheiten.

Die Menschen zieht es ins Grüne, auch aus den umliegenden Großstädten. Und besonders ins eigene Heim. Warum sich die Eigenheim-Debatte jetzt an einem Hamburger Beispiel entzündet hat, könne sich Bumann nicht erklären. „Ich war überrascht, dass Hamburg überhaupt noch Einfamilienhäuser ausweist.“ Große Bevölkerungsdichte, wenig Platz. Da heißt es eher Nachverdichtung und Wohnungsbau. Da gibt es im ländlichen Raum natürlich viel mehr Möglichkeiten. „Wir haben ganz andere Voraussetzungen. Würden wir den gleichen Städtebau betreiben, würde keiner herziehen, das müssen kleinere Städte anbieten, um attraktiv zu bleiben.“

Und die Nachfrage ist da. Gut 550 Menschen stehen aktuell auf der Liste mit Grundstücksinteressenten, so Flemming Worthmann, der im Rathaus für die Abwicklung der Grundstücksan- und verkäufe zuständig ist. Für sie soll sich noch einiges bewegen. Dennoch hat sich auch vieles verändert für die Häuslebauer: So viel Platz wie noch vor einigen Jahren gibt es nicht mehr; die Gebiete werden enger geschnitten, die Grundstücksgrößen und damit Gärten verkleinert – 600 Quadratmeter sind es im Schnitt. „Das stößt manchen auf“, weiß Bumann, der Wert auf eine sparsame und effiziente Erschließung legt.

Auf günstigen Energieverbrauch wird geguckt, außerdem Geschosswohnungs- mit Einfamilienhausbau gemixt – Stockforthsweg, Brockeler Straße, „wir mischen da auch Wohnungsbau mit hinein“. Zwar wird bei allen Planungen in Rotenburg recht wenig über eben diesen gesprochen, aber Einfamilienhäuser und neuerdings auch Doppelhaushälften sind das, was am meisten nachgefragt wird. „Wir machen das, weil wir uns abheben müssen und der Markt es verlangt, aber es ist städtebaulich auch sinnvoll, das Ganze dann kleiner zu schneiden und Bauformen zu mischen“, erläutert Bumann.

Schnelle innerstädtische Entwicklung

Rotenburger warten derzeit etwa ein halbes Jahr auf einen Bauplatz. Andere sicher schon länger – das hat aber meist eigene Gründe. Der Vorteil: Das Ganze sorgt für eine recht schnelle Entwicklung, ebenso wie die Einhaltung der Fristen. Gut zwei Monate können sich Interessenten ein Grundstück reservieren, und auch mal verlängern. Ab dem Kauf muss innerhalb von drei Jahren gebaut werden. Aber: Aktuell kann sich das auch ziehen, der Pandemie geschuldet.

Viel Bewegung gibt es auch auf der Liste: Einige, die Worthmann kontaktiert, haben bereits woanders gebaut oder aus sonstigen Gründen kein Interesse mehr. Alleine 350 Personen haben sich für das aktuellste Neubaugebiet Brockeler Straße II vormerken lassen – einige Grundstücke sind schon bebaut, ein paar Interessenten sind abgesprungen, sodass es jetzt noch 90 auf der Liste sind – für noch zehn freie Grundstücke plus vier in der Kategorie „55+“. Eine Sonderregelung, mit der aber wohl erstmal Schluss sein wird: Die Nachfrage lässt nach, so Bumann.

In den Ortschaften ist die Nachfrage aber groß – nicht nur von Ortsbewohnern, sondern auch von außerhalb. Dort sind aber die Verkaufsbedingungen manchmal spezieller. Mulmshorn hat derzeit 53 Bewerber, davon sind elf Mulmshorner. Unterstedt hat 92 Interessenten, davon 37 (ehemalige) Unterstedter. Und Waffensen hat 93 Bewerber, von denen 23 Waffensener sind. Während in Mulmshorn ein neues Baugebiet beschlossen worden ist, in dem bis zu 14 Grundstücke zur Verfügung stehen werden und Unterstedt mit sechs Grundstücken in diesem Jahr wächst und 14 Bauplätzen, die in zwei Jahren folgen – nimmt man in beiden Orten die, die am Ende von der Liste übrig bleiben werden, „kommen fast alle zum Zug“ –, ist für Waffensen erstmal nichts in Planung.

Eins nach dem anderen ist jetzt die Devise, sagt der Stadtplaner. Bedarfsgerechte Ausweisung. Deswegen wird in Rotenburg erstmal Brockeler Straße II fertig bebaut, bis das nächste Projekt startet. Für die kommenden Jahre gibt es Ideen. Zum einen orientierten sich derzeit viele Richtung Mühlende, weswegen die Stadt als nächstes ein Baugebiet Richtung Grafeler Damm anstrebt, 45 bis 50 Grundstücke seien möglich. „Die Nachfrage ist gigantisch“, so Bumann.

Bestände müssen attraktiver werden

Aber: Die Gegend ist feucht, der Boden muss aufgeschüttet werden, infolgedessen werden die Baugebiete etwas teurer. „Aber so etwas könnte auch dazu führen, dass die Bestände attraktiver werden.“ Und darauf hofft Bumann ebenfalls – doch ist das derzeit vielen schlicht zu teuer mit allen notwendigen Arbeiten an den Häusern aus den 1950er- und 1960er-Jahren, die nach und nach oft durch das hohe Alter der Besitzer frei werden. „Die Leute bauen lieber neu. Die alten Häuser werden erhalten, aber meist mehr schlecht als recht.“

Aber es kommt hin und wieder vor, dass sich in der Innenentwicklung etwas tut, indem alte, große Grundstücke zum Beispiel nachverdichtet werden – manchmal werden so aus großen mehrere kleine Grundstücke oder Wohnbauvorhaben starten. Für Letztere hat die Stadt Flächen im Auge, die sich eignen würden – diese sind auch Part des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, eines davon das alte Rathsmann-Gelände. Aber da ist nichts in Planung, betont Bumann. Das würde sich lediglich anbieten, reine Potenzialfläche. Potenzial für eigenen Städtebau liegt derweil noch an der Soltauer Straße Richtung Friedhof, Brockmanns Wiesenweg. „Das könnte mittelfristig bebaut werden.“

Und auch zum Thema Bäume kann Bumann sich am Ende einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Bei unseren neuen Ausweisungen achten wir darauf, in Bereiche zu gehen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden“, schmunzelt er, „da musste kein Baum weg.“

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