CDU-Kandidat gewinnt wie erwartet deutlich

Rotenburgs neuer Landrat: Klare Sache für Marco Prietz

Stefan Klingbeil (l.) gratuliert Marco Prietz (CDU).
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Faire Geste vor dem Kreishaus: Stefan Klingbeil (l.) gratuliert Marco Prietz (CDU). Linken-Politiker Klingbeil landete bei der Landratswahl auf Platz drei hinter Gabriele Hornhardt.

Rotenburg hat einen neuen Landrat. Marco Prietz (CDU) hat die Wahl wie erwartet klar gewonnen und folgt auf Parteifreund Hermann Luttmann.

Rotenburg – 70,18 Prozent für Marco Prietz. Als am Sonntagabend um 18.12 Uhr aus dem Visselhöveder Stadtteil Wehnsen das erste Ergebnis aus den 221 Wahllokalen der Kreistagswahl im Kreishaus auf die Bildschirme geworfen wird, ist noch gar nichts entschieden. Aber die ersten 57 gültigen Stimmen dieser Landratswahl machen deutlich, wohin der Weg geht: Der 33-jährige CDU-Politiker aus Bremervörde macht das Rennen wie erwartet deutlich. Außer in Bothel und Rotenburg holt Prietz in allen Kommunen des Landkreises die absolute Mehrheit.

Die Aufregung im Foyer des Kreishauses hält sich in den rund eineinhalb Stunden, bis gratuliert wird, deswegen auch in Grenzen. „Es kann ja nichts schiefgehen“, sagt der scheidende Landrat Hermann Luttmann. Er sagt das als Wahlleiter, aber natürlich auch als Prietz’ Parteifreund. 15 Jahre war Luttmann der oberste Verwaltungschef im Landkreis, auch sein Vorgänger Hans-Harald Fitschen – ebenfalls CDU – ist da, er bleibt nicht allzu lange: Er kann Prietz ja auch früher gratulieren. Die Sache läuft. Oder wie Luttmann sagt: „Alles ist gut.“

Da mag an diesem Abend auch Stefan Klingbeil nicht widersprechen. Der Kreisvorsitzende der Linken aus Rotenburg war wie die zweite Herausforderin von Prietz, Gabriele Hornhardt („Bürgerliste Landkreis Rotenburg“) aus Kirchwalsede, erst im Juli ins Rennen ums Landratsamt eingestiegen, nachdem der von SPD und Grünen nominierte Volker Harling aus gesundheitlichen Gründen passen musste. Um 18.45 Uhr scherzt Klingbeil angesichts der sich aktualisierenden Ergebnisse der Bildschirmpräsentation und des wie erwarteten Ergebnisses: „Kanzler werde ich nicht mehr.“ Dass er letztlich mit rund 15 Prozent ein beachtenswertes Ergebnis erzielt, begründet er zwar auch damit, dass die SPD keinen Kandidaten mehr hatte. Zum Feiern war ihm aber trotzdem zumute: „15 Prozent sind für uns großartig!“ Erwartungen in dieser Größenordnung habe man gar nicht gehabt. Den Sekt habe er also nicht umsonst kaltgestellt – ein Feiertag für die Linke.

Freude über den Wahlsieg bei Landrat Hermann Luttmann (v.l.), seinem Nachfolger Marco Prietz (M.) und CDU-Kreischef Marco Mohrmann.

Für den CDU-Politiker Marco Prietz natürlich auch. Sichtlich erleichtert nimmt er gegen 19.49 Uhr, es sind 212 Wahlbezirke ausgezählt, die offiziellen Gratulationen entgegen. Sein Kreisvorsitzender Marco Mohrmann: „Marco Prietz vereint politisches Talent mit Verwaltungserfahrung. In seiner kommunikativen Art sucht er das Gespräch mit den Menschen, die sein außergewöhnliches Engagement heute nun mit einem außergewöhnlichen Wahlergebnis honoriert haben. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Marco Prietz als neuen Landrat.“ Grünen-Kreissprecher Hans-Jürgen Schnellrieder und das SPD-Führungsduo Ina Helwig und Nils Bassen sind ebenso zum coronakonformen Gratulieren erschienen, bei der Umarmung bleibt die Maske auf. „Es bleibt nach der Wahl wie vor der Wahl“, sagt Helwig, eine Überraschung sei das mit dem Ergebnis natürlich alles nicht. Und dann folgen sowohl von den Grünen als auch der SPD die entscheidenden Worte, möglicherweise auch mit Hinblick auf neue Kreistagskonstellationen. Dort hatte Prietz die vergangenen fünf Jahre die CDU-geführte Mehrheit geleitet. Jetzt heißt es von der bisherigen Gegenseite: „Auf gute Zusammenarbeit.“

Mit knapp über 60 Prozent der Stimmen bleibt Prietz nur knapp hinter dem letzten Sieg von Hermann Luttmann im Jahr 2014, der inklusive Amtsbonus 62,1 Prozent der Stimmen in der Wahl gegen Herausforderer Hans-Peter Daub geholt hatte. Knapp 25 Prozent der Stimmen gehen an Hornhardt, die sich als Ziel gesetzt hatte, dass es eine Stichwahl geben soll. Dieses Ziel verfehlt sie – aber dazu äußert sie sich am Wahlabend nicht. Sie ist für die Redaktion nicht zu erreichen.

Die großen Worte spart sich Prietz beim kleinen Stelldichein am Rotenburger Kreishaus am Abend aber auch noch. Es gibt viel zu tun, jetzt und zum Dienstantritt am 1. November. Sein erster Weg führt ihn an diesem Sonntagabend zu den Parteifreunden der Stadt Rotenburg, und da war die Stimmung angesichts der krachenden Niederlage von CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Holle nicht allzu gut. Weiter geht es auf der Reise durch den Landkreis nach Selsingen, Zeven und zum Abschluss nach Bremervörde. Dort soll endlich die große Wahlparty folgen, auch wenn Prietz sich bewusst war, dass er dort zunächst für gute Stimmung sorgen musste. Auch in Bremervörde hat der CDU-Bürgermeisterkandidat deutlich verloren.

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