Die ersten sind volljährig

Rotenburgs erste Kinderkrippe „Max und Moritz“ wird 15 Jahre alt

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Jennifer Schletz (l.) leitet die Rotenburger Kinderkrippe. Erzieherin Christine Schulz ist seit Anfang an dabei. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Nach dem Jubiläum wird sich einiges verändern. Rotenburgs erste reine Kinderkrippe „Max und Moritz“ feiert in diesem Jahr ihren 15. Geburtstag, wird ihre angestammten Räumlichkeiten am Waldstegener Weg aber in den kommenden Monaten aller Voraussicht nach verlassen müssen. Der Mietvertrag wurde zum Februar 2019 gekündigt, das Haus wird verkauft. Wie es weiter geht, ist noch unklar. Doch die Erzieher wie der Trägerverein sind optimistisch – in den Jahren der Kita-Pionierarbeit haben man schon viel größere Hürden genommen.

Wenn die „Elterninitiative zur Kleinkindbetreuung“ am 2. Juni zum großen Jubiläumsfest einlädt, dürften auch ein paar junge Erwachsene dabei sein. Die jetzt 18-Jährigen sind diejenigen, die zum Start im Februar 2003 die ersten Kinder waren, die in Rotenburg in einer reinen Kinderkrippe betreut wurden. Über das mögliche Wiederbesehen freut sich insbesondere Christine Schulz, Erzieherin der ersten Stunde. Sie sieht „ihre“ Kita erwachsen werden: „Zu den ersten Kindern habe ich noch eine ganz besondere Beziehung.“

Als engagierte Eltern um die Initiatorin Gudrun Fahrenholz im Mai 2002 einen Verein gründeten und nach viel Klinkenputzen bei Behörden im Februar 2003 die Betriebserlaubnis erhielten, war die pädagogische Welt noch eine völlig andere. Betreuungsstätten für Ein- bis Dreijährige gab es in Rotenburg keine, einzig die „Lindenburg“ am Diakonieklinikum bot damals altersübergreifend ein paar wenige Plätze an. „Wir mussten vieles aus dem Bauch heraus machen“, erinnert sich Schulz. Es musste improvisiert werden, viel Eigeninitiative war gefragt.

Auch die Kinder von „Max und Moritz“ blicken gespannt auf das Jubiläum.

„Mein Vorstellungsgespräch hatte ich auf dem Sofa von Gudrun Fahrenholz, fünf Mütter saßen mir beim Termin um 20 Uhr gegenüber“, erinnert sich Schulz, die zuvor in einem Kinderheim tätig gewesen war. Pädagogik für Kleinkinder? Damals weitgehend ein Fremdwort. „Fortbildungen gab es nicht.“ Doch, und das könne die 54-Jährige nach nunmehr 15 Jahren ohne Einschränkungen sagen: „Allzu viel haben wir nicht falsch gemacht.“ Das zeige sich bis heute auch an der Zahl der Anmeldungen: Die Gruppen sind fast immer ausgebucht.

Zunächst als „Elite“-Einrichtung für gut betuchte Rechtsanwälte und Ärzte abgestempelt, hat sich das Bild einer pädagogischen Betreuung für Ein- bis Dreijährige in den vergangenen 15 Jahren auch in Rotenburg komplett gewandelt. Die Eltern mussten die Betreuung in den Vormittagsstunden und den Betrieb der gesamten Einrichtung zunächst selbst finanzieren. „Das war durchaus teuer“, gesteht auch Schulz. Doch durch die Integration ins reguläre Gebührenmodell für Kinderbetreuung sei dieser Ruf verschwunden. 2005 kam eine zweite Gruppe mit ebenso zehn Kindern hinzu, heute betreuen vier Mitarbeiterinnen unter der Leitung von Jennifer Schletz die Kleinen zwischen 7 und 18 Uhr.

Annahme von mehr Kindern denkbar

161 Krippenplätze gibt es mittlerweile in Rotenburg in Kitas der Stadt und von freien Trägern. 30 weitere Plätze wird die Stadt ab August in der Realschule in der Ahe anbieten, die dann – so der Plan – im Sommer 2019 in die neue Kita an der Wallbergstraße umziehen. Dass auch „Max und Moritz“ sein Angebot ausweitet und mehr Kinder annimmt, ist denkbar, hängt aber natürlich noch davon ab, welche Räumlichkeiten gefunden werden. Die Stadt habe ihre Unterstützung bei der Suche zugesagt, heißt es.

„Rabeneltern“ seien es gewesen, die damals ihre Kinder „abgegeben“ haben, blickt Schulz zurück auf die Anfänge vor 15 Jahren. Dieses Bild habe sich komplett verändert. Aus Sicht der Erzieherin Schulz aus gutem Grund: Kinder, die in eine Krippe gehen, sind ihrer Meinung nach „selbstständiger und schlau“. Sie würden herausgefordert und in ihrer individuellen Entwicklung gefördert. Diese Sichtweise habe sich gesellschaftlich durchgesetzt. 

Bequeme Eltern und Sprachbarrieren

Verändert hätten sich allerdings auch die Herausforderungen für die Erzieherinnen. Eltern seien heute „bequemer“, die „Baustellen“ zum Beispiel mit Sprachbarrieren größer: Anders als zur Pionierzeit mit der Eigeninitiative der Eltern werde die Krippe nunmehr als Selbstverständlichkeit empfunden, die Erwartung an die externe Erziehungsarbeit sei größer. Doch auch bei der Bewältigung dieser Aufgaben wolle „Max und Moritz“ in der Kreisstadt Vorreiter bleiben – und in weiteren 15 Jahren erneut zufrieden zurückblicken können.

Das Fest zum 15-jährigen Bestehen von „Max und Moritz“ beginnt am Sonnabend, 2. Juni, um 15 Uhr. Geplant sind verschiedene Spiele für große und kleine Besucher, eine Hüpfburg, Popcornmaschine, Schatzsuche, Kinderschminken und vieles mehr.

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